Serie: Stadtteile

Wandel ist in der Innenstadt und in Eppinghofen unverkennbar

Die Schloßstraße in Mülheim: Seit Jahren wird versucht, die Einkaufsstraße wieder aufzuwerten.

Die Schloßstraße in Mülheim: Seit Jahren wird versucht, die Einkaufsstraße wieder aufzuwerten.

Foto: Michael Korte

Mülheim.   Die Innenstadt und das angrenzende Eppinghofen haben mit etlichen Problemen zu kämpfen. Doch ein Wandel zum Besseren ist deutlich zu spüren.

Nirgends leben die Menschen in Mülheim dichter, beengter, auf weniger Raum als in der Innenstadt und im angrenzenden Eppinghofen. Nirgends ist die Fluktuation so hoch, ziehen die Menschen so schnell wieder aus ihren Wohnungen aus. Nirgends ist die Stadt sozial gespaltener, sind die sozialen Sorgen größer als in Eppinghofen und in der Innenstadt. Nirgends ist die Stadt auch internationaler. Und nirgends gibt es größere Anstrengungen, das Blatt zum Besseren zu wenden – durchaus mit Erfolg.

Der Wandel ist unverkennbar. Erst recht in der Innenstadt, wo immerhin gut 21.000 Menschen leben. Doch dieser Wandel ist umstritten. Fragen wir den positiv Denkenden: Der lobt den Umbau der Ruhrpromenade zu einem Ort, an dem man sich inzwischen gerade im Sommer gerne aufhält. Der schwärmt von der Altstadt mit ihren kleinen Gassen als heimliche Innenstadt, der sieht in dem Medienhaus am Synagogenplatz eine Bereicherung, der nutzt die Außengastronomie und freut sich auf das neue Schloßstraßen-Quartier.

Untere Schloßstraße könnte ein Schmuckstück sein

„Ich lebe hier sehr gerne“, sagt etwa Renate Sommer, eine Bewohnerin der Innenstadt am Fluss. Sie sieht gerade die untere Schloßstraße auf einen sehr guten Weg. „Ich erwarte auch durch das neue Schloßstraßen-Quartier und den Umbau des ehemaligen Woolworth-Gebäudes eine absolute Belebung“, sagt sie empfindet auch das „Museum Temporär“ als einen echten Gewinn. „In ein paar Monaten könnte die untere Schloßstraße ein richtiges Schmuckstück sein.“

Der negativ Eingestellte dagegen trauert den alten Ostruhranlagen mit ihrem Grünanteil nach, beklagt die vielen Leerstände in der Innenstadt, hält die Schloßstraße für langweilig und attestiert als Autofahrer der Verkehrsführung in der Innenstadt nach wie vor ein Mangelhaft.

Seit Jahren sammeln Profis der Stadtplanung gemeinsam mit Bürgern Ideen, wie die Innenstadt attraktiver, wohnlicher gestaltet werden kann. Es werden schönere Fassaden gefördert, die Aufwertungen von Plätzen, die Aufführung von Veranstaltungen. Die Innenstadt und Eppinghofen haben eines gemeinsam: Es gibt in den Stadtteilen große Bemühungen.

Viel Bildungs- und Erziehungsarbeit

„Es liegen viele Konzepte vor, sie müssen nur umgesetzt werden“, sagt Ulrich Dörr, einer, der schon lange in Eppinghofen lebt und die kurzen Wege in die Innenstadt als einen Pluspunkt des Stadtteil ansieht. „Überall gibt es den Trend, dass die Menschen in der Innenstadt oder am Rande wohnen wollen“, sagt Dörr und ist überzeugt, dass davon auch Mülheim mehr profitieren könnte. Sein Wunsch: „Die Immobilienbesitzer sollten mehr an ihren Häusern, mehr für deren Erscheinungsbild tun.“

Integrations- und Bildungsarbeit, ist Dörr überzeugt, bleiben die wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre, gerade angesichts der höchsten Quote von Migranten in Mülheim. Gerade in Eppinghofen haben Stadtverwaltung und Politik diese Anforderungen seit Jahren im Blick. Vor zwölf Jahren wurde das Handlungskonzept Eppinghofen auf den Weg gebracht, ein Meilenstein. Da geht es vor allem auch um Bildungsangebote, um Hilfen für Familien, aber eben auch darum, ein besseres Image für den Stadtteil aufzubauen, für mehr Sicherheit und Ordnung zu sorgen. „Es gibt einen Wandel zum Besseren“, betont Dörr und verweist auf mehr Sauberkeit, auf weniger Ruhestörungen als noch vor ein paar Jahren. Was die Sicherheit angeht, betont er: „Verwaltung und Politik müssen Entwicklungen sehr genau beobachten und frühzeitig eingreifen.“

Hoher Einsatz in der Bildungs- und Erziehungsarbeit

All die kritischen Stimmen, die kontroverse Wahrnehmung eines Stadtteils kennt auch Bernd Köhler. Er ist erster Vorsitzender des Bürgervereins Eppinghofen. Zu viel Lärm, zu viel Schmutz, zu viel Alkohol in der Öffentlichkeit – das seien Klagen gerade der alten Eppinghofener. Der unschöne Nordausgang des Hauptbahnhofes bleibt für ihn ein Dauerproblem, das endlich mal gelöst werden sollte. Ansonsten sieht auch er Besserung, was die Sauberkeit im Stadtteil angeht. Köhler lobt den hohen Einsatz in der Bildungs- und Erziehungsarbeit, in den Netzwerken für den Stadtteil. „Es ist in den vergangenen Jahren in Eppinghofen sehr viel für die Software getan worden, bei der Hardware mangelt es noch “, sagt Köhler. Da wünschte er sich, dass mehr am Erscheinungsbild der Gebäude getan werde.

Der Vorsitzende des Bürgervereins sieht unter anderem „eine Menge an Entwicklungspotenzial“, was das Miteinander angeht, das Bauen von Brücken zwischen den Kulturen, aber auch was die Optik der Eppinghofer Straße betrifft. „Mehr Grün und mehr Außengastronomie – und es sähe dort schon ganz anders aus.“

>> STATISTIK-SERIE ZU DEN STADTTEILEN

In loser Folge stellen wir in dieser Serie die Stadtteile vor, dabei geht es vor allem um statistische Größen. Die Zahlen liefert uns dazu die Stadt. In der heutigen Folge haben wir die Innenstadt und Eppinghofen im Blick.

Bereist vorgestellt haben wir Broich, Speldorf, Styrum, Dümpten, Holthausen mit Menden und Raadt, Heißen mit Heimaterde, Saarn mit Selbeck und Mintard. In der nächsten Folge geht es um Mellinghofen/Winkhausen.

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