Trickbetrug

Vor diesen Betrugsmaschen warnt die Polizei in Mülheim

Trickbetrüger suchen sich häufig Senioren als Opfer aus. In Mülheim sind der Polizei einige Maschen bekannt.

Trickbetrüger suchen sich häufig Senioren als Opfer aus. In Mülheim sind der Polizei einige Maschen bekannt.

Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto services

Mülheim.  Trickbetrüger sind täglich in Mülheim unterwegs und schaffen es immer wieder, von oftmals älteren Personen Geld zu stehlen. Wie sie es anstellen.

845 Straftaten wurden 2018 unter dem Stichwort Trickbetrug/Straftaten zum Nachteil älterer Menschen im Polizeipräsidium Essen festgehalten, das auch für Mülheim zuständig ist. Viele Maschen treten immer wieder auf. Eine Übersicht.

Häufig wird Trickbetrug entweder telefonisch oder persönlich begangen. Zwei verbreitete Telefon-Varianten:

Enkeltrick

Ein angeblicher Enkel gaukelt einem älteren Menschen am Telefon vor, in finanzieller Not zu sein (z.B. Wohnungskauf, Notoperation im Ausland). Ein Termin wird vereinbart, wann von einem Bekannten Geld abgeholt wird.

Infizierter Computer

Anrufer geben sich als Mitarbeiter von Softwarefirmen aus, oft wird Microsoft genannt, das Gespräch auf Englisch geführt. Dabei wird behauptet, der Computer sei mit Viren infiziert. In der Folge sollen sämtliche Accounts und Passwörter sowie Kontodaten und PIN-Nummern übermittelt werden. Darüber wird Geld abgegriffen.

Bei den folgenden Maschen sind Betrüger persönlich in Kontakt zu ihren Opfern. Dabei wird ein ähnliches Muster angewendet. Im Endeffekt wollen die Betrüger in die Wohnung ihrer Opfer dringen, um dort nach Bargeld und Schmuck zu suchen und zu stehlen.

Falsche Polizisten

Falsche Polizisten geben an, Geld der Opfer in Sicherheit zu bringen. Frei erfundene Gründe: Diebesbanden sind mit Adresslisten unterwegs, Falschgeld wurde ausgegeben, Bankmitarbeiter wollen Safes ausrauben, Lösegeld gegen einen Haftbefehl der Staatsanwaltschaft. Diese Masche gibt es auch am Telefon, wobei manchmal die 110 im Display erscheint.

Mobilfunkmitarbeiter

Betrüger geben sich als Mitarbeiter eines Mobilfunkanbieters aus und behaupten, die Telefon-/TV-Anlage müsse überprüft werden. Teilweise sollen auch schon Verträge angeboten worden sein. Ein ähnlicher Fall ist der falsche Wasserwerker, der Heizung, Wasserrohre, Gas, oder den Kamin untersuchen möchte. Während einer mit dem Opfer die Gewerke „prüft“, entwendet der andere Bargeld/Schmuck usw.

Dachdecker

Angebliche Dachdecker haben bei einer Reparatur in der Nachbarschaft Schäden am Dach entdeckt. Sie geben vor, dass Versicherungen Probleme machen, wenn weitere Schäden entstehen und bieten direkt eine Reparatur an.

Zetteltrick

Betrüger wollen eine Nachricht für einen Nachbarn hinterlassen, dazu brauchen sie Zettel und Stift. Während das Opfer die Utensilien besorgt, gelangt jemand in die Wohnung und entwendet Bargeld oder Schmuck. Den gleichen Trick gibt es mit vorgetäuschtem Schwindel und der Bitte nach einem Glas Wasser.

Sohn des Eisverkäufers

Ein angeblicher Sohn des Eisverkäufers von „umme Ecke“ will jemanden kennen und ihm ein Geschenk geben. Dazu möchte er in die Wohnung der Opfer mitkommen, um Geld oder Schmuck zu stehlen.

Trickdiebstahl

Unter dem Vorwand, Geld umzutauschen oder nach dem Weg zu fragen, greifen die Täter ins Portemonnaie oder klauen es. Der Diebstahl wird erst später bemerkt.

„Es ist nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein psychischer Schaden. Oftmals verlieren Menschen bei einem erfolgreichen Trickbetrug ihr gesamtes Geld“, erklärt Polizei-Sprecherin Judith Herold. In einem besonders schwerwiegenden Fall wurde eine 88 Jahre alte Dame um 500.000 Euro betrogen. Eine Mülheimer Bank machte die Polizei darauf aufmerksam, dass die Dame regelmäßig hohe Geldbeträge von ihrem Konto abhob und immer unterschiedliche Gründe nannte. Es hieß, sie habe einen Mann kennengelernt, dem sie Geld überwiesen habe (z.B. für eine gemeinsame Immobilie). Recherchen der ergaben, dass die Dame bereits mehrfach betrogen wurde.

Familien zerstreiten sich sogar

Manche Opfer müssten fortan zur Tafel, da sie keine Ersparnisse mehr haben. „Familien zerstreiten sich teilweise, wenn dadurch das Erbe verschwindet“, weiß Herold. Die Polizei ist gewillt, die Betrüger zu fassen. Die Fadenzieher seien schwierig ausfindig zu machen. „Oftmals sind nur Mittelsmänner vor Ort, denen die Stellen genannt werden“, sagt Herold. Der Kontakt zu den Hintermännern werde gehalten und eine Übergabe abgesprochen. Oftmals werde das Geld danach ins Ausland gebracht (persönlich oder per Überweisung). Jungen Leuten rät die Polizei, sich nicht anwerben zu lassen. Häufig werde von den Hintermännern als Lockmittel schnelles Geld versprochen.

Die häufigsten Fälle sind nach Kenntnis der Polizei der bekannte Enkeltrick sowie die falschen Polizisten. „Solche Fälle treten täglich auf“, so Herold. Wer sicher gehen möchte, sollte sich eine neue Telefonnummer anlegen und diese nicht mehr öffentlich in ein Telefonbuch eintragen lassen. Ansonsten appelliert Herold: „Lieber einmal zu viel bei der Polizei anrufen als einmal zu wenig.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben