Kunst-Ausstellung

Vom Abfahren und Ankommen

Das Triptychon „Die geistige Emigration“ von Arthur Kaufmann ist ein Schlüsselwerk der Exilkunst.

Foto: Oliver Müller

Das Triptychon „Die geistige Emigration“ von Arthur Kaufmann ist ein Schlüsselwerk der Exilkunst. Foto: Oliver Müller

In der neuen Ausstellung „Weltenwanderer“ zeigen rund 100 Arbeiten von 23 Künstlern einen Blick auf Flucht- und Veränderungsbewegungen

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Mit ihrem klaren Bekenntnis gegen eine Schließung des Kunstmuseums (wir berichteten) haben die Kulturpolitiker dem kleinen Team um Direktorin Dr. Beate Reese den Rücken gestärkt. Aber die zermürbende Situation um die Zukunft der Sammlungen und des Hauses lässt sich hinter der Fassade einer engagierten Vorstellung der neuen Ausstellung erahnen.

Leben im Umbruch

Nach extremen Sparrunden in den letzten Jahren, dem Bangen um den Erhalt des Museums in 2010 und im Hinblick auf die geplante Sanierung in 2018 ließe sich da schon fast böse der Bogen zur aktuellen Präsentation „Weltenwanderer“ spannen: Das Leben in der Ungewissheit mit globalen Transit-, Flucht- und Wanderbewegungen wird dabei bewusst unter künstlerischen Aspekten reflektiert.

Trotz aller Anspannung ist eine ebenso originelle wie nachdenkliche Ausstellung gelungen, die zu einer Reise zwischen den Kulturen einlädt. Als ein reizvoller Kunstgriff wurden dabei ausgewählte Werke der klassischen Moderne – größtenteils aus den hauseigenen Sammlungen, aber auch mit Leihgaben wie dem Bild von Felix Nussbaum aus Osnabrück – zeitgenössischen Positionen junger Künstler gegenüber gestellt. So entsteht eine völlig neue Lesart von Bildern wie dem Triptychon „Die Geistige Emigration“ von Arthur Kaufmann als Schlüsselwerk der Exilkunst. Die Ausreise der vielen Denker und Künstler, die sich im Nazi-Deutschland auf dem Dampfer auf die ungewisse Reise nach Amerika machten, erscheint durch den Film „Passagen“ von Lisl Ponger in einem neuen Licht. Ob der Wanderbewegungen in einer dunklen Zeit oder aus aktuellem Anlass wird deutlich, wie sich eine Lebensreise ständig im Wandel befindet – inklusive zerbrochener Hoffnungen und dem Scheitern wie der Odyssee als Mythos der Menschheitsgeschichte. So bilden Oskar Kokoschkas Odyssee-Blätter einen augenfälligen Kontrast zu den Intarsien-Bildern zur „Space Odyssee“ von Henrik Schrat und dem Video „Homeland“ von Halil Altindere: Als Collage von Videoclips mit Rap-Gesang erzählt der Syrer von seiner Flucht nach Deutschland, was mit einer Odyssee und einem kollektiven Schicksal einher geht.

Rund 100 Arbeiten von 23 Künstlern ziehen sich durch die gesellschaftlichen Umwälzungen der jüngeren Geschichte, loten den Abschied, das Ankommen, das Unterwegssein sowie die Berührungen und Abstoßungen der verschiedenen Kulturkreise kunstvoll aus. Einen Weg, wie man trotz aller Unterschiede vielleicht doch zusammen finden kann, macht die iranische Künstlerin Maryam Motallebzadeh auf: Fünf Meter hoch ist ihre Arbeit aus blauen und zarten Schleiern. In diesem Labyrinth kann sich der Besucher selbst auf eine Reise begeben, umgeben von einer Collage der Erinnerung. Und als Einblick in Motallebzadehs Leben zwischen den Kulturen. Als temporäres Werk hat die Künstlerin diese zauberhafte Rauminstallation eigens in und für Mülheim erschaffen.

Vernissage

Die Ausstellung „Weltenwanderer“ wird am Samstag, 18. März, 18 Uhr, im Kunstmuseum am Synagogenplatz eröffnet. Sie dauert bis zum 18. Juni. Dazu ist ein umfangreiches Rahmenprogramm im Angebot. Darunter Workshops für Jugendliche (19. und 20.4.), Familien und Senioren (13.5., 21.5.) sowie einen Kurs für Geflüchtete (1.4.).


Es gibt einen Katalog zur Ausstellungseinführung für 8 Euro: zusammen mit der Eintrittskarte zum Sonderpreis von 10 Euro.

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