WAZ-Medizinforum

Viele Wege führen in der Medizin aus der Depression

WAZ-Medizinforum im St. Marien-Hospital zum Thema Depressionen. Im Bild: WAZ-Lokalchef Andreas Heinrich, Diplom Psychologe Stefan Limberg und Chefarzt Dr. Rudolf Groß (v.l.).

Foto: Herbert Höltgen

WAZ-Medizinforum im St. Marien-Hospital zum Thema Depressionen. Im Bild: WAZ-Lokalchef Andreas Heinrich, Diplom Psychologe Stefan Limberg und Chefarzt Dr. Rudolf Groß (v.l.).

Mülheim.   Beim WAZ-Medizinforum ging es um Depressionen und darum, dass die Betroffenen von ihrer Umgebung nicht immer die nötige Unterstützung erfahren.

Das Leiden ist ihnen meist nicht anzusehen, es lässt sich auch nicht mit Blutwerten bestimmen oder durch Ultraschall erfassen. Dabei kann sich eine Depression auf vielfältige Weise äußern. Sie kann sich körperlich zeigen, ohne dass sie als solche erkannt wird. „Es ist eine sehr komplexe Erkrankung, die sich nicht schnell und nicht mit einfachen Mitteln beheben lässt“, erklären Dr. Rudolf Groß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am St. Marien-Hospital, und der Psychologe Stefan Limberg beim letzten WAZ-Medizinforum in diesem Jahr.

Unter einer Krankheit, die man nicht auf den ersten Blick sieht, leiden die Betroffenen nicht selten doppelt: „Das Schlimmste, das mir einer mal gesagt hat, war: So wie Du krankfeierst, möchte ich mal Urlaub machen“, berichtet ein Besucher beim Medizinforum. Andere schildern, wie stark Depressionen oft auch die nächsten Angehörigen belasten. Auch sie bekommen die Erkrankung zu spüren, müssen damit leben. Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Depressionen, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Mehr Suizide als Tote im Straßenverkehr

In Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Trauer, negativen Gedanken, Sinnlosigkeitsgefühlen, Wahnvorstellungen und in Selbstmordgedanken kann eine Depression sich äußern. „In Deutschland nehmen sich täglich 30 Menschen das Leben, über 10 000 im Jahr. Das sind mehr Tote als im Straßenverkehr“, sagt Groß und weiß, dass ein Großteil davon unter Depressionen litt.

Nicht jeder der Betroffenen denkt selbst zunächst an Depressionen, wenn sein Leben sich plötzlich verändert, wenn Gefühle außer Kontrolle geraten. Depressionen, zählt der Chefarzt auf, können sich in körperlichen Schmerzen äußern, in Appetitstörungen, in Schlafstörungen, vor allem Durchschlafstörungen, in zunehmender Ängstlichkeit, in fehlender Zukunftsperspektive. Limberg spricht von einer Depressionsspirale, bei der der Betroffene immer tiefer heruntergezogen wird, bei dem sich die Stimmung letztlich so verschlechtert, dass selbst kleinste Alltagsaufgaben zu einer großen Hürde werden.

Es gibt vielfältige Therapiemöglichkeiten

So komplex die Krankheit ist, so vielfältig sind die Therapiemöglichkeiten. 60 bis 70 Prozent der Patienten, die Antidepressiva nehmen, profitieren davon, berichtet der Chefarzt. Bei gut der Hälfte der Patienten wirkt sich ein Schlafentzug positiv aus. Es gibt Lichttherapie, Musiktherapie, Ergotherapie. Auch Bewegung wird auf dem Weg zur Besserung eingesetzt.

Vieles läuft in der Therapie auf der Gesprächsebene. Die Selbstbeobachtung gibt dem Psychologen dabei oft wichtige Aufschlüsse oder die einfache Frage: Was hat einem früher Freude bereitet und warum heute nicht mehr? Limberg analysiert in Gesprächen mit Patienten Lebensituationen, Konflikte, Belastungen. Er spricht mit Betroffenen darüber, wie man sich wieder „aufraffen“ kann, Dinge anzugehen. Wie es gelingen kann, sich über kleine Erfolge wieder zu freuen. Patienten, so Limberg, können lernen, den Alltag wieder zu strukturieren. Es ist harte Arbeit an Gedanken, die in der Therapie geleistet wird. Eine Einbeziehung der Familien kann sehr hilfreich sein. Es gibt, sagt Limberg, die Spirale nach unten, aber ebenso wieder nach oben. Der Weg dorthin wird bereitet.

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