Kommentar

Verschissmuss-Fall: Die unrühmliche Rolle des BAMH-Chefs

Mirco Stodollick

Mirco Stodollick

Foto: Mirco Stodollick Archivbild: Ilja Höpping / Mirco Stodollick

Mülheim.  Jochen Hartmann hat sich pudelwohl gefühlt, die Häme zur Verschissmuss-SPD ins Rollen gebracht zu haben. Der BAMH-Chef sollte sich hinterfragen.

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Da war BAMH-Fraktionschef Jochen Hartmann mal wieder schnell bei der Sache. Die Gedenkveranstaltung für die Opfer von Krieg und Zwangsherrschaft am Dümptener Mahnmal war nicht lange beendet, als Hartmann seine Häme über die „Verschissmuss“-Trauerschleife am Kranz der SPD voller Lust und Laune in die Social-Media-Kanäle kübelte. „Finde den Fehler“, schrieb er zu dem Bild vom Gedenkkranz, das er auch anderweitig streute. „Zu häufig bei den Freitagsdemos und zu wenig im Deutsch-Unterricht“, seien die Mülheimer Genossen wohl, scherzte er.

Hartmann genoss tagelang die bundesweite Aufmerksamkeit, achtete schön drauf, dass bei weiterer Verwendung auch sein Name als Autor des Bildes genannt wurde. Hartmann, der Sozi-Hasser, muss es ein Genuss gewesen sein, eine Genugtuung, dass selbst überregionale Medien bei ihm um ein Interview baten. Läuft, muss sich Hartmann gedacht haben, der vor keinem Ausflug in blanken Populismus, in Hohn und Spott scheut, wenn bloß die politische Konkurrenz das Fett abkriegt.

Es lief gut für Hartmann – bis Dienstag

Läuft? Lief für Hartmann. Bis zum Dienstag. Bis aufgedeckt war, wie es zu dem sicher peinlichen Verschissmuss-Fehler gekommen war. Eine Floristin hat das Wort „Faschismus“ nicht schreiben können, hat es so der Druckerei übermittelt, die hat es nicht hinterfragt, hat es so gedruckt. Niemand hat’s mehr kontrolliert und so weiter und so fort.

Die Floristin hat nun gekündigt, hat den Druck nicht mehr ausgehalten. Der Blumenladen hat dicht gemacht, weil er vor dem Weihnachtsgeschäft ohne Verkäuferin dasteht, von der Rufschädigung ganz zu schweigen.

Hartmann trieb die Hetzjagd auf die SPD bis zuletzt auf die Spitze

Hartmanns Hetzjagd auf die Sozis, in den sozialen Netzwerken bis zuletzt auf die Spitze getrieben: Das Ergebnis ist nun insbesondere die menschliche Tragödie einer Floristin. Am Dienstagnachmittag, nachdem berichtet war, welche Ausmaße erreicht waren, meinte Hartmann immer noch einen draufsetzen zu müssen. Nachdem er erfahren habe, dass die Floristin gekündigt habe, habe er SPD-Fraktionschef Spliethoff „angeschrieben und angeregt, dass wir gemeinsam zu der Frau gehen und sie bitten, ihre Kündigung rückgängig zu machen. Leider hat der Spliethoff diese Anregung abgelehnt.“

Unfassbar, dass Hartmann selbst jetzt noch die SPD in die Pfanne hauen wollte, ja nicht bereit zu sein, mit ihm zur Floristin zu gehen. Dass Spliethoff abgelehnt hat, mit Hartmann gemeinsam aufzutreten, ist mehr als verständlich. Ohne Hartmanns Zutun hätte es so weit nämlich gar nicht kommen müssen. Hoffentlich nimmt BAMH-Häuptling Hartmann das Geschehene einmal zum Anlass, sein plump-populistisches Gehabe zu hinterfragen. In seiner Gier nach politischem Einfluss hat sich Hartmann jedenfalls nicht das erste Mal kräftig verstiegen.

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