Einzelhandel

Verkaufsoffener Sonntag hat Sogwirkung für den Handel

Der Mülheimer Hartmut Buhren (l.) ist Vorstandsvorsitzender des Handelsverbands Ruhr, eine ehrenamtliche Aufgabe. Marc Heistermann ist Geschäftsführer des Verbandes, der seinen Sitz in Essen hat und von dort aus Mülheim und Oberhausen mitbetreut.

Der Mülheimer Hartmut Buhren (l.) ist Vorstandsvorsitzender des Handelsverbands Ruhr, eine ehrenamtliche Aufgabe. Marc Heistermann ist Geschäftsführer des Verbandes, der seinen Sitz in Essen hat und von dort aus Mülheim und Oberhausen mitbetreut.

Foto: Mara Tröger

Mülheim.   Die Köpfe des Handelsverbands Ruhr, Geschäftsführer Marc Heistermann und Vorstandsvorsitzender Hartmut Buhren, über Chancen und Pflichten.

Um eine Innenstadt vital zu machen, brauche sie heute Events – nicht nur, aber auch an verkaufsoffenen Sonntagen, ist Marc Heistermann, Geschäftsführer des Handelsverbands Ruhr, überzeugt. Beide Aspekte – Events und verkaufsoffener Sonntag – haben aus Sicht von Hartmut Buhren, Vorstandsvorsitzender des Handelsverbands Ruhr, Sogwirkung: „Dadurch lockt man andere Kunden in die Geschäfte.“ Denn: „Wer unter der Woche in der Innenstadt unterwegs ist, will in der Regel ganz bestimmte Besorgungen machen, läuft mit Scheuklappen und mit Blick auf die Uhr durch die Stadt.“ Sonntags aber gehe man ergebnisoffen in die Stadt, wenn dort die Läden geöffnet haben.

Buhren beschreibt das so: „Der Weg ist das Ziel. Da gehe ich auch mal in ein Geschäft, das ich noch nicht kenne.“ Und auch Marc Heistermann sagt: „Sonntags geht man nicht alleine einkaufen, sondern hat den Partner oder die Familie dabei.“ Sonntags könne der Händler daher Kunden – eben auch solche, die seinen Laden zum ersten Mal betreten – gewinnen.

Unverständlich ist daher für Heistermann das Vorgehen der Gewerkschaft Verdi, die im vergangenen Jahr auch in Mülheim kurzfristig einen verkaufsoffenen Sonntag gekippt hat. Nach einer Klage von Verdi hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf Ende vergangenen Jahres entschieden, dass das Einkaufszentrum in Heißen am 9. Dezember nicht öffnen darf. „Es hat den Anschein, als ob maximaler Schaden erzielt werden soll“, so Heistermann und bezeichnet das Vorgehen der Gewerkschaft als unfair: „Verdi bekommt früh mit, dass verkaufsoffene Sonntage geplant sind, wartet aber mit der Absage bis zum letztmöglichen Termin. Die Absage kommt regelmäßig Knall auf Fall, ich erkenne dahinter eine Struktur.“

Das treffe stationäre Händler besonders, die – anders als vielleicht Filialisten – für einen verkaufsoffenen Sonntag vieles in Eigenregie vorbereiteten. Und auch die Arbeitnehmer im Einzelhandel, die häufig durchaus bereit seien, die wenigen verkaufsoffenen Sonntage im Jahr zu begleiten, meint Buhren. „Weil sie wissen, dass so ihr Arbeitsplatz gesichert werden kann, und weil sie eine gute Vergütung beziehungsweise Freizeitausgleich bekommen. Der Mitarbeiter auf der Fläche sieht doch was los ist, bekommt den Frequenzrückgang unmittelbar zu spüren“, ist Heistermann überzeugt.

Gerade in Mülheim gehe man ausgesprochen moderat mit verkaufsoffenen Sonntage um. „Hier schöpft niemand aus, was gesetzlich möglich wäre“, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes. Drei verkaufsoffene Sonntag sind in diesem Jahr für Mülheim geplant.

Konkurrenz durch Onlinehandel

Nicht auszublenden sei die Konkurrenz durch den Zuwachs im Online-Handel. Heistermann macht deutlich: „Der Haupteinkaufstag im Online-Shopping ist der Sonntagabend.“ Daraus ergebe sich die Frage: „Wie kann ich den Kunden dazu bewegen, trotzdem in den Städten einzukaufen, auch wenn es online zuhause auf dem Sofa bequemer ist.“ Heistermann ist überzeugt: „Das funktioniert nicht über das Produkt, das er genauso im Internet bekommt, sondern nur über die Rahmenbedingungen.“

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes fordert: „Wir brauchen ein komplett neues Denken bei allen Beteiligten und müssen weg vom Das-haben-wir-schon-immer-so gemacht.“

Wenn sich Stadt und Eigentümer – nach dem Beispiel des Pop-Up-Shops – flexibler und gesprächsbereiter zeigten, ist Heistermann überzeugt, würde das auch von Investoren wahrgenommen, Mülheim könnte profitieren. Aber auch den Kunden nimmt Heistermann in die Pflicht: „Er muss sich fragen lassen, was er lokal mit seinem Einkaufsverhalten einbringen kann.“ Und: Der lokale Händler sei es, der den Fußballverein im Ort sponsore – nicht Amazon.

Subventionen für den Handel, statt fürs Theater

Seine Forderung klingt provokant, Hartmut Buhren meint sie aber ernst. Der Vorstandsvorsitzende des Handelsverbands Ruhr sagt: „Jahrelang wurde das Theater in Mülheim subventioniert, jetzt wäre doch mal der Handel dran.“ Konkret meint Buhren etwa vergünstigte Parkgebühren in der Innenstadt oder gleich den kompletten Verzicht darauf. „Das würde der Innenstadt ein Alleinstellungsmerkmal geben.“

Belebung für die Schloßstraße

Impulse seien dringend nötig, um die Schloßstraße zu beleben, dieser Meinung ist auch Marc Heistermann, Geschäftsführer des Handelsverbands Ruhr. Der kürzlich eröffnete Pop-Up-Shop sei eine gute Idee und ein Signal in die richtige Richtung, sind sich beide einig. Doch Heistermann schränkt ein: „Als Versuchsballon ist das nicht schlecht, das Risiko ist überschaubar.“ Hartmut Buhren lobt: „Als Einzelhandelsverband begrüßen wir es, wenn die Wirtschaftsförderung außergewöhnliche Ideen einbringt und mit ihrem Netzwerk junge Leute unterstützt.“

Belebung für die Schloßstraße und ihre Seitenstraßen versprechen sich die beiden Handelsexperten auch von der Ansiedlung des neuen Stadtquartiers Schloßstraße. „Die Lage der Innenstadt direkt am Fluss ist doch ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Die Aufenthaltsqualität wird immer wichtiger, Einkaufen ist nicht nur Bedarfsdeckung, sondern auch Freizeitgestaltung“, betont Heistermann und spricht von urbanem Flair: „Wenn man bedenkt, welches Potenzial es in Mülheim zu heben gibt: Zum einen kaufkräftige Kunden und zum anderem junges Publikum, etwa durch die HRW.“

Wichtig sei allerdings der Mix der neue Ansiedlung bei Ruhrbania. Gute Gastronomie etwa könne es schaffen, Mülheimer anzulocken, die ihrer Innenstadt seit Längerem enttäuscht den Rücken zugewandt haben. „Dann entdecken sie vielleicht auch neue Geschäfte und kaufen beim nächsten Mal dort.“

Einzelhandel alleine reiche heute nicht mehr aus, um eine Fußgängerzone attraktiv zu machen, Geschäfte seien lediglich ein Mosaikstein, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Innenstadt hat eigene Stärke

Eine Innenstadt habe gegenüber einem Einkaufszentrum eine eigene Stärke, ist Buhren überzeugt: „Mit Dienstleistungen wie Behörden, Ärzten und der Bücherei kann sie zusätzlich punkten.“ Allerdings sei die Verkehrsführung innerhalb Mülheims alles andere als glücklich, findet Heisterkamp und rät: „Man muss öfter mal die Kundenbrille aufsetzen und sich fragen: Reicht das Angebot aus, damit ich es als Kunde auf mich nehme, trotzdem in die Mülheimer Innenstadt zu kommen.“ Viele träfen ihre Entscheidung da zu Lasten der hiesigen City. Rahmenbedingungen wie gute Erreichbarkeit seien aber entscheidend, um die Frequenz zu erhöhen, so Heisterkamp. An dieser Stelle sei die Verwaltung gefragt.

>>> DREI VERKAUFSOFFENE SONNTAGE SIND GEPLANT

In Mülheim sind nach Auskunft der Stadt für 2019 drei verkaufsoffene Sonntagen vorgesehen – jeweils gekoppelt an eine Veranstaltung. Auch der Rat sieht Konkurrenz durch Onlinehandel sowie Mitbewerber in Nachbarstädten.

Den Anfang macht „Mülheim mittendrin“ am 12. Mai, gefolgt vom „Saarner Oldtimer-Cup“ am 8. September. Der letzte verkaufsoffene Sonntag in diesem Jahr wird zur „Stadtweihnacht“ am 1. Dezember stattfinden.

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