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Verhandlungen bei Siemens zum Stellenabbau vor dem Abschluss

Im Geschäft mit großen Gasturbinen für den konventionellen Kraftwerksbau hat Siemens große Probleme und keine Hoffnung auf bessere Zeiten.

Im Geschäft mit großen Gasturbinen für den konventionellen Kraftwerksbau hat Siemens große Probleme und keine Hoffnung auf bessere Zeiten.

Foto: Marc Albers

Mülheim.  Am Montag kommt die Mülheimer Siemens-Belegschaft zur Betriebsversammlung zusammen. Steht dann der Interessenausgleich zum Stellenabbau?

Die Verhandlungen zum geplanten Abbau von mehr als 700 Stellen am Mülheimer Siemens-Standort standen dem Vernehmen nach am Freitag kurz vor dem Abschluss. Gebannt blickt die Belegschaft auf Montag. Da ist sie mittags zur Betriebsversammlung in die Innogy-Halle eingeladen.

Wird der Siemens-Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli am Montag das Ergebnis der Verhandlungen zu einem Interessenausgleich im Detail verkünden? Die Innogy-Halle dürfte zur Betriebsversammlung äußerst gut besucht sein, es knistert gewaltig, ist zu hören.

Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden

Wegen der schwachen Kapazitätsauslastung im Komponentenbau für konventionelle Kraftwerke steht der Mülheimer Standort von Siemens gehörig unter Druck. Die Arbeitnehmerseite ist derweil forsch in die Verhandlungen mit den Konzernlenkern gegangen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, eine Perspektive für den Werksstandort Mülheim ist eingefordert. Der Konzern soll dem Standort die Zeit einräumen, die es brauche, den Wandel zu gestalten. Auch Investitionen sind eingefordert, damit innovative Ideen von Mitarbeitern für die Entwicklung neuer Produkte zur Energiewende konkretisiert werden können.

Im aktuellen „Stromschlag“, der Betriebsräte-Zeitung der IG Metall, wird die Arbeitsgruppe, die das Mülheimer Werk zu einem „Zentrum für Energiewende-Technologien“ wandeln will, deutlich. Künftig sollen in Mülheim Prototypen entwickelt werden für jene Technologien. Etwa für einen Wasserstoffbrenner für eine CO2-neutrale Gasturbine oder einen Phasenschieber für Anwendungen, die der Stabilität in Elektrizitätsnetzen dienen. Mit Mitteln eines Innovationsfonds sollen Mitarbeiter für diese Aufgabe von ihren herkömmlichen Aufgaben freigestellt werden. Bestehende Kooperationen mit der Wissenschaft sollen dafür vertieft werden.

Investitionen in den Maschinenpark

Es gelte darüber hinaus, die Kompetenz in der Belegschaft zu halten und auszubauen sowie in den Maschinenpark zu investieren, so die Arbeitsgruppe um Betriebsratschef Bazzoli. Das schaffe die Voraussetzung für zusätzliche Produkte und Dienstleistungen wie etwa die Fertigung von Schiffsantrieben.

Inwieweit sich die Konzernleitung auf diese und noch mehr Forderungen der Arbeitsgruppe eingelassen hat, ist noch nicht klar. Klar ist, dass das Land einer Vernetzung größerer Industriebetriebe zu einem Innovations-Cluster freundlich gegenübersteht. Hiermit ist auch eine andere Forderung aus dem Siemens-Betriebsrat verbunden: dass es im Netzwerk gelingt, bei schlechter Auslastung qualifizierte Mitarbeiter nicht zu verlieren, sondern an ein anderes Unternehmen im Verbund zu verleihen.

>>>Siemens-Chef macht schon nächste Baustelle auf

Für zusätzliche Unruhe hatte Siemens-Chef Joe Kaeser im Sommer mit einem Interview mit dem Handelsblatt gesorgt. An einer Partnerschaft für die mitten im Abbau von 6000 Stellen steckende Gasturbinen-Sparte werde „mit hoher Priorität“ gearbeitet, hatte er da gesagt.

Man führe in China Gespräche auf hochrangiger Ebene und sei zuversichtlich, eine Transaktion unter Dach und Fach zu bringen.

Als mögliche Käufer nannte das Handelsblatt Anfang August den langjährigen Siemens-Partner Shanghai Electric und die staatliche SPIC, mit der der Siemens-Konzern zuletzt eine technologische Zusammenarbeit bei einem älteren Modell großer Gasturbinen verkündet hatte.

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