Liebe

Valentinstag: Erinnerungen an die schönsten Liebesbriefe

Wir suchen die schönsten Liebesbriefe Mülheims.

Wir suchen die schönsten Liebesbriefe Mülheims.

Foto: Reiner Worm / WAZ FotoPool

Mülheim.  Zum Valentinstag suchen wir die schönsten Liebesbriefe Mülheims – und erinnern uns an die emotionalen Zeilen, die uns geschrieben wurden.

Es gab Zeiten, da haben wir Briefbücher geführt, Seiten an eine Freundin geschrieben, wie ein Tagebuch mit all den Gefühlen, die uns umtrieben. Ein bisschen Liebe war da auch, denn diese Freundschaften waren tief und voller Vertrauen. Und dann gab es die vielen Briefe voller Zuneigung an Jungs, von Jungs. Mit zarter Leidenschaft, tiefstem Schmerz, wie man ihn nur mit 15 fühlen kann.

Ich hatte einen Freund bei der Bundeswehr, er war die erste große Liebe, in Hilden stationiert, weit genug entfernt für Briefe, nah genug, um sich jedes Wochenende zu sehen. Das hielt uns nicht davon ab, hunderte Zeilen jede Woche zu schreiben, immer mit Tinte, oft mit roter. Was für ein schönes Gefühl zu schreiben, zu zerknüllen, wieder neu anzusetzen, bis man zufrieden war, trotzdem noch mit Aufregung, ob die Worte die richtigen sind.

Liebesbriefe: Dann kam die Pubertät mit voller Wucht

Danach das Fiebern auf die Antwort: Leichte Schmetterlinge beim Aufreißen des Umschlags, Kribbeln, Freude, Erröten. So gerade aus der Kindheit raus, gefühlt schon halb erwachsen, fing es an – mit kleinen Zettelchen, die durch Schulbänke gereicht oder auf Fluren zugesteckt wurden. Unschuldige Briefchen waren das, die zu verstohlenem Händchenhalten oder zarten ersten Küssen führten.

Und dann kam die Pubertät mit voller Wucht und Leidenschaft in all den geschriebenen Zeilen. In einer Kiste im Keller liegen die Erinnerungen an diese erste Liebe und kaum zu glauben ist, wie intensiv man meinte zu fühlen damals, weil alles zum ersten Mal passierte. Nie wieder habe ich so zärtliche Worte gelesen, überquellend von Romantik: „Warum, meine Süße, solltest Du nicht jetzt in unvergesslicher Weise in meinem Herzen bleiben? Du bist mir so wichtig und wie sehr, das lässt dieser kleine Brief gar nicht erahnen.“

Früher war mehr Ruhe, auch in Sachen Liebe

Das Schöne an den Briefen war, sie immer wieder herausholen zu können, wenn man vermisste, damit die Sehnsucht zu stillen; in Erinnerungen schwelgen, die noch gar nicht lange her waren. Und heute sind sie ein Relikt aus Zeiten, als man sich traute, seine Gefühle frei herunterzuschreiben. All das fühlte sich so echt an, noch frei von dem ernüchternden Realitätssinn, der im aufgeklärten Erwachsenenkopf heranwuchs.

Natürlich endete die Liebe zu dem Mann bei der Bundeswehr, und in den Nuller-Jahren verdrängten E-Mails die handgeschriebenen Seiten. Doch auch digital lässt sich so manches schöne Wort schreiben, lässt sich noch viel einfacher feilen an Formulierungen. Nur das Warten auf die Antwort ist unerträglicher geworden, weil alles so viel schneller geht. Früher war mehr Ruhe, auch in Sachen Liebe.

Mit 14 schrieb mir ein Junge nach einer noch unsicheren Trennung: „Überlege, wie lange ich noch warten muss. Einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein halbes Jahr, ein Jahr, ein Jahrzehnt, ein Jahrtausend, ein Lichtjahr. Wer weiß. Aber ich werde immer auf dich warten.“ Ach, wie schön war zarte Jugendliebe.

(Linda Heinrichkeit)

„Ich schrieb Liebesbriefe fast immer und überall“

Wer jung ist, investiert viel Energie und Zeit in die Liebe – weil es sich so gut anfühlt. Man sollte diese Energie auch in den Jahrzehnten danach dafür verwenden. Das macht jeden Tag wieder schön. Das Schreiben von Liebesbriefen gehörte über Jahre zu den festen Bestandteilen meines Tagesablaufes. Die Verbindung Madrid-Mülheim musste ständig aufrechterhalten werden.

Mobile Telefone? Mitte der 1980er Jahre waren das schwere Koffer mit Sendern. Wenige hatten so ein Ding im Auto. Smarte Glasflächen zum Wischen und So-viel-Du-kannst-Telefonieren zum Pauschalpreis waren vor 35 Jahren noch nicht erfunden. Auf einer Dienstreise nach Madrid hatte mich aber eine liebe Frau überzeugt, mein Herz an sie zu verschenken. Schon am Flughafen begann der große Jammer: Wann sehen wir uns wieder? Hin- und Rückflug in die Spanische Metropole für 830 DM – wirklich teuer.

Luftpost war dagegen erschwinglich. So säuselte ich täglich liebe Zeilen auf mehreren Seiten. Auf dem Weg in die Redaktion, im Bus, in der Bahn, in der Pause. Ich schrieb Liebesbriefe fast immer und überall. Ich hatte unendlich viel mitzuteilen. Das Beschreiben guter Gefühle lag mir sehr am Herzen. Was wir uns in den schönsten Sätzen geschrieben hatten, konnten wir manchmal erst Wochen später ausprobieren.

Erinnerungen an früher: Dicke Ordner auf dem Speicher

Auf dem Heimweg schickte ich stets einen Brief nach Madrid ab. Ich schaute zuhause immer zuerst in den Briefkasten, ob die Allerliebste schon geantwortet hatte. Wir lernten dabei jeweils eine neue Sprache: Sie gab mir intensivsten Spanischunterricht, ich war ihr ganz persönlicher Deutschlehrer. Dieser Spannungsbogen hielt über mehrere Jahre.

Was in den Briefen alles so stand? Das bleibt private Verschlusssache. Als wir später zusammenzogen, schrieben wir keine Liebesbriefe mehr. Wir konnten uns alles sagen – zweisprachig. Neulich habe ich die dicken Ordner mit ihren Briefen auf dem Speicher gefunden. Ich könnte mich darin festlesen und immer noch schwärmen. Wüsste ich doch gern, was aus ihr geworden ist.

(Frank-Rainer Hesselmann)

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