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Umkämpftes Bauprojekt am Mendener Ruhrufer feiert Richtfest

Beim Richtfest: v.l. Hanz-Georg Anschott (Vorstand Geno Bank), Bauherr Norbert Terodde, Architekt Rainer Dittrich und Daniel Kürsten (Geno Immobilien).

Beim Richtfest: v.l. Hanz-Georg Anschott (Vorstand Geno Bank), Bauherr Norbert Terodde, Architekt Rainer Dittrich und Daniel Kürsten (Geno Immobilien).

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Wohnen in bester Lage Mülheims: Für 5,5 Millionen Euro baut Investor 13 Komfort-Mietwohnungen an Mendens Ruhrufer. Nicht zur Freude der Nachbarn.

Den Richtkranz lässt der Bauleiter vor den 25 Quadratmeter großen Balkon in der dritten Etage hieven, im Hintergrund fliegt gerade ein Schwan einige Meter die Ruhr stromaufwärts. Idyllisches, luxuriöses Wohnen direkt am Mendener Ruhrufer verspricht die Essener Geno Bank, die am Freitag mit einem symbolischen Richtfest in die Vermarktung von 13 großzügigen Mietwohnungen an der Mendener Straße einsteigt. Das millionenschwere Bauprojekt hat in Menden, insbesondere in der Nachbarschaft, für Aufruhr gesorgt. Mehrere Klagen gab es, die Polizei musste ausrücken, gar von Sabotage der Bauarbeiten ist die Rede. . .

Die Gegend mit den höchsten Grundstückspreisen

Es ist die Gegend Mülheims mit den höchsten Grundstückspreisen. Dementsprechend hoch beziffert Bauherr Norbert Terodde von der Schildberg Baugesellschaft das Investitionsvolumen: 5,5 Millionen Euro seien in das Projekt geflossen. Drei Etagen hoch ist der Bau. 13 Wohnungen finden dort Platz, 82 bis 148 Quadratmeter groß. Eine Tiefgarage bietet 20 Stellplätze. Hausmeisterservice, Barrierefreiheit, Hausverwaltung, auch eine innovative Paketannahmestation wird installiert: Über eine App soll sich nicht nur die Paketannahme steuern lassen, auch andere Lieferungen, von der Arznei bis zum Wasserkasten, sollen sich kinderleicht organisieren lassen.

10,50 bis 13,50 € pro qm verlangt die Geno Bank, die das Haus schlüsselfertig übernehmen wird, als Kaltmiete. Laut Daniel Kürten, dem Geschäftsführer der Geno Immobilien, wurden schon vor dem offiziellen Vermarktungsstart zahlreiche Interessenten auf die Liste genommen. Man registriere insbesondere Interesse der älteren Generation, die sich vom Eigenheim samt Pflegeaufwand trennen wolle und Alternativen suche, wo sie bis ins hohe Alter selbstständig leben könne.

Immobilie liegt direkt an der Ruhr

Die neue Immobilie im Stich der Mendener Straße, gegenüber vom Haus Ruhrgarten, zähle zu den „Highlights unseres Immobilienportfolios“, so Heinz-Georg Anschott, Vorstandsvorsitzender der Geno Bank. Dass die Nachbarn, denen durch den Neubau der freie Blick auf die Ruhr genommen ist, das nicht so sehen, weiß Investor Terodde nur zu gut. Selbst als das Verwaltungsgericht die Klage einer Eigentümergemeinschaft abgewiesen hatte und die Baugenehmigung rechtskräftig war, habe es mit den widerspenstigen Nachbarn „Nachgeplänkel“ gegeben.

Sie hätten die Zufahrt für Lkw auf die Baustelle blockiert, Autos in den Weg gestellt, das Umweltamt eingeschaltet. . . „Ich bin seit mehr als 20 Jahren im Geschäft“, sagt Bauleiter Gunter Teschner, „so etwas habe ich noch nie erlebt“. Einmal habe gar der Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung nur deshalb ausrücken müssen, weil irgendjemand in eines von 40 Löchern für Sondierungsbohrungen eine Eisenstange reingeworfen habe.

Buchenhecke soll beschädigt worden sein

Vertreter der Anwohner-Initiative weisen das zurück. Von Sabotage zu reden, sei „völliger Quatsch“, sagt Initiativen-Sprecher Hans Jochen Blätte. Sowohl das Haus Ruhrgarten als auch die klagenden Bewohner hätten in der schmalen Zufahrt lediglich ihre Grundstücke abgesichert. Trotzdem hätten die Lkw etwa die Buchenhecke beschädigt. Weshalb eine Miteigentümerin aktuell noch Schadenersatz verlange.

Eine ökologisch wertvolle Wiese sei nun zerstört, klagt Blätte, sagt aber: „Man muss wohl Frieden schließen.“ Um das Mendener Ruhrufer macht er sich weiter Sorgen: „Die Stadt rückt der Ruhr auf die Pelle, es gibt ja weitere Grundstücke, die noch bebaut werden sollen.“ Dagegen will Blätte aber nicht mehr engagiert vorgehen. „Gegen das Kapital hat man leider keine Chance.“

<<< GENO BANK INVESTIERT 100 MILLIONEN EURO

Die Geno Bank hat in Zeiten der Niedrigzinsphase den Mietwohnungsbau als neue Anlageform entdeckt und 100 Millionen Euro dafür vorgesehen.

Neben dem Mendener Projekt hat die Geno Bank bereits einen Bau mit elf Wohnungen am Schüttberg in Dümpten vermietet. An Priesters Hof im Rumbachtal entsteht bis Ende des Jahres ein Bau mit 26 Wohnungen, auf dem Kahlenberg weicht an Wasserstraße/Scharpenberg alter Gebäudebestand für den Neubau von 18 Wohnungen.

Projektseite für das Projekt in Menden: genowohnen-mendenerstrasse.de.

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