Bildung

Trotz Containern: Aufbruchstimmung an der Gesamtschule Saarn

„Hier ist es viel sauberer und heller als vorher.“ Chakoura (links) und Mustafa, beide 14 Jahre alt, lernen nun im Container.

Foto: Tamara Ramos

„Hier ist es viel sauberer und heller als vorher.“ Chakoura (links) und Mustafa, beide 14 Jahre alt, lernen nun im Container. Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Dass 720 Schüler an der Gesamtschule Saarn nun in Containern unterrichtet werden, stört die Schulleitung nicht. Im Gegenteil.

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Seit dem Großbrand im September vergangenen Jahres war in der Gesamtschule Saarn an Alltag nicht zu denken. Schüler und Lehrer konnten die verkohlten Räume nicht mehr nutzen und mussten eng zusammenrücken, die Stundenpläne wurden in die Morgen- und Nachmittagsstunden ausgeweitet, um Unterricht gewährleisten zu können. Nun kann endlich wieder Ruhe einkehren. Seit einer Woche haben die Achtklässler neue Schulcontainer bezogen.

Chakoura und Mustafa sind begeistert von ihrem neuen Klassenzimmer. Zwar sind die Wände noch kahl, trotzdem finden die 14-Jährigen der Klasse 8a es dort angenehm. „Hier ist es viel sauberer und heller als vorher.“ Auch Tische, Stühle, Tafeln sind neu. Nach dem Brand waren die Schüler in der Mensa untergebracht, manche Achtklässler mussten sich die Räume mit den Oberstufenschülern teilen und waren sozusagen „heimatlos“. „Jetzt haben wir endlich wieder eigene.“ Und die möchten Chakoura, Mustafa und ihre Mitschüler nach und nach mit selbst gemalten Bildern verschönern.

Schulleiterin: Es herrscht Auzfbruchstimmung

Im Lehrerzimmer sind die Kisten noch nicht ausgepackt, auch dort wird erst langsam Leben einkehren. Schulleiterin Claudia Büllesbach und ihr Stellvertreter Michael Rölver freuen sich aber jetzt schon, dass „Aufbruchstimmung herrscht“. Das Wort „Container“ benutzen sie jedoch nicht gerne. „Das klingt so negativ.“ Das seien die mobilen Schulräume nicht. Im Gegenteil: „Wir sind überrascht, dass alles so komfortabel ausgestattet und hochwertig ist.“ Daher sprechen sie im Schuljargon von „Pavillondorf“.

Dieses ist innerhalb von drei Monaten auf dem Sportplatz der Schule entstanden und erinnert stark an die Anfangssemester der Hochschule Ruhr-West. Damals waren die Studenten in ähnlichen Modulen untergebracht. Lisa Siepler vom Immobilienservice der Stadt war mit der Planung beauftragt: „Die Schüler lernen nun in 24 Räumen über zwei Etagen in einer großen und einer kleineren Einheit.“ Insgesamt 2350 Quadratmeter stehen für 720 Schüler bereit. Der komplette achte Jahrgang wird dort untergebracht, nach den Sommerferien auch die Neuner und Zehner. Mindestens vier Jahre sollen die mobilen Räume genutzt werden, so lange, bis die alten Gebäude saniert sind und der Ersatzbau fertiggestellt ist. „Wir fangen mit der Sanierung im Brandteil des Gebäudes an“, sagt Lisa Siepler. Im Rotationsbetrieb arbeitet man sich dann weiter.

Vier Millionen Euro kostet die Nutzung für vier Jahre

Vier Millionen Euro kostet die Nutzung der Container für vier Jahre, „darin enthalten sind Miete und Aufbau“, so Siepler. „Wir haben uns bewusst für hochwertige Module entschieden, die den neuesten Wärmestandards entsprechen.“ Zusätzliche Deckenplatten schlucken den Schall, so dass „die Akustik besser ist als in den alten Räumen“, findet Michael Rölver, der meint: „Den Sportplatz können wir jetzt zwar nicht mehr nutzen, dafür wollen wir andere Flächen finden.“ Etwa die gegenüber der Pavillons. Dort gebe es ein Areal, das zum Schulgelände gehört und dafür genutzt werden könnte. Schließlich plant die Schule im kommenden Schuljahr den Schwerpunkt „Sport“ einzuführen. Auf dem kleinen Schulhof vor dem Pavillondorf sollen zudem noch Sitz- und Spielmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden.

„Wir haben viel vor und sind froh, dass sich unser Engagement auch in den Anmeldezahlen widerspiegelt“, sagt Claudia Büllesbach, die die Schule seit Mai 2017 leitet. 113 Anmeldungen habe es für das kommende Schuljahr gegeben, in das sie wahrscheinlich vierzügig starten können. Noch vor zwei Jahren waren es nur knapp über 30. „Der Umzug war der Startpunkt für unsere neue Gesamtschule Saarn.“

>> KÜNFTIG VIDEOÜBERWACHUNG AN DER SCHULE

Am 29. Juni lädt die Gesamtschule Saarn zum großen Fest zum 35-jährigen Bestehen der Schule ein. Dieses sollte
eigentlich fünf Tage nach dem Brand am 30. September 2017 stattfinden, musste damals aber ausfallen.

Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, wird die Anlage künftig mit Videokameras überwacht. Die Ermittlungen zur Brandursache hat die Polizei mittlerweile eingestellt. Die Ursache für das Feuer konnte nicht abschließend festgestellt werden.

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