Flughafen Essen/Mülheim

Trotz beschlossener Schließung: Sanierung am Flughafen nötig

Ende des Jahres sollte der Masterplan für die künftige Entwicklung am Flughafen stehen. Wohnen, Gewerbe und Naturschutz sollen dabei im Einklang sein.

Ende des Jahres sollte der Masterplan für die künftige Entwicklung am Flughafen stehen. Wohnen, Gewerbe und Naturschutz sollen dabei im Einklang sein.

Foto: Blossey

Mülheim.   Trotz der längst beschlossenen Schließung muss bis 2024 am Flughafen Essen/Mülheim in die Beseitigung der Mängel investiert werden.

In den nächsten Jahren müssen größere Summen in die Infrastruktur des Flughafens investiert werden. Waldemar Nowak, der auch Mitglied im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft ist, spricht von einer Summe in Millionenhöhe. Die Notwendigkeit bestätigt der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Essen/Mülheim (FEM), Günther Helmich. Unabhängig von der restlichen Laufzeit müsse Geld in die Anlagen des Flughafens gesteckt werden. Spätestens 2034 endet der komplette Flugbetrieb.

So haben es die Räte in Mülheim und Essen beschlossen. Auch ein deutlich früheres Ende könnte möglich sein.

Ausbesserungen an der Start- und Landebahn

„Infrastruktur und Bausubstanz nehmen keine Rücksicht auf politische Beschlüsse“, sagt Helmich und weist darauf hin, dass in den vergangenen 25 Jahren lediglich in sicherheitsrelevante Dinge investiert worden sei. Jetzt müssten jedoch Stück für Stück die schlimmsten Schäden ausgebessert werden, unter anderem an der Start- und Landebahn, wo zum Teil der Asphalt abgefräst werden müsse. Nowak spricht auch von Mängeln bei der Entwässerung.

„Wir werden bis 2024 mit Augenmaß investieren“, betont Helmich. Er werde den Gesellschaftern nur Sanierungen vorschlagen, die dringend erforderlich und mit Blick auf die restliche Laufzeit auch vertretbar seien. So plane man etwa mittelfristig lediglich eine Versiegelung der Start- und Landebahn für kleines Geld. Helmich hofft, mit all den nötigen Investitionen unter der Schwelle von 300 000 Euro zu bleiben.

Drei Planungsrunden zum Flughafen

Das Netzwerk gegen Fluglärm appelliert unterdessen an Politik und Verwaltung, alles daran zu setzen, noch in diesem Jahr den Masterplan für die Zukunft des Flughafens fertig zu stellen. „Es muss im Interesse aller sein, dass wir möglichst zügig einen internationalen Wettbewerb für dieses Gebiet ausschreiben“, sagt der Sprecher des Netzwerkes, Waldemar Nowak. Er plädiert dafür, bereits 2024 mit der Umwandlung des Areals zu beginnen und warnt davor, den Masterplan auf die lange Bank zu schieben. Nach drei Planungsrunden zum Flughafen sei es um das Projekt sehr still geworden, kritisiert er.

„Gerade die finanziell stark angeschlagene Stadt Mülheim muss ein hohes Interesse daran haben, dass dieses einzigartige Areal gewinnbringend umgestaltet wird“, betont Nowak. Damit steht er nicht alleine. Auch unter strengen klimatischen Gesichtspunkten ließen sich 90 der 140 Hektar für Gewerbe, Wohnen mit zugehöriger Infrastruktur nutzen. Nach ersten Überlegungen könnte dort unter anderem ein Wohngebiet für bis zu 6000 Menschen entstehen.

Gute Ansiedlungschancen für Unternehmen

Aus Sicht des Netzwerkes hat die Stadt mittel- und langfristig an keiner anderen Stelle im Stadtgebiet so gute Ansiedlungschancen für Unternehmen und damit die Möglichkeit, das Haushaltsdefizit spürbar zu verringern. Aus Sicht von Nowak könnten deutlich höhere Einnahmen erzielt werden, als es derzeit mit den ansässigen Unternehmen erreicht werde. Laut Gutachter der Märkischen Revision ließen sich durch den Verkauf von Grundstücken des jetzigen Flughafengeländes an die 50 Millionen Euro in die städtischen Kassen spülen.

Bis 2034 hat Aero-Club Fläche von 0,5 ha gepachtet

Bis 2024 läuft am Flughafen noch der Vertrag mit dem Luftfahrtunternehmen WDL, bis 2034 hat der Aero-Club eine Fläche von 0,5 Hektar am Randes des Geländes gepachtet, nutzt aber einen Großteil der Infrastruktur wie die Start- und Landebahn.

Die Sorge mancher Mülheimer, dass mit der Aufgabe des Flughafens der Fluglärm eher zunehmen wird, weil dann das Gebiet von Flugzeugen aus und nach Düsseldorf überflogen werden könnte, teilt das Netzwerk nicht. Es verweist dabei auf ein Schreiben der Deutschen Flugsicherung. Darin heißt es: „Es gibt keine Planung oder Notwendigkeit nach einer Schließung des Verkehrslandeplatzes Essen/Mülheim neue Abflugrouten oder Anflugrouten einzurichten.“

>>> ZAHLEN UND FAKTEN

Der Flughafen Essen/Mülheim ist 1925 entstanden. Das gesamte Areal umfasst gut 140 Hektar, wobei 70 Prozent der Fläche sich auf Mülheimer Stadtgebiet befinden. Die Start- und Landebahn ist 1550 Meter lang.

Am Flughafen befinden sich zwei Flugschulen, zwei Charterbetriebe, zwei Luftsportvereine sowie weitere Unternehmen ohne Bezug zur Luftfahrt. Rund 200 Menschen haben ihren Arbeitsplatz am Flughafen.

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