Leaf-Festival

Theater in Mülheim: Shakespeare mit der Mystik des Orients

Theaterchef Peter Stickney mit Bronwen Gray-Specht (l.) und Louise Huber-Fennell im orientalischen Kostüm vom Team des Leaf-Festivals. Foto:Alexandra Roth

Theaterchef Peter Stickney mit Bronwen Gray-Specht (l.) und Louise Huber-Fennell im orientalischen Kostüm vom Team des Leaf-Festivals. Foto:Alexandra Roth

Mülheim.   Beim 6. Leaf-Festival in Mülheim spielen die Lord Chamberlain’s Men im September im Innenhof von Kloster Saarn „Die Komödie der Irrungen“.

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Inzwischen fragen die Leute schon: Kommen im September wieder die Lord Chamberlain’s Men, bieten sie wieder Workshops in den Schulen an, gibt es auch wieder den Handwerkermarkt? Mit dem sechsten Mal hat sich das Leaf-Festival im Innenhof von Kloster Saarn etabliert, freut sich Bronwen Gray-Specht und das Festival hat mit Leafchen, einem Abend für junge Talente, sogar Nachwuchs bekommen. Was die britische Schauspieltruppe gibt, interessiert freilich auch.

Feuchtfröhliche Uraufführung

Es ist „The Comedy of Errors“, die „Komödie der Irrungen“, ein selten gespieltes Stück, das Shakespeare um 1594 schrieb, das als sein erstes Lustspiel gilt. Für Shakespeare-Kenner Harold Bloom handelt es sich aber nicht um das Stück eines Lehrlings, sondern lässt Fähigkeiten, ja sogar Meisterschaft erkennen. Das Stück ist eng mit der Geschichte der historischen Schauspielertruppe verbunden. Zu Shakespeares Zeiten waren die Ensembles in London auf einen Patron angewiesen, der sie förderte und dem sie mit dessen Namensübernahme huldigten.

Der Lord Chamberlain ist der höfische Zeremonienmeister, der auch zuständig für die Zensur ist. Henry Carey, der Gönner der von Richard Burbage geleiteten Truppe, in der auch Shakespeare mitspielte, gelangte 1594 in diese Position, so dass die Truppe, die damals eine der beiden populärsten war, in ihrem Namen diese Position zum Ausdruck brachte. Es war die erste Uraufführung, die die Schauspieler präsentierten und da Peter Stickney in diesem Jahr zum ersten Mal komplett die alleinige Verantwortung als Kopf der 2004 neu gegründeten Truppe führt, war es naheliegend für ihn, dieses Stück zu spielen.

Der Zufall wollte es, dass sich damals noch einige ganz außergewöhnliche Irrtümer ereigneten. Die Schauspieler waren an dem Tag doppelt gebucht, wie Stickney im Programmheft schreibt, und am Nachmittag sollten sie für niemand geringeres als für Elisabeth I. spielen. Natürlich trafen sie zur zweiten Aufführung im Gray’s Inn viel zu spät ein, wo sich das Publikum inzwischen das tat, was man so in Gaststätten zu tun pflegt: trinken.

Logik stört den Zauber

In dem Text, der auf ein klassisches Stück zurückgeht, das Plautus für das römische Publikum bearbeitet hat, sind schon viele Motive enthalten, auf die Shakespeare immer wieder zurückgreift: Zwillinge, Schiffbruch, Verwechslungen und Identitätsprobleme und eine zauberhafte Auflösung, von der Stickney geradezu schwärmt. Von allerlei logischen Problemen und Zweifeln sollte man sich den Zauber dieser Familienzusammenführung allerdings nicht verderben lassen.

In Ephesus beginnt es dramatisch. Aegon, ein Kaufmann aus Syrakus, soll, da beide Herzogtümer sich in einem Handelskrieg befinden, enthauptet werden. Er erzählt, dass seine Familie bei einer Havarie vor Jahren getrennt wurde. Aber nicht nur die Brüder, auch deren Diener sind Zwillinge, was zu zahlreichen Verwicklungen führt. In Ephesus lebt nicht nur ein Bruder, sondern ohne dessen Wissen auch die Mutter. Eine der größten Herausforderungen beim Casting bestand dann darin, zwei Schauspielerpaare zu finden, die sich in Typ, Statur und Alter möglichst ähneln.

2800 Schauspieler hatten sich für eine der sieben Rollen beworben und im Laufe eines zweimonatigen Auswahlverfahrens wurde der Kreis immer kleiner. Musik und Kostüme sind dieses Mal auch ganz anders, da nicht das elisabethanische England, sondern der Orient Pate stand. Und wer genau hinschaut, kann die Zwillinge am Kostüm erkennen. Der reichere von beiden hat mehr Ornament und mehr Knöpfe an seinem Mantel. Beim einfachen Bühnenbild ließen sie sich von M. C. Escher inspirieren, etwas Magie und Mystik einzubauen.

>> Der Vorverkauf hat begonnen

Das Leaf -Festival geht vom 11. bis 17. September über die Bühne. Vorstellungen von „The Comedy of Errors“ stehen am Freitag (15.) und Samstag (16.) um 19 Uhr und am Sonntag (17.) um 15 Uhr (inkl. Kinderbetreuung) auf dem Programm.

Der Vorverkauf hat begonnen: Karten sind für 24,40/ 22,20 Euro im WAZ-Ticket-Shop erhältlich. Leafchen möchte talentierten Jugendlichen eine Chance geben, sich zu präsentieren. Sie müssen sich bis zum 26. Juni bewerben. Infos: leaf-festival.de

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