Kultur

Theater-Festival „Impulse“ gibt sich experimentierfreudig

Weltweit entstanden bereits die Reis-Hügel. Für Mülheim und das Ruhrgebiet gibt es die Installation in individueller Ausführung.

Weltweit entstanden bereits die Reis-Hügel. Für Mülheim und das Ruhrgebiet gibt es die Installation in individueller Ausführung.

Mülheim.   Im Rahmen des Theater-Festivals „Impulse“ präsentieren britische Künstler eine Installation aus Reis-Hügeln, die sich ständig verändert.

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Unter dem Motto „Decide or Else“ – frei übersetzt „Entscheid oder stirb“ – begeben sich die „Impulse“ auch diesmal wieder auf das gesellschaftliche Experimentierfeld. In bewährter Tradition gibt auch die Neuauflage des Festivals vom NRW Kultursekretariat vom 22. Juni bis 1. Juli einen Einblick in die freie Theaterlandschaft des deutschsprachigen Raums, angereichert durch internationale Positionen. Dreh- und Angelpunkt des „Besten-Treffens“ der freien Szene ist in diesem Jahr die Stadt Köln.

Unter den neun zum Wettbewerb eingeladenen Stücken sind mit „Hamlet“ von Boris Nikitin und „Die Erfindung der Gertraud Stock“ von Vorschlaghammer zwei Koproduktionen des Ringlokschuppens vertreten. Gruppen, die dem Haus eng verbunden und mit der Spielstätte gewachsen sind.

Polarisierende Persönlichkeiten

Die junge Formation Vorschlaghammer rollt an verschiedenen Bühnen-Stationen mit Hilfe von Zeitdokumenten, Interviews, Fotos und persönlichen Aufzeichnungen das Leben der Gertraud Stock auf. In der Arbeit des Schweizer Theatermachers Boris Niktin begibt sich der Musiker Julian Meding anhand des Hamlet-Prototyps auf einen Parforceritt durch polarisierende Persönlichkeiten – samt Begleitung von Barockmusikern.

Während Wettbewerbsbeiträge und Rahmenprogramm in diesem Jahr in Köln über verschiedene Bühnen gehen, entstehen in den Partnerstädten des alternierenden Festivals, Düsseldorf und Mülheim, zwei neue, ortsspezifische internationale Auftragswerke. Fernab postfaktischer Zeiten widmet sich die britische Gruppe Stan’s Café dem peniblen Zahlenwerk, genauer den Statistiken. In ungewöhnlicher, humorvoller und anrührender Weise lassen die Macher die Statistiken für sich sprechen. Dazu brauchen sie Tonnen von Reiskörner, wovon jedes einzelne für einen Menschen steht. Hügel neben Hügel präsentiert jede Anhäufung von Reiskörnern thematisch eine Gruppe. Das Lebensmittel wird wieder verwertet.

Jeweils nur ein Körnchen Reis

Wie viele Kinder wurden 2016 in Mülheim geboren? Wie groß ist der Anteil von Alleinerziehenden? Wie viele Senioren, Singles oder Unternehmer gibt es in der Stadt? Und angesichts dessen, dass selbst die großen Unternehmer-Brüder Albrecht jeweils nur ein Körnchen Reis sind, wie wir alle, wird die Bedeutung der eigenen Person, aber auch die Relation deutlich. Oder wie viele Linkshänder gibt es hier?

Auf der großen Bühne des Ringlokschuppens entsteht aus der Zahlenwelt Mülheims und des Ruhrgebiets eine Landschaft, die über politische und gesellschaftliche Verhältnisse, aber auch über persönliche Schicksale Auskunft gibt. Alle Besucher sind eingeladen, ihre Fragen an die Künstler zu stellen – so verändert sich die Reislandschaft täglich: stans@ringlokschuppen.de

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