Welttag des Tai Chi

Tai-Chi-Anhänger in Mülheim trotzen dem Regen

Rund 20 Anhänger fernöstlicher Kampfkunst üben gemeinsam auf der Drehscheibe am Ringlokschuppen in Mülheim.  Eigentlich wollten sie sich auf der großen Wiese präsentieren, aber das Wetter war zu schlecht.

Rund 20 Anhänger fernöstlicher Kampfkunst üben gemeinsam auf der Drehscheibe am Ringlokschuppen in Mülheim. Eigentlich wollten sie sich auf der großen Wiese präsentieren, aber das Wetter war zu schlecht.

Foto: Martin Möller

Mülheim.  Anhänger der fernöstlichen Kampfkunst lassen sich vom schlechten Wetter am Aktionstag nicht aus dem Konzept bringen.

Das Wetter schlägt manchem auf das Gemüt. Und der nicht aufhörende Niederschlag am Samstag gab genügend Anlass zum Ärgern oder zur gedrückter Stimmung. Ganz anders die Seelenlage bei einer im Müga-Park versammelten Gruppe: Gleichmütig und klaglos nimmt man das nicht Änderbare an diesem Regentag hin.

Schließlich trifft man sich, um der Öffentlichkeit Übungen zu präsentieren, die der Entspannung und inneren Harmonie dienen. Die gut zwanzig Männer und Frauen sind Anhänger von Qigong und Taijiquan (populäre Abkürzung: Tai Chi), aus China stammenden Praktiken zur Erlangung einer gesunden körperlichen und geistigen Verfassung.

Große Wiese in der Müga war zu nass

Eigentlich wollte man auf der großen Wiese die verschiedenen Bilder, wie die Bewegungen der Übungen genannt werden, vorführen. Und Neugier wecken bei den Spaziergängern. Die tauchen an diesem Tag aber nur vereinzelt auf. So bleibt man weitestgehend unter sich und findet einen trockenen Ort unter dem Dach der Drehscheibe am Ringlokschuppen.

Was die Gruppe um Jo Augustin, Leiter der ausrichtenden Schule Zhang Sanfeng Wuguan, dort demonstriert, sieht einfach aus. Langsam und ruhig werden Schritte und Handbewegungen ausgeführt. Die Abfolge der einzelnen Bilder wird jedoch nach einer gut einstudierten Choreographie vollzogen.

Ein Meister der inneren Kampfkunst

Taijiquan heißt übersetzt so viel wie „das höchste Prinzip der Faust“, sagt Augustin, der von seinen Schülern ehrfurchtsvoll „Meister“ genannt wird. „Es gehört zu den inneren Kampfkünsten“, erklärt der 55-Jährige. Karate und Kung Fu gehören dagegen zu den äußeren Kampfstilen.

„Beim Taijiquan liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung des Inneren“, erklärt der Kampfkunstlehrer. Angestrebt werde, eine innere Kraft zu aktivieren, die Körper und Geist entspannt.

Verwurzelung mit der Erde

Im Unterschied zum Tai Chi ist Qigong nicht als Kampfform konzipiert. Frei lässt sich der Begriff im Deutschen wiedergeben als „Energiearbeit“. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Standfestigkeit, die Verwurzelung mit der Erde. Anschaulich zeigt Jo Augustin dem Verfasser dieses Berichtes, was damit gemeint ist. Mit einem Handstoß gegen meine Brust bringt mich der Meister aus dem Gleichgewicht. „Nun machen Sie das mal bei mir“, fordert er mich auf. So sehr ich auch gegen seinen Körper drücke, Augustin bleibt im festen Stand.

Das Geheimnis, offenbart der Lehrer, liege im Fließenlassen der Energie, anstatt Gegendruck aufzubauen: „Vergleichen sie es mit einem jungen Baum, der sich im Sturm windet, ohne zu brechen.“ Sein Schüler Moritz Berndsen (24) ergänzt: „Der Körper kann das auf natürliche Weise, aber der Kopf verhindert erst einmal das Loslassen.“ Durch die Routine des Alltags und ständiges Denken haben wir uns unnatürliche Bewegungen antrainiert, sind ver- statt entspannt.

Hildegard Donay, mit 75 Jahren die älteste Schülerin von Augustin, berichtet: „Ich habe in meinem Leben eine Ausgeglichenheit erreicht, die auch auf andere Menschen ausstrahlt.“ Selbst ihr Rückenleiden sei durch das Tai-Chi-Training verschwunden.

Weltweite Bewegung von Neuseeland bis Hawaii

Anlass für die Aktion der Schule Zhang Sanfeng Wuguan im Müga-Park war der Welt Tai-Chi und Qigong-Tag, der seit 1998 jedes Jahr am letzten Samstag im April stattfindet.

Weltweit zeigen Tajiquan- und Qigong-Praktizierende an diesem Tag in mehr als 80 Ländern unter dem Motto „One World ... One Breath“ die Vorteile dieser Bewegungskünste auf die Gesundheit auf. Die einzelnen Aktionen starten jeweils um 10 Uhr Ortszeit und gehen, ausgehend von Neuseeland, rund um die Welt bis zum Abschluss auf Hawaii.

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