Theater

Szene Istanbul versprüht türkische Theaterlust

Kellertheater finden sich hier im zweiten, dritten Stock: Istanbul.

Kellertheater finden sich hier im zweiten, dritten Stock: Istanbul.

Foto: wnm

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Mülheim. In Deutschland spielt das freie Theater in Kellern, in Istanbul liegen die sinnbildlichen Kellertheater im zweiten oder dritten Stock. Die freie Szene der bevölkerungsreichsten türkischen Stadt macht sich dort breit, wo Platz ist, und bereichert die quantitativ reiche Theaterlandschaft um Qualität. Deren international momentan wohl bekanntester Vertreter, Berkun Oya, holt das Theater an der Ruhr in den Raffelbergpark: Seine Gruppe „Krek“ gastiert im Rahmen der Reihe „Szene Istanbul“ mit zwei Stücken in Speldorf.

Der Austausch mit der Türkei ist nicht neu. In den 1980er-Jahren, zählt Rolf Hemke, Kurator der Reihe, auf, war das Theater an der Ruhr das erste, das ein türkisches Theater holte, und das erste öffentlich geförderte Theater, das in der Türkei gastierte. Zudem inszenierte Roberto Ciulli 2005 in Istanbul „Dantons Tod“. Nun aber wenden sich die Mülheimer bewusst von Stadt- und Staatstheater ab und der freien Szene zu.

"Große Theaterlust" bei den Besuchern erlebt

„Interessanter, attraktiver, dynamischer“ nennt Rolf Hemke das, was die freie Istanbuler Szene momentan biete. „Eine große Theaterlust“ hat er bei seinen Besuchen in der Stadt gespürt. Diese Lust macht er etwa an der Vielzahl der Schauspielorte und Produktionen fest. So sei es kein Problem, dreimal am Tag ins Theater zu gehen – und das werde genutzt: „Donnerstagnachmittag, 16 Uhr, und der Saal ist voll.“ Nun bedeutet viel nicht viel Gutes, doch gerade die freie Szene sorgt laut dem Kurator für Qualität, da sie sich „dem Komödiantisch-Volkstheaterhaften“ der Staatstheater entziehe.

Berkun Oya ist ein Beispiel für modernes Istanbuler Theater, das eine junge, intellektuelle Szene anspricht. Und er ist ein Beispiel für die freie Szene, die sich überall Raum sucht: Die von ihm gegründete Theatergruppe „Krek“ richtete sich 2011 in einer umgebauten Trafo-Station in direkter Nähe zu einer Universität ein.

Das Ensemble zeigt zwei seiner Stücke im Theater an der Ruhr: Am Sonntag, 5. Februar, 19.30 Uhr, bringt Autor und Regisseur Oya „Bayrak – Flagge“ auf die Bühne und stellt darin die Frage nach möglichen Formen des intellektuellen, psychischen oder moralischen Terrorismus.

Theater will türkische Zuschauer gewinnen

Montag, 6. Februar, 19.30 Uhr, folgt eine Deutschlandpremiere: „Güzel seyler Bizim Tarafta – Schöne Dinge sind auf unserer Seite“ wurde bereits mit dem Autorenpreis des 28. Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet. Darin lässt Oya ein traditionelles Paar vom Lande mit einem modernen Großstadtpaar aufeinanderprallen.

Beide Stücke werden in türkischer Sprache und deutsch übertitelt zu sehen sein. Damit will das Theater das Publikum der Theaterlandschaften ansprechen, aber auch neue, türkische Zuschauer gewinnen. Und das „über ein attraktives, anspruchsvolles Programm hier vor Ort, das an Theaterproduktionen anknüpft, die es in Istanbul gibt“, sagt Rolf Hemke, der einräumt, dass dies ein Prozess sein wird. „Wir werden die Leute nicht da abholen, wo sie stehen, sondern unser Publikum entwickeln müssen.“ Doch dazu ist man bereit: Die „Szene Istanbul“ ist auf drei Jahre angelegt.

Nach dem Theaterdoppel folgt am Dienstag, 28. Februar, ein Konzert bei „Szene Istanbul“: Kardes Türküler und Arto Tuncboyaciyan, die in Essen und Köln Hallen ausverkauften, spielen um 20 Uhr in der Stadthalle. Karten kosten 22/11 €. Freitag, 9. März, beenden Actors without Borders mit „Kebab“ die Reihe.

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