Kultur

Syrischer Choreograph träumt von eigener Tanztruppe

Ahmed Almoulky aus Syrien ist Choreograph und träumt davon, auch hier wieder künstlerisch zu arbeiten.

Ahmed Almoulky aus Syrien ist Choreograph und träumt davon, auch hier wieder künstlerisch zu arbeiten.

Foto: Funke Foto Services

Mülheim.   Ahmed Almoulky ist aus Syrien geflüchtet und wünscht sich, hier in seinem Beruf als Choreograph arbeiten zu können. Sein Traum ist eine eigene Truppe.

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Seine große Liebe ist der Tanz, seine Sprache die Musik. Ahmed Almoulky ist Tänzer und Choreograph. Seit acht Monaten lebt der 31-Jährige in Deutschland, ist aus Syrien geflohen und über Umwege nach Mülheim gekommen. Was es war, das ihn aus seiner Heimat vertrieben hat und wie sich seine Flucht gestaltet hat, möchte der junge Mann nicht erzählen – zu schmerzhaft sind die Erinnerungen. Aber: „Ich will die andere Seite zeigen. Die Bilder in den Nachrichten sind immer nur die schlimmen, dabei gibt es in Syrien auch ganz normale Leute.“

Eine ganz normale Jugend, die hatte Ahmed Almoulky noch in Damaskus. „Ich war elf Jahre alt, als ich das Video ‘Thriller’ von Michael Jackson gesehen habe – seitdem kann ich nicht mehr aufhören zu tanzen, das habe ich im Blut“, sagt der Syrer und seine Augen leuchten. Später dann, als Jugendlicher, ist er mit einer Tanztruppe aufgetreten – „drei, vier Jahre haben wir das gemacht, ohne Geld.“ Auf der Bühne zu stehen, andere mit Musik und Tanz zu verzaubern, das ist seine Passion.

"Wer am höchsten klettert, bekommt die besten Früchte"

In seiner Heimatstadt Damaskus besuchte Ahmed Almoulky die Akademie für Tanz und Schauspiel, trat im arabischen Fernsehen auf und arbeitete in Tanzkompanien im Libanon und Saudi Arabien. Der Weg dahin sei nicht einfach gewesen, blickt der 31-Jährige zurück und beschreibt mit einer Metapher: „Wer am höchsten klettert, bekommt die besten Früchte.“

Der Bürgerkrieg in seinem Heimatland machte es schließlich unmöglich für Ahmed Almoulky, weiter dort zu leben – geschweige denn aufzutreten. Die Flucht erschien dem Syrer als einzige Möglichkeit. Er sagt, für ihn habe die Welt keine Grenzen: „Das interessiert mich nicht, ich habe kein Heimatland mehr, bin überall zuhause.“ Vielmehr spüre er einen inneren Auftrag, sagt Ahmed Almoulky: „Ich bin auf diese Welt gekommen, um Tänzer zu sein. Mit diesem Talent kann ich sprechen ohne irdische Sprache.“ Das ist die Art Kommunikation, die für den Syrer zählt. Er sagt: „Die Seele spricht durch die Musik.“

Auf der Bühne alles aufbrechen

Wenn Ahmed Almoulky von Musik und Tanz spricht, strahlt es nur so aus ihm heraus. Folklore ist es, womit er aufgewachsen ist in Syrien, ganz traditionell. An der Akademie aber lernte er verschiedenste Stile, liebt etwa auch den modernen Tanz nach Pina Bausch. „Damit kann man auf der Bühne alles aufbrechen“, sagt der Choreograph.

Nichts sehnlicher wünscht sich Ahmed Almoulky, als auch in Deutschland wieder eine Bühne zu bespielen. Sein Traum wäre es, hier ein Projekt mit Tänzern auf die Beine zu stellen. Immerhin hat er eine zumindest mittelfristige Bleibeperspektive – sein Aufenthalt ist für drei Jahre gesichert. Dass Deutschland reich an Kultur ist, wusste Ahmed Almoulky bereits bei seiner Ankunft: „Ich bin in Berlin angekommen, hatte dort bereits Kontakte geknüpft, um das Theater zu besuchen, wurde dann aber nach Bielefeld geschickt.“ Angekommen in Mülheim, erzählt der Syrer, habe er die Stadthalle gesehen und gedacht: „Das ist das Theater.“ Dass Mülheims Kulturszene einiges zu bieten hat, hat der syrische Flüchtling mittlerweile erfahren. Ein Ansporn mehr für Ahmed Almoulky, seinen Traum wahr zu machen und hier eine eigene Tanztruppe zu gründen.

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