Kultur

Syrische Gruppe aus Mülheim tanzt gegen den Krieg

„Wir sind einfach Tänzer“: Ahmad Almoulky (2. v.r.) und die Gruppe Rosanna.

„Wir sind einfach Tänzer“: Ahmad Almoulky (2. v.r.) und die Gruppe Rosanna.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Syrische Tanzgruppe Rosanna will positives Bild ihrer Kultur setzen. Mit Tanz und Livemusik rücken sie im Ringlokschuppen gegen den Krieg vor.

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Für die einen ist es einfach ein fröhlicher Tanz, wenn Ahmad Almoulky und seine Gruppe Rosanna kunstvoll leichtfüßig springen, sich verbeugen, die Arme zum Himmel recken. Für die syrischen Tänzer ist der Umstand, dass sie hier, im Ringlokschuppen, ihre Folklore zeigen und leben können allerdings eine Besonderheit: Viele von ihnen sind geflohen, in ihrem Land Syrien konnten sie ihren Beruf und ihre Leidenschaft nicht mehr ausüben.

Jeder Schritt erzählt eine Geschichte

Jede Handbewegung, jeder Schritt erzählt dabei eine kleine Geschichte über Liebe, Beziehungen, Respekt, wie es in Damaskus Tradition ist. Folklore und Normalität werden zum Zeichen des Widerstands, das sagen könnte: „Wir tanzen, weil und obwohl es Krieg gibt.“

„Liebe und Krieg“ haben die Akteure ihre Performance genannt. Ein starker Spannungsbogen. Für den Tanzprofi und Choreographen Almoulky, der vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland kam, ist es noch mehr als das: „Meine Philosophie lautet: Jeder gibt etwas weiter im Leben, trägt zum Leben anderer etwas bei. Mein Beitrag ist das Tanzen.“

Und so ist auch die Performance am heutigen Donnerstag im Ringlokschuppen als integrativ zu verstehen. „Wir wollen keine Fremden in Deutschland und auch nicht abhängig sein, sondern der Gesellschaft, in der wir leben, etwas geben.“

Das gilt auch für die 14 Tänzer, Frauen und Männer, Profis und Halbprofis, die Almoulky um sich geschart hat. Und die in ihrem Alltag erleben, wie das Bild ihrer arabischen Kultur von negativen Schlagzeilen beherrscht wird.

Einflüsse aus Jordanien und Palästina

Was aber erzählt ihre Performance Liebe und Krieg? „Eine Liebesgeschichte auf der Erde, wo der Kampf um Macht, Geld und Einfluss vorherrscht. Menschen vergessen, dass Herz, Geist und Körper nach Liebe und Frieden suchen. Gegen dieses Vergessen tanzen wir.“ Almoulky kombiniert dabei Einflüsse aus Jordanien und Palästina mit dem modernen Tanz.

Sebastian Brohn, Dramaturg im Ringlokschuppen, hat die Gruppe Rosanna begleitet: „Die Idee passt zu unserem Konzept, dass sich Künstler aus verschiedenen Bereichen und Kulturen hier treffen, um gemeinsam etwas zu entwickeln.“

Beeindruckt hat Brohn vor allem die Leichtigkeit, die Fröhlichkeit der Performance: „Anfangs wird der Krieg thematisiert. Dann machen die Tänzer damit kurzen Prozess und es wird richtig gefeiert.“

Brohn hofft, dass der Funke auf das Publikum überschlägt, und dass es nicht nur bei der Community bleibt. „Es lohnt sich für alle Mülheimer, ein anderes Bild von Syrien zu sehen. Hier geht eine Party ab.“

>>> PREMIERE IM RINGLOKSCHUPPEN

Die Premiere von „Liebe und Krieg“ im Ringlokschuppen (Schloß Broich 38) startet am heutigen Donnerstag um 20 Uhr. Karten gibt es für 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Geflüchtete und Besitzer des Mülheim Passes haben freien Eintritt.

Für Freunde der Weltmusik: Am 20. Juli, 19.30 Uhr startet die Odyssee mit Bantu.

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