Kindergarten

Streit um Early Excellence - Bei Infoveranstaltung ging’s hoch her

Kinder des Dümptener Kindergartens Papilio: Diese Einrichtung gehörte zu den ersten in der Stadt, die das Early Excellence-Konzept umgesetzt haben. Hier „schwimmen“ die Kleinen in einem Fantasie-See.

Kinder des Dümptener Kindergartens Papilio: Diese Einrichtung gehörte zu den ersten in der Stadt, die das Early Excellence-Konzept umgesetzt haben. Hier „schwimmen“ die Kleinen in einem Fantasie-See.

Foto: WAZ FotoPool

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mülheim.Zu einem Early Excellence-Infoabend hatten Stadt und Stadtelternrat Ende Juni in die Realschule Stadtmitte eingeladen. Bis zum Jahr 2015 werden alle 38 städtischen Kitas nach diesem speziellen pädagogischen Konzept arbeiten – was das bedeutet, sollte an jenem Abend geklärt werden. Doch die Zuhörer kamen nicht ausreichend zu Wort, kritisiert Teilnehmerin Kerstin Frohn, und zum Teil seien sie sogar barsch abgekanzelt worden.

Die zweifache Mutter (35) erhoffte sich einen regen Austausch über das Konzept, das u.a. auf die Stärken eines jeden Kindes setzt und auf die Annahme, dass jedes Kind aus sich heraus lernen möchten. Teil des Programms ist dabei, dass Kinder frei entscheiden können, in welchen Räumen sie sich tagsüber aufhalten und womit sie sich beschäftigen möchten. Frohn stellte sich da zum Beispiel die Frage, wie zurückhaltende Kinder mit dieser Idee zurecht kommen. Gegenüber der WAZ hat sie ihrem Ärger über die verpasste Chance Luft gemacht – und eine Antwort von der Stadt bekommen.

Das sagt die Leserin

Kerstin Frohn, zweifache Mutter: Wir Eltern hatten uns auf den Abend gefreut, weil wir gehofft haben, dass unsere Fragen zu Early Excellence beantwortet werden. Aber wir sind bitter enttäuscht worden. Ich schätze, es waren 200 Eltern da – daran sieht man, dass es Gesprächsbedarf gibt. Im Vorfeld konnten wir den Organisatoren per Mail Fragen stellen. Die wurden an dem Abend auch beantwortet – aber wir haben erwartet, dass man weiterfragen darf. Doch wir wurden abgebügelt. Es hieß nur: ,Es stehen Info-Tische zur Verfügung, an denen man sich in Kleingruppen unterhalten kann.’

Uns Eltern hat das nicht gefallen; wir hielten es für sinnvoller, alle Punkte gemeinsam im Plenum zu erörtern. Wir hatten doch ähnliche Fragen. Der Vorschlag einer Mutter – ,lassen Sie uns doch über das weitere Vorgehen abstimmen’ – wurde rigoros abgelehnt. Die barsche Antwort: ,Hier wird überhaupt nichts abgestimmt.’ Da ist die Stimmung gekippt und die Emotionen sind hochgekocht. Wir sind doch mündige, erwachsene Bürger und möchten, dass man uns ernst nimmt. Eine anwesende Erzieherin hat hinterher festgestellt: ,So geht man nicht mal mit Kindern um.’

Mein Eindruck ist, dass EEC definitiv durchgedrückt werden soll und es keine Möglichkeit mehr gibt, Ideen einzubringen oder an etwas festzuhalten, das früher gut funktioniert hat. Die Stadt will keine negativen Stimmen hören. Traurig ist, dass viele Eltern resigniert haben. Ich lebe seit zehn Jahren in Mülheim – und ich habe mich noch nie über etwas so aufgeregt wie über diesen Abend. Das war eine Pseudoveranstaltung, eine reine Farce.

Das sagt die Stadt

Lydia Schallwig, stellvertretende Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Schule: Es ist sehr schade, dass dieser Eindruck entstanden ist. In der Tat zeigt die große Anzahl von Interessierten, dass wir uns mit dieser Informationsveranstaltung auf dem richtigen Weg befinden.


Wie jede Veranstaltung folgte diese auch einem Konzept, indem zunächst alle Eltern über die Grundsätze von EEC und das Umsetzen im Alltag informiert und die eingereichten Fragen beantwortet wurden. Diese Vorgehensweise kann nicht auf Zuruf von einzelnen Eltern komplett über Bord geworfen werden. Daher ist es richtig, dass die Verwaltung mehrfach darum gebeten hat, zunächst die Chance zu lassen, ihr Fachwissen weiterzugeben.

Im Anschluss bestand die Gelegenheit, alle Fragen, die Eltern auf der Seele brannten, an Thementischen beantwortet zu bekommen. Der allergrößte Anteil der Eltern nahm dieses Angebot wahr und verließ die Veranstaltung zufrieden. Außerdem bestand explizit das Angebot, offene Fragen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Kinder, Jugend und Schule auch noch im Nachgang zu richten.


Die Stadtverwaltung Mülheim an der Ruhr hat sich bewusst für dieses Konzept entschieden, ist absolut vom EEC-Konzept überzeugt und wird es auch konsequent in allen Kindertageseinrichtungen umsetzen. So wird die Stadtverwaltung auch weiterhin offensiv auf Eltern zugehen und in der zweiten Jahreshälfte erneut eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema durchführen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (9) Kommentar schreiben