Deutsche Bahn

Streckensperrung: Mülheimer sind mit Ersatzverkehr zufrieden

Ungewohnt pünktlich – aber gut: Stichproben zeigen, dass die meisten Mülheimer sich nicht über den Ersatzverkehr ärgern müssen. Es kommt aber auf die Tageszeit an.

Ungewohnt pünktlich – aber gut: Stichproben zeigen, dass die meisten Mülheimer sich nicht über den Ersatzverkehr ärgern müssen. Es kommt aber auf die Tageszeit an.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Für lange Fahrzeiten und Frust sorgten die vergangenen Streckensperrungen der Bahn. Warum der Mülheimer Pendelverkehr aktuell besser läuft.

Morgens um 9 ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest scheint das für die Mülheimer Pendler zu gelten, die nach Essen und Duisburg unterwegs sind. Und aktuell auf Busse angewiesen sind, weil die Bahn die Verbindung von E nach DU wegen Gleis- und Brückenarbeiten gesperrt hat. „Schienenersatzverkehr“ nennt sich das sperrige Sprachvehikel, mit den Bussen allerdings scheint es zu laufen.

„Nöö – das funktioniert gut“, sagt eine Frau, aber nicht ohne ein „ausnahmsweise“ nachzuschieben. Dem Braten wollen manche Nahverkehrsveteranen wohl nicht trauen. Doch beim Pendeln zwischen Mülheim Hauptbahnhof und Oberhausen hat sie noch keine Probleme gehabt, seit am vergangenen Freitag die Busse die Bahn ersetzen.

Ersatzverkehr wegen Bahnsperrung: „Ungewohnt pünktlich – aber gut“

„Pünktlich“, merkt ein anderer in Arbeitskleidung an, das sei „ungewohnt, aber gut“. Etliche Menschen stehen am Dienstagmorgen auf dem ziemlich schmalen Bürgersteig vor dem Nordausgang des Mülheimer Hauptbahnhofs, wo die Ersatzbusse nach Oberhausen, Duisburg und Essen abfahren. Im Zehn-Minuten-Takt geht es etwa direkt zum Essener Hauptbahnhof. Eine Viertelstunde brauche der – „wenn kein Stau ist, kommt auf die Tageszeit an“, schaut ein älterer Mann prüfend auf die Uhr.

Diesmal könnte es für ihn knapp werden, denn um den Zug nach Bottrop zu bekommen, muss er in Essen einmal durch den Bahnhof durch. Das kostet Zeit. Und manchmal auch den Anschluss. Dann heißt es Warten. In Mülheim dürfte es für Pendler, die mit der Straßenbahn zum Bahnhof fahren, nicht besser sein. Wer vom Bahnsteig die Unterführung hoch kommt, muss zunächst um den Bahnhof herum laufen, weil der direkte Durchgang zum Nordausgang mit charmanter Sperrholz-Optik abgesperrt ist: Bauarbeiten.

Umständliche Wegführung kostet Zeit und auch mal den Anschluss

Unglücklich knapp ist auch das Ausmaß der Ersatzhaltestelle in Corona-Zeiten – ein recht schmaler Steg an der Parallelstraße, der beim Ein- und Ausstieg kaum Platz zum Ausweichen lässt. Und doch: „Es ist besser als im August im letzten Jahr. Mit dem Zehn-Minuten-Takt ist das gut gelöst“, meint ein Fahrgast, der montags bis freitags hier pendelt.

Man hatte in den vergangenen Jahren auch nicht wenig Gelegenheit zu üben. Erst im August 2019 sehnten Pendler nach sechs Wochen Streckensperrung das Ende herbei, denn „manchmal haben die Ersatzbusse fast eineinviertel Stunden für die Strecke gebraucht“, gaben damals Duisburger wie Mülheimer Auskunft. „Im Großen und Ganzen“ habe der Buspendelvekehr aber funktioniert, bilanzierte hingegen die Bahn.

Und auch an den Oktober 2018 erinnern sich manche Fahrgäste mit Ärger. Damals war die Verbindung Essen-Duisburg in den Herbstferien für zwei Wochen dicht. Die Ersatzbusse brauchten nicht selten doppelt so lang, um ihr Ziel zu erreichen. Nun aber scheint mehr Zufriedenheit zu herrschen.

Bahn, Abellio und RRX National Express haben ein Ersatzkonzept vereinbart

Das schulterklopfende Lob der Fahrgäste allerdings kann sich die Bahn nicht ganz allein einstreichen. Für den Schienenersatzverkehr sind gleich mehrere Eisenbahnverkehrsunternehmen zuständig, die in Abstimmung mit der DB Netz und dem VRR ein Ersatzkonzept vereinbart haben. Neben der DB Regio NRW sind noch Abellio für den Ersatz des RE 11 und S 3 sowie RRX National Express für den RE6 mitverantwortlich. Und offenbar in mehr Busse und Personal investiert.

„Die Maßnahme läuft gut und ruhig, einschließlich des Ersatzverkehres. Der Personaleinsatz vor Ort zahlt sich aus“, teilt eine Sprecherin der Bahn mit. Rund 4600 Einsatzstunden seien zusätzlich geplant. Darüber hinaus werden die Wegeleitung und die Information an den Bahnhöfen verstärkt: Mehr als 350 Plakate und 40 Spannspanner an den Stationen sowie 300 so genannte Footsteps zur Beschilderung des Weges zu den Ersatzhaltestelle sind geplant.

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