Pflege

Starkes Signal aus Mülheim: Pflegewende gefordert

Auf dem Podium: Arif Ünal, Nina Eumann, Sandra Leurs, Arno Klare, Peter Beitz und Moderator Christian Pälmke (v.l.).

Auf dem Podium: Arif Ünal, Nina Eumann, Sandra Leurs, Arno Klare, Peter Beitz und Moderator Christian Pälmke (v.l.).

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Der Verein „Wir pflegen NRW“ hatte Politiker zur Diskussion ins Medienhaus eingeladen. Die Lage pflegender Angehöriger soll verbessert werden.

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Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige fordert der Verein „Wir pflegen NRW“ als landesweite Interessenvertretung. Über das Thema diskutierten am Freitag im Medienhaus Vertreter von politischen Parteien, darunter die Grünen, die Linke, Piraten, SPD und FDP.

Über 70 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Nordrhein-Westfalen werden von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Viele fühlen sich vom Staat zu wenig unterstützt. Der Verein hat mehrere Forderungen an die Regierung ausgearbeitet, die Vorstandsvorsitzende Susanne Hallermann vorstellte.

Fünf-Punkte-Forderungspaket des Vereins

Über ein Fünf-Punkte-Forderungspaket des Vereins diskutierte die Versammlung. So wird als erster Punkt mehr Mitbestimmungsrecht der Angehörigen auf allen politischen Ebenen gefordert. Dies bezieht sich auch auf die Pflicht der Kommunen, Angehörigengruppen an Pflegegremien teilhaben zu lassen. Arno Klare, Bundestagsabgeordneter der SPD, versprach, sich dafür einzusetzen, dass die Kommunen dieser Pflicht für mehr Teilhabe nachkommen.

Außerdem plädieren die Angehörigen für mehr Unterstützung vor Ort, was eine bessere Beratung in Fragen zu Pflege und Hilfen beinhaltet. Peter Beitz, Fraktionsvorsitzender der Mülheimer FDP, stimmt diesem Argument zu: „Betroffene sind oft verloren und überfordert bei der Vielzahl der Angebote. Wir müssen diese zentralisieren um für die Pflegenden einen Überblick zu schaffen, dafür braucht es Geld vom Land.“ Auch Nina Eumann aus dem Parteivorstand der Linken sprach sich für mehr finanzielle Mittel aus, insbesondere für die Kommunen, zur Unterstützung der Angehörigen.

Eine weitere Forderung ist die Einrichtung einer Landesinitiative zur Förderung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Sandra Leurs, Mitglied der Piraten-Partei, die diese Probleme auch privat kennt, stimmte dem zu. Außerdem sagte Leurs: „Wir brauchen mehr Tagesklinik- und Kurzzeitpflegeplätze, um die Angehörigen zu entlasten.“

Probleme bei Förderung von Selbsthilfegruppen

Auch staatliche Förderung für eine Selbsthilfeorganisation gehören zu den Ansprüchen des Vereins. Landtagsabgeordneter Arif Ünal von den Grünen sprach sich über Probleme bei struktureller Förderung von Selbsthilfegruppen aus, da es davon zu viele aus verschiedensten Bereichen gäbe.

Die rund 50 Zuhörer der politischen Diskussion zeigten sich sichtlich unzufrieden, teilweise verärgert über die Aussagen der Politiker. Susanne Hallermann vom Verein betonte: „Pflege muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht als ehrenamtliche Hilfe der Familie gesehen werden.“ Hallermann fordert mehr Unterstützung vom Staat, finanziell sowie durch Institutionen.

Beim letzten Punkt waren sich alle einig

Beim letzten Punkt waren sich alle einig. Nach Vorbildern aus Schottland und Finnland soll ein Parlament für pflegende Angehörige in NRW eingerichtet werden: Einmal im Jahr treffen sich Vertreter der Angehörigen aus allen Regionen in NRW im Landtag. Die Politiker aller Fraktionen stimmten dieser Idee zu. Ünal bot an, persönlich einzuladen, sollte das Parlament nicht zustande kommen.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel wird die Pflege von Angehörigen künftig immer mehr Menschen und Familien betreffen. Für diese wichtige Aufgabe in der Gesellschaft, so Hallermann, „sollte es mehr Wertschätzung geben“.

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