Konzert

Stadthalle Mülheim: Ute Lemper ist ganz Marlene Dietrich

Ute Lemper hat mit ihrem „Rendezvous mit Marlene“ das Mülheimer Publikum begeistert.

Ute Lemper hat mit ihrem „Rendezvous mit Marlene“ das Mülheimer Publikum begeistert.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Ute Lemper hat am Dienstagabend in der Mülheimer Stadthalle die Dietrich gegeben. Eine bewegende Hommage an die verstorbene Diva und ihre Lieder.

Marlene Dietrich ist in Mülheim auferstanden – zumindest für einen Abend in der Stadthalle. Ute Lemper hat dieses Wunder vollbracht. In ihrem „Rendezvous mit Marlene“ näherte sie sich der großen Schauspielerin, Sängerin und auch Stilikone aus der Innensicht. Ute Lemper, selbst ein internationaler Star, spielte Glamour und Brüche der 1992 verstorbenen Diva und feierte ihrer wunderbaren Lieder.

Zu den leisen Klängen ihrer vierköpfigen Band schlängelt sich Ute Lemper im hochgeschlitzten schwarzen Kleid über die Bühne, sie haucht, gurrt und nuschelt schleppend wie der alternde Weltstar. Lemper ist ganz Marlene Dietrich. Wie die Dietrich betont sie die Konsonanten und lässt sie am Wortende platzen wie Champagner-Perlen.

Marlene Dietrichs Liebe zu Deutschland, seiner Kultur und Lyrik

Die Geschichte dieses Programms reicht zurück in das Jahr 1987. Damals stand Ute Lemper am Beginn ihrer Karriere. In Paris, wo sie als „junge Marlene“ gefeiert wurde, erhielt sie einen Anruf von Marlene Dietrich. Vieles aus diesem dreistündigen Telefonat – wohl eher Monolog als Gespräch – taucht an diesem Abend auf.

Er erzählt von Dietrichs Liebe zu Deutschland, seiner Kultur und vor allem zur Lyrik von Rainer Maria Rilke. Aber auch von ihrem Hass auf die Faschisten, ihrer künstlerischen Konsequenz, ihrem Selbstbewusstsein und ihren Allüren. Und natürlich vom Alkohol und der Liebe. Die unzähligen Liebschaften tauchen auf: zu Männern wie John F. Kennedy, John Wayne oder Billy Wilder und zu Frauen wie Edith Piaf oder Jean Harlow. Die Dietrich war eben konsequent polygam und bisexuell.

Jubel und stehende Ovationen für Ute Lemper

Ihre vielleicht größte Liebe war Jean Gabin. Ihm ist „Ne me quitte pas“ gewidmet. Lemper lässt das Chanson aus den Erinnerungen der alternden Diva aufleuchten, fächert ein Mini-Drama großer Gefühle von Liebe, Einsamkeit und Angst auf. Hier kulminiert eine der ganz großen Stärken des Programms. Ute Lemper singt nicht nur hervorragend und bisweilen umwerfend, sie zerpflückt mit „Marlene“ die oft gängigen Melodien, dreht und wendet den Text bis das Lied als eigenständiges, kleines Theaterstück aufblüht. Da verlieren selbst Pete Seegers‘ „Sag mir, wo die Blumen sind“ oder „How many roads“ von Bob Dylan ihren Hymnen-Charakter.

An die Kriegsjahre erinnert „Lili Marleen“ und an Dietrichs Berliner Zeit „Ich bin die fesche Lola“. Nur hier spielt Ute Lemper mit den männlichen Attributen wie dem Hut, die als typisch für die Dietrich gelten. Versiert in Show und Musical erweist Ute Lemper sich bei den amerikanischen Songs als zupackende Jazz-Sängerin. Ihr Lohn: Jubel und stehende Ovationen der allerdings nur zu zwei Dritteln gefüllten Halle für einen musikalisch und darstellerisch packenden Abend voller Emotionen.

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