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Stadt schließt Kita wegen Brandschutzmängeln

Die Kita Purzelbaum an der Kreuzstraße muss wegen gravierender Brandschutzmängel schließen.

Die Kita Purzelbaum an der Kreuzstraße muss wegen gravierender Brandschutzmängel schließen.

Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.  Das Amt für Bauaufsicht in Mülheim untersagt der Elterninitiative Purzelbaum den Betrieb ihrer Einrichtung in Eppinghofen. 80 000 Euro hat die Initiative seit dem Frühjahr in die Kita Purzelbaum gesteckt. Sie ist bereit, die Brandschutzauflagen zu erfüllen, vermisst aber eine Gesprächsbereitschaft seitens der Stadt.

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Es ist ein Novum in der Geschichte Mülheims: Zum ersten Mal hat die Stadt eine Kita wegen „gravierender Brandschutzmängel“ geschlossen. Es trifft die von der Elterninitiative Purzelbaum betriebene Einrichtung an der Kreuzstraße in Eppinghofen. Im Brandfall wäre eine Rettung der 40 Kinder nicht innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten möglich. Ein zweiter Rettungsweg würde fehlen, ebenso Feuerschutztüren. Deshalb untersagte das Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht vor einer Woche den Weiterbetrieb: „Es fällt mir nicht leicht, aber es geht nicht mehr,“ sagt Amtsleiter Jürgen Liebich.

Erst im Juli ist die Kita von der Wilhelmstraße ins ehemalige Jugendzentrum an der Kreuzstraße gezogen – ohne Betriebsgenehmigung, wie die Stadt sagt. Für die Elterninitiative ist die Schließung „ein Schock. Wir waren überhaupt nicht darauf vorbereitet. Wir haben die ganze Sache einer Architektin anvertraut. Für uns ist die Haltung der Stadt nur schwer nachvollziehbar“, sagt Reinhard Miotk vom Vorstand.

Brandschutzkonzept fehle

Im März hatte die Elterninitiative einen Bau- und Kita-Nutzungsantrag für den Standort an der Kreuzstraße einreichen lassen. Man wollte nach langen Jahren an der Wilhelmstraße in das größere, ehemalige Jugendheim der Ev. Lukaskirchengemeinde umziehen, um Platz für die U 3-Betreuung zu haben. Es habe eine Begehung mit Vertretern des Gesundheits- und Jugendamtes gegeben. Einwände habe es nicht gegeben.

„Uns fehlte aber ein Brandschutzkonzept, um den Antrag bewilligen zu können“, erklärt dagegen Jürgen Liebich. Immer wieder habe man darauf hingewiesen, es sei aber kein Konzept eingereicht worden. Deshalb hat man Mitte November den Bauantrag abgelehnt. Erst daraufhin „hat sich der Vorstand bei uns gemeldet und gefragt, warum es keine Genehmigung gibt,“ so Liebich. Und erst da habe die Stadt erfahren, dass der Betrieb schon seit Juli läuft.

Eine Aussage, die Reinhard Miotk nicht versteht. Bereits Ende Mai habe man ein Brandschutzkonzept eingereicht. Gestern Abend informierte der Vorstand auf einer Versammlung die Eltern über die Lage. 15 Kinder konnten „wir mit Hilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in anderen Einrichtungen unterbringen“, so Miotk. Die anderen Kinder müssen zurzeit zu Hause betreut werden. Seitens der Stadt seien keine Vorschläge für eine Unterbringung gekommen.

Bitte um Vermittlung

Am Montag habe die Elterninitiative einen Brief an Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit der Bitte um Vermittlung geschrieben. Noch gebe es keine Antwort. Stattdessen hat die Stadt gestern in einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit informiert – „ohne uns dazu zu laden“, sagt Rheinhard Miotk.

Eine schnelle Lösung muss her. Da sind sich beide Seiten einig. „Wir wollen ja alle, dass die Kita möglichst schnell wieder aufmacht“, sagt Jürgen Liebich. Der Leiter des Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Stadtentwicklung rechnet aber nicht damit, dass die noch in diesem Jahr kommen wird. Er geht davon aus, dass es Ende Januar wird. Ein Brandschutzkonzept liege mittlerweile vor. Es sei drei Tage nach der Schließung der Kita eingegangen, so Liebich. Bis Weihnachten will die Verwaltung mit der Prüfung durch sein. Wie schnell sich dann die nötigen Umbauten erledigen lassen, „wird man sehen. Ein paar Tausend Euro wird das wohl auch kosten“, schätzt Jürgen Liebich.

Treppenhaus sei nicht ausreichend abgeschottet

Ein Rundgang von Feuerwehr und Bauaufsicht Anfang Dezember durch die Kita, die im Erdgeschoss und der ersten Etage betrieben wird, habe gezeigt: Im Notfall sei eine Evakuierung der Zwei- bis Sechsjährigen weder über den Flur möglich – „es fehlen feuerhemmende Türen und es ist Glas verbaut, das aufplatzen kann“– noch mittels Drehleiterfahrzeug von außen, so Liebich. Auch das Treppenhaus sei nicht ausreichend abgeschottet gegen Rauch.

„Natürlich geht es um die Sicherheit der Kinder. Das hat oberste Priorität“, sagt Reinhard Miotk. Er betont aber, dass die Elterninitiative die Auflagen erfüllen will. „Das Haus ist aber nicht illegal. Es ist vorher als Jugendzentrum genutzt worden“, sagt der 55-Jährige, dessen Frau als Erzieherin im Purzelbaum arbeitet. Miotk gibt sich durchaus selbstkritisch. Man habe sich wohl zu sehr auf die Architektin verlassen, die im Juli gesagt habe, dass die Inbetriebnahme kein Problem sei und die Genehmigungen schon kommen würden. „Das hätten wir prüfen müssen“, gibt Miotk zu. Dennoch versteht er aber die Haltung der Stadt nicht. „Sie ist nicht bereit, mit uns zu reden.“ Sieben pädagogische Mitarbeiter, zwei Reinigungs- und eine Küchenkraft arbeiten in der Einrichtung. Die Elterninitiative engagiert sich ehrenamtlich.

80.000 Euro hat sie seit Frühjahr in die Kita gesteckt, damit u.a. eine Turnhalle, einen Sandkasten, kleine Toiletten einbauen lassen. Umgezogen sei man aus den 270 Quadratmeter großen Räumen an der Wilhelmstraße in die 400 Quadratmeter große Einrichtung an der Kreuzstraße, „weil wir sonst keine U 3-Kinder hätten aufnehmen können.“ Man sei davon ausgegangen, dass die Betriebserlaubnis der vorherigen Einrichtung weitergelte. Ein Irrglaube.

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