Breitbandausbau

Stadt Mülheim gibt Baufirmen die Note „mangelhaft“

Etwas von der Rolle: Hier, wie vielerorts in Mülheim, verlegen Arbeiter ein Glasfaserkabel, das die elektronische Datenübertragung beschleunigt.

Foto: Oliver Berg, dpa

Etwas von der Rolle: Hier, wie vielerorts in Mülheim, verlegen Arbeiter ein Glasfaserkabel, das die elektronische Datenübertragung beschleunigt. Foto: Oliver Berg, dpa

Mülheim.   Der Breitbandausbau in Mülheim verzögert sich. Nach etlichen Bürgerbeschwerden stellt die Stadt auch der Telekom ein schlechtes Zeugnis aus.

Seit Monaten wird in Mülheim am Ausbau des Breitbandnetzes gearbeitet: Für schnelleres Internet lässt die Telekom rund 93 Kilometer Glasfaserkabel verlegen und 197 neue Schaltschränke aufstellen. Mehr als 400 Baustellen sind dafür nötig, sie verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet und sorgen großflächig für Ärger, weil viele nicht ordentlich abgesichert sind und seit langem brachliegen.

Beim Amt für Verkehrswesen und Tiefbau sind mittlerweile zirka 70 Bürgerbeschwerden eingegangen, etwa über unbenutzbare Gehwege, das Ordnungsamt verzeichnete 10 bis 15 weitere Meldungen. Dies geht aus einem aktuellen Sachstandsbericht der Verwaltung hervor, der auf Antrag der SPD im Wirtschaftsausschuss präsentiert wurde. Die Leistung der vor Ort tätigen Firmen wird als „mangelhaft“ bezeichnet, in bautechnischer wie auch organisatorischer Hinsicht.

Abschluss der Arbeiten war bis Ende 2016 geplant

Eigentlich, so die Verwaltung, sollten die Maßnahmen bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Da an so vielen Orten gleichzeitig gewerkelt wurde, habe man nicht an jeder einzelnen Stelle eine verkehrsrechtliche Anordnung treffen und die Notwendigkeit beurteilen können. Dies hätten die Baufirmen ausgenutzt und die Gruben lange vor Verlegung der Leitungen geöffnet. Federführend verantwortlich ist die Telekom, sie sei wiederholt aufgefordert worden, sich um ordentliche Absicherung und zügigen Abbau der Baustellen zu kümmern. Reagiert wurde aber immer nur auf gemeldete Mängel, so heißt es im Bericht. Die beauftragten Unternehmen würden offenbar nicht hinreichend überwacht.

Am Donnerstag hat eine Mitarbeiterin des Tiefbauamtes erneut eine Kontrollfahrt unternommen: Sie besichtigte die Bereiche rund um die neuen Schaltschränke und berichtet, dass an rund 30 Stellen, verteilt über die gesamte Stadt, immer noch Absperrungen stehen. An der Saarner Straße 250 beispielsweise klaffe seit nunmehr sieben Monaten eine Baugrube, „und es tut sich nichts“. Ähnlich an der Heidestraße 62. „Ich habe den Eindruck“, so die Mitarbeiterin, „die Telekom hat keinen Zugriff auf ihre Firmen. Die Dinge dauern zu lange.“

Amt: Baustellen sind teilweise gar nicht angemeldet worden

Teilweise, so heißt es aus dem Tiefbauamt, seien die Baustellen überhaupt nicht angemeldet worden. Nun würde keine neue Genehmigung mehr erteilt, ehe die letzte Grube geschlossen ist.

Die Telekom bestätigt auf Anfrage, dass sich der Breitbandausbau in Mülheim verzögert: Statt Anfang 2017 werde es bis Ende des Jahres dauern, ehe alles fertig ist, erklärt Sprecher André Hofmann. Als Gründe nennt er erforderliche Ausschreibungen oder die Wetterverhältnisse, „solche Verschiebungen sind nicht unüblich“.

Die Kritik an der Organisation und praktischen Durchführung der Bauarbeiten weist die Telekom jedoch zurück. „Wir bessern dort nach, wo Mängel auftreten.“ Man stehe nach wie vor in Kontakt mit der Stadt, der Bauleiter in Mülheim habe die Gesamtsituation im Blick. Zudem, so der Unternehmenssprecher: „Nur wenn Sie an einer Baustelle nichts sehen, heißt das nicht, das wir dort nichts tun.“

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