Lindgens-Gelände

Stadt erlaubt den Teilabriss

Auf dem Lindgens-Gelände möchte SMW ein neues Quartier für rund 500 Menschen entstehen lassen.

Auf dem Lindgens-Gelände möchte SMW ein neues Quartier für rund 500 Menschen entstehen lassen.

Foto: Schernstein

mülheim.   Die nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeteile auf dem Lindgens-Gelände dürfen abgerissen werden. Zukunft von Kamin und Kesselhaus offen.

Nach Jahren des Stillstands dürfen auf dem Lindgens-Gelände in Saarn endlich die Abrissbagger anrollen. Am Mittwoch hat die Stadt dem Projektentwickler SMW, hinter dem der Mülheimer Wohnungsbau und die Sparkasse stehen, eine Abrissgenehmigung für die Gebäude erteilt, die nicht denkmalgeschützt sind. Das ist den SMW-Geschäftsführern, Jürgen Steinmetz und Thomas Weber, wichtig zu betonen. Zuletzt hatte es Irritationen gegeben. Manche Bürger nahmen an, dass sämtliche Gebäude abgerissen werden. Dies sei aber nicht der Fall, versprechen die Geschäftsführer: „Es war immer geplant, dass wir das alte Verwaltungsgebäude, das am Straßenrand gelegene Fabrikationsgebäude und das Pförtnerhäuschen erhalten.“ Dabei bleibe es auch. Abgerissen werden demnach nur die stark verfallenen, nicht erhaltenswerten Fabrikationshallen, die mitten auf dem Gelände liegen.

Der endgültige Denkmalschutz für Kamin und Kesselhaus wird derzeit geprüft

Noch in diesem Frühjahr sollen die Abbrucharbeiten beginnen. Wie schnell dies gelingt, hängt allerdings von den verfügbaren Unternehmen ab. Die Angebote, die SMW im vergangenen Jahr bei Fachfirmen über Abriss und Abtransport des Bauschutts eingeholt hat, sind mittlerweile abgelaufen. Und bereits jetzt sei abzusehen, dass es in diesem Jahr „deutlich teurer“ werde, sagt SMW-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz im Gespräch mit der NRZ. „Selbst unser Fachingenieur war überrascht.“ Außerdem könnte es laut Steinmetz Schwierigkeiten mit dem Abtransport des Bauschutts geben. Demnach verfügen viele Deponien momentan nicht über ausreichend Entsorgungsflächen. Unter Umständen müsse man bis „in den hohen Norden fahren“, um den Schutt zu entsorgen.

Grundsätzlich sei er froh, dass es jetzt überhaupt weitergehe, sagt Jürgen Steinmetz, der unabhängig vom bereits genehmigten Teilabriss noch auf eine Entscheidung warten muss, die Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung des Geländes haben könnte: Ob Kesselhaus und Schornstein endgültig unter Denkmalschutz gestellt werden. Beides möchte SMW ebenfalls abreißen. Doch seit Januar steht das Ensemble unter vorläufigem Denkmalschutz. Und insgesamt sechs Monate hat das Rheinische Amt für Denkmalschutz nun Zeit, ein Gutachten zu erstellen, das die endgültige Schutzwürdigkeit unterstreicht. In diesem Zeitraum wird auch geprüft, ob es wirtschaftlich oder technisch überhaupt sinnvoll ist, die Gebäude zu erhalten.

Der Schornstein wurde in den 40er Jahren gebaut

Aus Sicht von SMW ist der Erhalt von Kamin und Kesselhaus weder technisch noch finanziell darstellbar. Das habe ein Gutachten bereits ergeben, so Jürgen Steinmetz. Zumal aus Unterlagen auch hervorgehe, dass der Bauantrag für die Schornsteinanlage erst im Januar 1940 genehmigt worden sei.

Die Diskussion um den Denkmalschutz für Kamin und Kesselhaus war unter anderem ein Grund für den lange währenden Stillstand auf dem Gelände in Saarn. Im Laufe des vergangenen Jahres entluden sich die Spannungen zwischen SMW und Verwaltung schließlich in einer Untätigkeitsklage, die SMW im August vor dem Verwaltungsgericht eingereicht hatte. Oberbürgermeister Ulrich Scholten erklärte die Entwicklung des Lindgens-Geländes daraufhin zur Chefsache, verlegte die Projektführung vom Planungsdezernat in sein Referat und übertrug die Leitung und Koordination seinem Referatsleiter, Guido Brücker.

Mindestens ein Drittel soll öffentlich geförderter Wohnraum werden

Brücker, der sich vor allem im stetigen Austausch mit Planungsamtsleiter Felix Blasch und SMW-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz um das Vorhaben kümmert, ist zufrieden: „Die konstruktive Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen unserer Fachverwaltung zeigt nun Früchte - es geht voran, und das ist gut und wichtig.“

Insgesamt 200 Wohneinheiten, die zu mindestens einem Drittel aus gefördertem Wohnungsbau bestehen sollen, hat SMW auf dem Gelände geplant. Im vergangenen Jahr kam das Projekt zum Erliegen, zwischen Stadt und Investor kam es zu Spannungen.

Mittlerweile arbeitet man gemeinsam an einer Lösung. Kesselhaus und Schornstein bleiben aber das größte Problem.

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