Sport im Verein

Sportvereine müssen der Konkurrenz mit neuen Ideen trotzen

In den Fußballvereinen sind Mitglieder auch im Freizeitbereich aktiv.

Foto: Daniel Frost

In den Fußballvereinen sind Mitglieder auch im Freizeitbereich aktiv. Foto: Daniel Frost

Mülheim.  Eine neue Studie hat die Situation der Mülheimer Sportvereine untersucht. Vor allem klassische Mannschaftssportarten verlieren an Bedeutung.

In anderen Städten könnten an dieser Stelle die Geschichten von leer stehenden und nicht mehr genutzten Platzanlagen erzählt werden. Oder von Vereinsschließungen, weil es einfach keinen Sinn mehr gemacht hat. In Mülheim ist die Situation noch eine andere. Dennoch müssen auch die hiesigen Klubs den Kampf mit der kommerziellen Konkurrenz und dem veränderten Nutzungsverhalten ihrer Mitglieder aufnehmen. Kreative Lösungen sind gefragt, damit an dieser Stelle nicht doch bald die traurigen Geschichten stehen.

Mitgliederschwund im Handball

Eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal, die am heutigen Montag im Sportausschuss präsentiert wird, zeigt, dass der Verein als Ersatzfamilie nicht mehr unumstritten ist. Annähernd 70 Prozent organisieren ihren Sport selbst, dahinter folgen die Vereine in den meisten Altersklassen noch auf Rang zwei, bei den 30- bis 49-Jährigen fielen sie aber bereits hinter die kommerziellen Anbieter zurück.

Demnach werden vor allem klassische Mannschaftssportarten in Zukunft an Bedeutung verlieren. Handball und Basketball leiden tatsächlich seit Jahren an Mitgliederschwund. Der Hallenvolleyball hat in Mülheim nie eine besonders große Rolle gespielt.

Engagierte Ehrenamtler fehlen

Wer überleben möchte, der muss heutzutage kreativ sein. Dafür braucht es aber pfiffige Ehrenamtler. Und genau hier liegt das Problem. Mehrfach in der Woche beim Training zu sein, am Wochenende die Jugendlichen mit dem Auto zu Auswärtsspielen zu fahren und dazu noch die Vorstandsarbeit – das wollen viele nicht mehr. Angesagte Trendsportarten sind auch deshalb in, weil oft keine Vereinszugehörigkeit erforderlich ist.

Um sich gegen die vielschichtige Konkurrenz zu behaupten, müssen Vereinsvorstände umdenken, auch mal weggehen von ihrer Kernsportart. Der Fußballklub Rot-Weiß Mülheim beispielsweise hat eine Pilates-Gruppe gegründet. Beim Mülheimer SV 07 sind 20 Prozent der Mitglieder im Freizeitbereich aktiv. In Ü50- oder Ü60-Mannschaften halten sich frühere Spieler fit, ohne den Druck von regelmäßigem Training oder Ligabetrieb zu haben. „Das ist ein Trend, der sich seit dem Entstehen der Kunstrasenplätze noch verstärkt hat“, sagt Peter Hein, Fachschaftsleiter im Mülheimer Fußball und gleichzeitig Vorsitzender des MSV 07. „Ich kann das jedem Verein nur empfehlen, denn es erhöht die Mitgliederzahl, belastet den Spielbetrieb nicht und die Leute fördern im besten Fall sogar noch das Vereinsleben“, sagt Hein.

Sportcamps in den Ferien

Auch anderswo setzen die Vereine bewusst auf Aktivitäten neben dem herkömmlichen Spielbetrieb. Zum Beispiel beim TuSpo Saarn. „In jeden Ferien finden Camps statt und seit letztem Jahr unterstützen wir den VfB Speldorf bei einem internationalen Turnier“, erklärt der stellvertretende Jugendleiter Devon Spliedt.

Wenngleich die Studie dem Mülheimer Fußball einen Rückgang von 450 Mitgliedern in den letzten zehn Jahren nachweist, ist Fachschaftsleiter Hein aktuell guter Dinge. „Unsere Anlage ist rappelvoll“, sagt er über seinen MSV 07. Am stärksten ist der Zulauf beim SV Heißen, der mittlerweile über 1200 Mitglieder hat.

Der oft zitierte demografische Wandel wird die Klubs dennoch vor Herausforderungen stellen. Die Experten der Uni Wuppertal prognostizieren für Mülheim bis 2025 einen Bevölkerungsrückgang von 2370 Personen in der relevanten Altersgruppe der Unter-27-Jährigen. „Wir werden genau beobachten, wo Fusionen sinnvoll sein können“, sagt Martina Ellerwald vom Mülheimer Sportservice.

Zahl der Tennisspieler nimmt ab

Eines der positivsten Beispiele in Sachen Mitgliederentwicklung ist neben dem SV Heißen vor allem der TSV Heimaterde. Während die Heißener jetzt richtig von ihrer Fusion profitieren, hat der TSV sich im vergangenen Jahr um 112 Mitglieder vergrößert und kratzt an der 1000er-Marke. Mit der in Mülheim seit jeher populären Sportart Badminton hat sich der Verein neben dem Fußball und dem Turnen ein drittes Hauptstandbein aufgebaut.

Zu den angesagten Sportarten gehört nicht erst seit der Olympiarückkehr im vergangenen Jahr der Golf-Sport. Auch der GC Mülheim in Selbeck steuert auf die Marke von 1000 Mitgliedern zu. Dies geht ein Stück weit zu Lasten der Tennisspieler, denn einige der älteren Spieler wechseln im Spätherbst ihrer Sportkarriere zum Golf. Auch deshalb ist die Zahl der Mülheimer Tennisspieler seit 2012 um über 500 zurückgegangen.

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