Soziales

Sozialamt im Mini-Format: Eine Styrumer Erfolgsgeschichte

Ein Blick ins Innere. Elf Städte wurden einst für das Projekt „Sozialagentur NRW – Hilfen aus einer Hand“ ausgewählt, nur in Mülheim existiert das Angebot noch.

Foto: Oliver Müller

Ein Blick ins Innere. Elf Städte wurden einst für das Projekt „Sozialagentur NRW – Hilfen aus einer Hand“ ausgewählt, nur in Mülheim existiert das Angebot noch. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Styrumer Sozialagentur startete einst als Projekt, besteht aber noch heute. Leiterin freut sich, dass sich vieles auf kurzem Wege regeln lässt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das schlichte weiße Gebäude liegt zwischen Kirche und Kindergarten: Die Sozialagentur Styrum an der Kaiser-Wilhelm-Straße gibt es nun schon seit 15 Jahren. Sie ist ein Sozialamt im Miniatur-Format. „Wir haben hier die Bereiche Leistungsgewährung, Arbeitsvermittlung und Arbeitsförderung, die Jugendhilfe und den Kommunalen Sozialen Dienst“, zählt Birte Rondo-Mattos, die Leiterin der Einrichtung, auf. Dazu kommen temporäre Angebote wie die Migranten- und die Flüchtlingsberatung, Sprechstunden des Sozialpsychologischen Dienstes, die Seniorenberatung und die Termine des Gesundheitsamtes für Kinder mit Sprachförderbedarf.

Was zunächst als Projekt startete, hat sich bewährt. Mit Landesgeldern hatte die Stadt 2002 die Idee verwirklichen können, vor Ort eine Anlaufstelle für die Styrumer zu schaffen. Elf Städte wurden damals für das Projekt „Sozialagentur NRW – Hilfen aus einer Hand“ ausgewählt, nur in Mülheim existiert das Stadtteil-Angebot heute noch. „Wir sind für die meisten Styrumer fußläufig zu erreichen. Die Leute können mal eben schnell vorbeikommen, und sie tun das auch. In der Regel arbeiten wir zwar mit Terminen, aber man kann auch jederzeit am Empfang vorsprechen. Manchmal ist dann eine sofortige Bearbeitung des Problems möglich“, so Rondo-Mattos.

Hilfen lassen sich sehr gut aufeinander abstimmen

Die ganzheitliche Betreuung der Kunden durch die gute hausinterne Vernetzung sei ein großes Plus der kleinen Sozialagentur. „Weil wir hier alle nah beieinander sitzen, können viele Dinge auf kurzem Wege geregelt werden. Es gibt ja große Schnittmengen zwischen den Bereichen. Wir können die Hilfen also sehr gut aufeinander abstimmen“, so die Amtsleiterin. Die Bürger seien den Mitarbeitern straßenbezogen – also sozialraumbezogen – zugeordnet.

Insgesamt arbeiten derzeit 37 Menschen in der Sozialagentur. Sie sind für rund 16 000 Einwohner zuständig. Denn Styrum ist zwar flächenmäßig ein kleiner Stadtteil, aber dicht besiedelt – mit vergleichsweise eher mehr sozialen Problemen. Ein Blick auf die Statistik zeigt: 3601 Personen erhalten derzeit Leistungen nach dem SGB II, das sind genau 27,4 % der Styrumer. Bedarfsgemeinschaften gibt es 1772. Von den 2571 Kindern unter 15 Jahren sind 1235 Hartz 4-Empfänger (48 Prozent). Das liegt auch daran, dass in Styrum viele große Familien, aber auch eine ganze Reihe an Alleinerziehenden leben – in vergleichsweise großen, günstigen Wohnungen.

150 Familien benötigen zurzeit Hilfen zur Erziehung

Um einige von ihnen kümmert sich auch der Kommunale Soziale Dienst (KSD): Rund 150 Familien benötigen zurzeit Hilfen zur Erziehung. Hinzu kommt für die Mitarbeiter unter anderem auch der Kinderschutz. Zwei bis drei Meldungen gehen pro Woche ein und müssen geprüft werden.

Im Foyer der Sozialagentur hängen an einem schwarzen Brett etwa ein Dutzend Stellenangebote. Die Styrumer Einrichtung ist auch eine Dependance des Jobcenters. Jobvermittler kümmern sich darum, Jugendliche und Erwachsene in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Die Fallzahl pro Casemanager liegt bei etwa 230. „Vor dem Migrationshintergrund und Flüchtlingshintergrund ist die Vermittlung hier eine besonders wichtige Aufgabe.“

Kooperation mit Oberhausener Jugendwerk geplant

Im Oktober startet die Sozialagentur Styrum eine Maßnahme mit der „Kurbel“, einem Oberhausener Jugendwerk. „Es gibt unter den Styrumer Bürgern nicht wenige mit multiplen Problemlagen, was die Vermittlung in Arbeit erschwert. Wir werden eine Sozialraumbegehung machen und genau eruieren, wo solche Menschen angebunden werden können, damit ihre vielfältigen Probleme angegangen werden können“, so die Agentur-Leiterin. Einrichtungen, Angebote, Kooperationen gibt es in Styrum nämlich viele. Schaffen wolle man auf diese Weise weitere niederschwellige Hilfsangebote.

Ärger gibt es in der Agentur nicht oft. „Es geht hier um existentielle Probleme, die Menschen reagieren emotional, manchmal auch grenzüberschreitend. Dann sprechen wir Hausverbote aus. Wir sind ausgebildet in Gesprächsführung und interkulturell geschult – und haben ein Sicherheitskonzept. Wird es schwierig, kommt ein Kollege dazu“, so Rondo-Mattos. Das aber sei zum Glück selten notwendig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik