Feuerwehr

Sorge bei Mülheimer Feuerwehr: 24 Stellen sind unbesetzt

Auch das müssen angehende Feuerwehrleute lernen: im Vollschutzanzug das Leck in einem Gefahrguttransportwagen zu bekämpfen.

Auch das müssen angehende Feuerwehrleute lernen: im Vollschutzanzug das Leck in einem Gefahrguttransportwagen zu bekämpfen.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Mülheim.  24 Leute könnten sofort eingestellt werden. Zehn Prozent der Stellen sind derzeit unbesetzt. Feuerwehr Mülheim bildet seit Jahren verstärkt aus.

Bei der Berufsfeuerwehr Mülheim läuft gerade das Einstellungsverfahren für den neuen Ausbildungslehrgang. Das ist auch bitter nötig: Zehn Prozent der Stellen im feuerwehrtechnischen Dienst – 24 von 247 – sind derzeit unbesetzt. Ein Problem nicht nur in Mülheim: Viele Kommunen landesweit könnten einstellen – wenn es denn genug Feuerwehrleute gäbe.

Stellen sind ständig zu besetzen und ausgeschrieben

„Wir sind ständig auf der Suche und freuen uns über jede Initiativbewerbung, die bei uns ankommt“, sagt Thorsten Drewes, Sprecher der Mülheimer Feuerwehr. Stellen für (Ober)Brandmeister/innen sind permanent bei der Stadt ausgeschrieben. Derzeit wird auch viel mehr ausgebildet: Jedes Jahr werden in Mülheim Bewerber/innen für den Grundlehrgang gesucht. Aktuell läuft das Bewerbungsverfahren für jenen Lehrgang, der bis September 2021 aus zwölf Brandmeisteranwärter/innen voll einsatzfähige Feuerwehrleute macht.

In früheren Jahren wurde nur alle zwei Jahre ausgebildet, erinnert sich Drewes. Er hofft, dass ab September 2019 zwölf junge Kollegen, die dann mit der Ausbildung fertig werden, den Bedarf in Mülheim auf sechs Prozent senken – wenn sie denn alle ihre Prüfungen bestehen.

Sechs Feuerwehrleute gehen 2019 in Pension

Insgesamt sechs Feuerwehrmänner gehen in diesem Jahr regulär in Pension. Aber es gibt auch immer wieder Feuerwehrmänner und -frauen, die aus persönlichen Gründen in andere Kommunen wechseln und dann vor Ort fehlen.

Weil die Feuerwehr ihre Einsätze nicht auf den nächsten Tag verschieben kann, bauen sich Überstunden auf. „Wir müssen die Mannstärke halten und holen unsere Leute dann bei Bedarf aus der Freizeit“, sagt Drewes. „Betriebsferien gibt es bei uns nicht.“

Es ist nicht nur der demographische Wandel, der in den kommenden Jahren die Mannschaft dezimiert. Auch sind geeignete Bewerber und Bewerberinnen rar. Denn die Einstellungsvoraussetzungen bei der Feuerwehr sind nicht ohne, körperliche Fitness wird ohnehin vorausgesetzt. Und viele der jungen Interessenten haben Bewerbungen in mehreren Städten laufen.

Geeignete Bewerber und Bewerberinnen sind rar

„Um zwölf geeignete Bewerber oder Bewerberinnen zu finden, benötigen wir 400 bis 500 Bewerbungen“, sagt Drewes. Aktuell sind es nur die Hälfte, 240, darunter drei junge Frauen. In dieser Woche (8. bis 13. Juli) läuft (lief) der schriftliche Einstellungstest. „Danach scheiden erfahrungsgemäß 35 Prozent aus“, weiß Drewes.

Kommende Woche sind dann die Sportprüfungen an der Reihe, danach der psychische Eignungstest, und am Ende muss noch der Amtsarzt sein OK geben. Den Sporttest, so Drewes, darunter ein 3000-Meter-Lauf und Streckentauchen, schaffe zumeist schon jeder zweite Bewerber nicht.

Das Pensionsalter liegt für die Feuerwehr, wo körperlich und psychisch belastende Einsätze zu stemmen sind, bei 60 Jahren. In drei Jahren gehört auch Thorsten Drewes zu denen, die Abschied nehmen vom Job, was er sehr bedauert. „Es ist für mich“, sagt er, „immer noch der tollste Job der Welt.“ Der Teamgeist, das Wir-Gefühl, auch die schlimmen Erlebnisse schweißen zusammen. „Wenn ich dürfte, würde ich noch ein paar Jahre dranhängen.“

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