Menschen machen’s möglich

Solidarität in Mülheim: Kostenloses Essen für Obdachlose

Sascha Prandstetter, und Stellvertreterin Martina Justenhofen sind die Vorsitzenden des Vereins Solidarität in Mülheim.

Sascha Prandstetter, und Stellvertreterin Martina Justenhofen sind die Vorsitzenden des Vereins Solidarität in Mülheim.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Sie helfen Menschen am Rande der Gesellschaft: die Ehrenamtler von „Solidarität in Mülheim“. Sie sind bei „Menschen machen’s möglich“ nominiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war ein Post bei Facebook, mit dem alles begann. Damals hätte Sascha Prandstetter selbst nie für möglich gehalten, dass die Sache in einem halben Jahr so wächst. Doch: Mittlerweile ist er Vorsitzender des Vereins „Solidarität in Mülheim“ mit 27 Mitgliedern. Vor dem Hauptbahnhof verteilen die 18- bis 68-Jährigen an sechs Abenden pro Woche Getränke und Essen an Obdachlose.

In seinem spontanen Facebook-Post vom 16. Januar hatte Prandstetter nach Gleichgesinnten gesucht – Menschen, die etwas bewegen wollen. Der 41-Jährige Essener wollte nicht mehr zusehen, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf bei der Kälte im Winter frieren. Besonders in Mülheim – hier hat er viele Freunde – sah er Bedarf. Weil es bis dato keinen gab, der Obdachlose versorgte.

Aus drei Leuten wurden 27 Ehrenamtler

Schnell fand der Initiator Gleichgesinnte. Aus drei Leuten wurden sieben oder acht, die Ausgabe von Essen und Getränken am Nordeingang des Mülheimer Hauptbahnhofes begann an zwei Tagen pro Woche: montags und donnerstags. Prandstetter: „Eigentlich wollten wir mit Ende des Winters aufhören. Aber der Bedarf bleibt auch nach dem Winter.“

Martina Justenhofen, stellvertretende Vereinsvorsitzende, ergänzt: „Der Sommer ist manchmal noch schlimmer als der Winter, weil die Obdachlosen gar keine Möglichkeit haben, sich vor Hitze zu schützen.“

So ging es immer weiter – der Verein wuchs und mit ihm wurden auch die Ausgabezeiten mehr. Mittlerweile verteilen die Ehrenamtler an sechs Tagen pro Woche, montags bis samstags zwischen 18.30 und 20 Uhr. Unter den Menschen, denen „Solidarität in Mülheim“ hilft sind viele Obdachlose, aber nicht nur. Prandstetter: „Es kommen auch andere Bedürftige zu uns.“

Initiative hilft auch Drogenabhängigen

„Zum Beispiel kommt jeden Abend ein Flaschensammler mit seinem Fahrrad vorbei, der vermutlich einen festen Wohnsitz hat, aber sonst nicht viel. Er freut sich, bei uns was zu essen und zu trinken.“ Auch Drogenabhängige kommen manchmal vorbei – es seien zwar wenige, aber auch denen hilft die Initiative.

Das Projekt ist im vergangenen halben Jahr stark gewachsen, insgesamt helfen aktuell 27 Ehrenamtler mit – mal ein paar mehr, mal ein paar weniger. „Es ist berührend zu sehen, dass Rentnerinnen, die selbst kaum über die Runden kommen oder schwer krank sind, mithelfen“, findet Prandstetter. Auch die Schicksale der Ehrenamtler sind es, die ihn berühren. Weil gerade die mithelfen, denen es selbst nicht gut geht.

Ziel ist noch lange nicht erreicht

Mit der Obdachlosenhilfe ist der Vereinsgründer noch lange nicht an seinem Ziel angekommen. Blickt Prandstetter ganz weit in die Zukunft, hofft er irgendwann ein Obdachlosenheim errichten zu können. Auch für die nahe Zukunft gibt es Pläne. „Im August bekommen wir einen durch Spenden finanzierten Transporter“, freut sich Prandstetter. In den nächsten Monaten soll das Equipment aufgestockt werden – mit Thermotöpfen und einer Innenausstattung des Transporters. Außerdem hoffen die Initiatoren irgendwann ein eigenes Vereinsheim zu haben.

Ob das auf Dauer nur mit Ehrenamtlichen klappt, weiß der Verein noch nicht. Schon jetzt investieren gerade die Vorsitzenden mehrere Stunden am Tag, vielleicht könnte es irgendwann auch einen Hauptamtlichen geben. Noch arbeiten aber alle Mitglieder vollkommen kostenlos.

Ihre Motivation? „Die Dankbarkeit der Menschen“, sagt Martina Justenhofen. Sascha Prandstetter ergänzt: „Das gibt einem viel zurück, wenn man sieht, was man alles erreichen kann.“ Ihr Ehrenamt erdet die beiden und die anderen Mitglieder: Weil sie sehen, wie viel es Wert ist, ein Dach über dem Kopf und genug Essen und trinken zu haben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben