Sinfoniekonzert

Sinfoniekonzert im Zeichen des Musik-Revolutionärs Beethoven

Das Mülheimer Publikum feierte das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice in der Stadthalle.

Das Mülheimer Publikum feierte das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice in der Stadthalle.

Foto: Theater- und Konzertbüro

Mülheim.  Das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice wurde in der ausverkauften Mülheimer Stadthalle vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Die offizielle Eröffnung des Beethoven-Jahres 2020 durch die „Beethoven Jubiläums GmbH“, kurz „BTHVN2020“, findet am 16. Dezember in Bonn statt, ein Jahr vor dem 250. Geburtstag des Komponisten. Seine Schatten voraus geworfen hat das Ereignis aber schon vorher auf zahlreiche Veranstaltungen, so auch auf das dritte Mülheimer Sinfoniekonzert, das (fast) ganz im Zeichen des großen Musik-Revolutionärs stand.

Typisch Beethovensche Neuerungen in der Mülheimer Stadthalle

Dabei bot das „Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice“ unter Leitung von Vladimir Stoupel zunächst Werke, die gar nicht revolutionär anmuten, aber doch typisch Beethovensche Neuerungen darstellen: Die „Romanze“ gab es bis dahin als Einzelsatz in einem größeren Zusammenhang, Beethoven schafft mit den Violinromanzen in G- und F-Dur zum ersten Mal selbstständige Kompositionen dieser Art und betritt damit einen Weg, der in die Romantik führt und zu einem Werk wie etwa dem melodienseligen Violinkonzert von Mendelssohn, das auf die Romanzen folgte.

Dabei schien die Violinistin Judith Ingolfsson schon bei diesen etwas eingeengt zu sein durch ein metronomhaft nivellierendes Dirigat, das den ausschwingenden Melodiebögen wenig Luft ließ zur atmenden Entfaltung von Spannung und Entspannung. Das besserte sich etwas im Mendelssohn-Konzert, das mit heftigeren Stimmungswechseln und sprühender, aber mitunter auch etwas gehetzt erscheinender Virtuosität vor allem im letzten Satz sein Recht forderte, nicht ganz ohne gelegentliche Trübungen im Zusammenspiel. Nach heftigem Beifall als kontrastierende Zugabe eine Sarabande von Bach, meditativ und versunken.

Ein beeindruckend rasantes Schaulaufen des Orchesters

Beethovens 7. Sinfonie stieß bei manchen konservativen Kritikern seiner Zeit auf Unverständnis. Friedrich Wieck, der Vater Clara Schumanns, nannte sie gar „die Musik eines Verrückten“. Ihre frenetische Rhythmusbesessenheit muss ähnlich gewirkt haben wie das Aufkommen der Rockmusik vor einigen Jahrzehnten. Nur: Bei dem äußerst selbstkritisch arbeitenden Beethoven hat auch das scheinbar Vordergründige seinen geistig-seelischen Hintergrund, wird hier aus der „Apotheose des Tanzes“(Richard Wagner) ein gewisse Ritualisierung im zweiten und eine titanische Lebenswut im letzten Satz.

Ohne diesen Hintergrund, ganz auf schnelles Tempo und metronomhaftes Taktieren gesetzt, wird daraus nur ein beeindruckend rasantes Schaulaufen des Orchesters. Laut und schnell kommt immer an: Heftiger Jubel und stehende Ovationen.

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