Stolpersteine

Sieben Stolpersteine zum Gedenken an Mülheimer Bürger

In der Friedrich-Ebert-Straße verlegen Bauarbeiter Stolpersteine für Otto und Helmut Rosenbaum. Insgesamt sieben dieser Steine wurden am 18. Mai zum Gedenken an jüdische Bürger in die Gehwege gelassen.

In der Friedrich-Ebert-Straße verlegen Bauarbeiter Stolpersteine für Otto und Helmut Rosenbaum. Insgesamt sieben dieser Steine wurden am 18. Mai zum Gedenken an jüdische Bürger in die Gehwege gelassen.

Foto: Michael Korte

Mülheim.   Zur Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten verlegten die Stadt und Schüler des Gymnasiums Broich Stolpersteine an fünf Orten in Mülheim.

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„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ – so lautet ein jüdisches Sprichwort. Während Bürgermeisterin Ursula Schröder diese Worte spricht, steht sie mit etwa 50 anderen Personen an der Friedrich-Ebert-Straße, dort, wo einmal das Haus Nummer 132 gestanden hat. Zwei Stolpersteine werden hier verlegt, im Gedenken an Otto und Helmut Rosenbaum, Vater und Sohn. Insgesamt sieben der gold glänzenden Erinnerungstafeln werden am Freitag an fünf Stellen in Mülheim in den Gehweg eingelassen.

Die Schüler der Stolperstein-AG des Gymnasiums Broich haben im Stadtarchiv recherchiert und viel über das Leben der Opfer herausgefunden. Einfach war das jedoch nicht. „Manchmal gab es unterschiedliche Angaben, zum Beispiel zum Todesdatum“, berichtet Hannah Nierhaus. Gemeinsam mit Theresa Naendorf hat sie drei Jahre lang Akten durchforscht, sogar während der Ferien. Die beiden 17-Jährigen sind glücklich darüber, dass sie mit ihrem Einsatz „etwas erreicht“ haben. „Viele junge Leute haben kein Interesse“, sagt Theresa Naendorf. „Wir wollten etwas tun, damit diese Zeit nicht vergessen wird.“

Erinnerung an die Rosenbaums, die deportiert wurden

Sie erzählen in großer Runde von Otto und Helmut Rosenbaum. Otto war Kohlehändler, wie sein Vater. Gemeinsam mit seiner Frau Luise und seinen drei Kindern lebte er an der Hindenburgstraße, die heute Friedrich-Ebert-Straße heißt. Nachdem er mehrmals festgenommen worden war, deportierte man ihn am 22. Juni 1938 ins KZ Sachsenhausen. 1941 kam er in das KZ Groß-Rosen und sollte in die „Euthanasie“-Anstalt Bernburg überstellt werden. Er starb jedoch vorher, in der Nacht auf den 25. März 1942.

Sein ältester Sohn Helmut war gemeinsam mit seinem Vater ins KZ Sachsenhausen gebracht worden. Da sich ein Probst für ihn einsetzte, ließ man ihn im November 1939 frei. Zuletzt lebte er in Recklinghausen, wo er am 21. Oktober 1990 verstarb.

Polizei-Chef: „Es ist toll, dass Sie das aufgearbeitet haben!“

Während die beiden Schülerinnen vom Leben der Rosenbaums erzählen, rauschen auf der stark befahrenen Straße Autos vorbei. Der Lärm verschluckt hier und da ein Wort. Dessen ungeachtet hören alle Anwesenden andächtig zu. Nach einer Gedenkminute geht es weiter Richtung Eppinghofer Straße. Dort lebten die Eheleute Dr. Arkady und Maria Genkin, bevor sie sich, um der Verfolgung zu entgehen, 1938 ins Exil in die Niederlande begaben.

Da Dr. Arkady eine Zeit seines Lebens als Polizeiarzt tätig war, spricht auch Polizeipräsident Frank Richter vor den Häusern Nr. 85/87 ein paar Worte. Es sei wichtig, aus dieser „schlimmen Zeit“ zu lernen, in der sich auch die Polizei „nicht rühmlich“ verhalten habe. Es brauche eine demokratische Polizei, keine politische, erklärt er. Und er bedankt sich bei den Schülern: „Es ist toll, dass Sie das aufgearbeitet haben!“

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An diesen Orten liegen die Stolpersteine: An der Friedrich-Ebert-Straße, ehemals Hausnummer 132, in Gedenken an Otto und Helmut Rosenbaum. An der Eppinghofer Straße 85/87 für Dr. Arkady und Maria Genkin sowie am Muhrenkamp 26, wo sich ihre Praxis befand. Am Dicks­wall 12 für Johanna Richter und bei Nummer 88 in Gedenken an Rosa Busch.

Die Namen und Biografien von den Opfern der Nationalsozialisten haben Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Broich in der Stolperstein-AG recherchiert.

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