Badetag

Schwimmtag nur für Frauen und Mädchen im Hallenbad Süd

Im Hallenbad Süd gab es am zum ersten Mal einen Badetag nur für Frauen. Archivbild: Ilja Höpping

Im Hallenbad Süd gab es am zum ersten Mal einen Badetag nur für Frauen. Archivbild: Ilja Höpping

Foto: WAZ

Mülheim.   Männer mussten draußen bleiben: Im Hallenbad Süd fand am Samstag zum ersten Mal ein Badetag nur für Frauen und Mädchen statt. Die Resonanz war gut - nicht nur bei Muslimen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein paar Männer muss Melanie Klever, Mitarbeiterin beim Sport- und Bäderamt Mülheim, an der Pforte zum Hallenbad Süd unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken. Heute haben sie hier keinen Zutritt. Denn ab sofort gibt es in diesem Bad jeden ersten Samstag im Monat eine Schwimmzeit nur für Mädchen und Frauen.

Etwa ein halbes Jahr lang will die Stadt testen, ob sich dieser Ansatz als erfolgreich erweist. „Dann wird entschieden, ob der Frauenbadetag beibehalten wird“, sagt Peter Edlich, stellvertretender Amtsleiter vom Mülheimer Sportservice. Als zusätzliches Angebot wird zu drei Terminen während der Badezeit eine Wassergymnastik durchgeführt – betreut von einer Frau, wie auch das gesamte Personal dann weiblich besetzt ist.

Ruhiger als sonst

Nicht nur bei muslimischen Kundinnen findet das Angebot durchaus Anklang. „Ich war zunächst skeptisch bei dem Gedanken, die Öffentlichkeit zu teilen“, gibt Bademeisterin Anne Schmellenkamp zu. „Ein Frauenschwimmen anzubieten bedeutet natürlich immer auch, Männer davon auszuschließen. Als ich aber gesehen habe, mit wie viel Spaß sich vor allem Migrantinnen an der Wassergymnastik beteiligen, hat mich die Idee überzeugt.“

Insgesamt gehe es beim Frauenschwimmen etwas ruhiger zu als sonst – da sind sich die Mitarbeiterinnen einig. Man müsse einfach weniger kleine Jungs ermahnen, die dauernd vom Beckenrand springen, obwohl das auch manches Mädchen gern täte.

Im Schwimmerbecken ziehen fünf Damen gemächlich ihre Bahnen, nebenan im Nichtschwimmerbecken tummelt sich eine Gruppe muslimischer Frauen mit kleinen Mädchen. Es wird laut gelacht und geklönt, hier können sie sich im Badeanzug und ohne Kopftuch frei bewegen. Sie wollen jetzt regelmäßig kommen, sagen sie.

Nicht nur religiös motiviert

„Wir haben damit auf eine starke Nachfrage reagiert“, sagt Melanie Klever. „Viele Frauen haben einfach das Bedürfnis, beim Baden mal unter sich zu sein – das ist nicht immer religiös motiviert.“ Mit dem Zulauf beim ersten Frauenschwimmen ist sie zufrieden. Etwa 50 Kundinnen haben das Angebot am Wochenende erstmals genutzt. Und die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass der Andrang noch größer wird, wenn sich die Neuerung erst herumgesprochen hat.

Eine Schwimmerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, lobt den Vorstoß: „Ich habe gerade eine Brustkrebsoperation hinter mir. Sie können sich vorstellen, dass man sich da im Badeanzug im Beisein von Männern etwas geniert.“ Hier könne sie ungestört Sport treiben, ohne sich Gedanken über ihren Körper machen zu müssen.

Ähnlich geht es Nadie Öztürk, die extra aus Oberhausen gekommen ist. Dort wurde das Frauenschwimmen zu ihrem Bedauern abgeschafft. Zwar nutze sie das Angebot auch aus religiösen Gründen, doch auch ein anderer Aspekt spiele eine Rolle: „Man fühlt sich beim Schwimmen unter Frauen einfach wohler, wenn man etwas mit Figurproblemen zu kämpfen hat.“

Männer mit Verständnis

Männer reagierten größtenteils mit Verständnis auf die monatliche Sonderregelung, so Anne Schmellenkamp. „Ist das heute schon anderen passiert?“ fragt ein Besucher etwas verlegen, nachdem er erfahren hat, dass er sein Badevergnügen verschieben muss. Ist es. Da kann die Bademeisterin ihn beruhigen.

Herren können alternativ das Friedrich-Wennmann-Bad nutzen, das samstags regulär für alle geöffnet ist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (15) Kommentar schreiben