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Schuhmacher sorgt in Mülheim für einen stabilen Gang

Orthopädieschuhmacher Klaus Eckelt

Foto: Oliver Müller

Orthopädieschuhmacher Klaus Eckelt Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Die meisten Kunden von Klaus Eckelt benötigen orthopädisches Schuhwerk.Der Schuhmacher appelliert: Behandelt die Füße nicht schlecht.

Es riecht nach Klebemittel und häufig auch nach Leder – „viele Kunden finden das lecker“, sagt Schumachermeister Klaus Eckelt. Wer sein Geschäft an der Kaiserstraße 27 betritt, hat jedoch oft einen anderen, handfesten Grund: seinen Fuß. „Das Dreifache des Körpergewichtes lastet auf ihm“, zeigt der 73-Jährige an einem Schuh mit Pfennigabsatz, „auf diesem muss allein der Ballen sogar alles tragen. Dennoch behandeln wir unseren Kopf oft besser als unsere Füße“.

Pfennigabsätze und Herrenschuhe herzurichten machen allerdings nur einen kleinen Teil der Arbeit im traditionellen Familienbetrieb aus. Trotz fallender Schuhpreise bringen vor allem Männer ihre Rennsemmel zu Meister Eckelt, vor allem wenn sie teuer waren oder eben besonders bequem.

Einlagen aus Leder und Kork

Gut zwei Drittel der Kunden aber brauchen orthopädisches Schuhwerk, wenn eben Knochen und Muskeln alters- oder krankheitsbedingt einen stabilen Gang nicht mehr leisten können. Dann ist Eckelt gefragt, die richtige Einlage aus Leder und Kork anzufertigen. Oder auch einen ganzen Schuh stellt er auf Maß in Handarbeit her. Im Schrank und im Ausstellungsraum hat Eckelt allerhand Ledersorten, allein Krokodil und Schlange sind selbstverständlich nur optisch als Muster aufgedruckt - „das ist Kuh oder Rind“, zeigt er.

Den Fußabdruck nimmt er nicht mehr in Gips, wie man es wie früher machte, sondern längst modern mit Schaumstoff. „Die Optik des Schuhs ist gerade Kunden, die aus Krankheitsgründen nicht mehr gut gehen können, genauso wichtig wie der Sitz. Er soll normal aussehen“, erläutert der Fachmann an einem Stiefelpaar. Ein Schuh sieht unauffällig aus, der andere ist wuchtiger, weil er mehr stützen muss und kann mit Schnallen einfach geschlossen werden. „Wenn die Hose aber darüber liegt, ist der Unterschied nicht mehr zu sehen.“

Es begann 1932 an der Bruchstraße

1932 hatte Eckelts Vater einen Schuhladen an der Bruchstraße in Eppinghofen gegründet, nach der Handelsschule hat der Sohn es ihm nachgemacht und eröffnete 1969 einen Laden an der Eppinghofer Straße. Später ging’s an die obere Kaiserstraße. Nach einem weiteren Umzug liegt sein Geschäft seit 2005 nun noch näher am Zentrum.

Eine zusätzliche Werkstatt betreibt der Schuhmachermeister mit einem Mitarbeiter an der Wielandstraße. Seine Frau Ursula hilft im Geschäft, die Tochter ist allerdings beim Zoll gelandet. Kein Problem. „Wir sind noch fit“, sagt der 73-Jährige – und Spaß macht es obendrein. „der Beruf ist vielseitig, ich muss mich laufend auch medizinisch weiterbilden und ich arbeite gerne mit Menschen“. Mancher kommt auch nur auf ein Schwätzchen ins Geschäft – das gehört eben dazu.

Kunden im Zettelkasten

Auch wenn sich viel im Schuhhandwerk modernisiert hat, seine Kunden pflegt der Meister immer noch im Zettelkasten. „Vielleicht bin ich in der Sache ein bisschen stur“, überlegt er, und ein feines Zucken der Mundwinkel verrät: Digital ist ihm egal, denn es geht auch so.

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