Aktion gegen Rechts

Schüler und Lehrer aus Mülheim schreien nach Liebe

Die Schüler vom Gymnasium Broich in Mülheim haben erst das Lied „Schrei nach Liebe“ gesungen und dann Flugblätter aus den Fenstern gefangen.

Die Schüler vom Gymnasium Broich in Mülheim haben erst das Lied „Schrei nach Liebe“ gesungen und dann Flugblätter aus den Fenstern gefangen.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Gegen Rassismus haben alle Schüler und Lehrer vom Gymnasium Broich den bekannten Song der Ärzte gesungen – um dem Schultitel gerecht zu werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Arm in Arm stehen einige der 908 Schüler des Gymnasiums Broich auf dem Schulhof. Sie demonstrieren eine Einheit, alle Klassen samt Lehrern haben am Donnerstagmittag laut das Lied „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten gesungen. Die Schule trägt seit 2013 den Titel „Schule ohne Rassismus“. Dies war eine Aktion gegen Rechts.

Drei Wochen lang haben die Schüler den Text gelernt. Vor allem beim Refrain sangen alle kräftig mit. In dem taucht das Schimpfwort „Arschloch“ auf, was deutlich zu hören war. Im Vorfeld gab es Diskussionen, ob das Lied deshalb das richtige sei, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen: „Wenige Lehrer wollten es nicht, auch Schüler waren skeptisch“, gibt Lehrer und Zugpferd Seydi Güngör zu. Darüber kam man in der Schule ins Gespräch. Doch über das Wort kriege man eben auch die Schüler und die Botschaft des gesamten Liedes zähle.

Lehrer erinnert sich an 1993

Güngör war 15 Jahre alt, als der Song 1993 herauskam. Auch als Reaktion auf die Brandanschläge von Solingen, Hoyerswerda, Rostock und Mölln, bei denen Menschen mit türkischen Wurzeln ums Leben kamen. „Ich hatte damals Bedenken. Als ich das Lied hörte, hat es gut getan. Ich dachte, ich bin in einem Land, in dem ich doch nicht von allen gehasst werden“, erzählt der Geschichts- und Sportlehrer, der selbst türkische Wurzeln hat. Nun sollte es ein kurzer Moment mit großer Wirkung sein. Obwohl es im Vorfeld sogar Überlegungen gab, die Aktion noch größer aufzuziehen. Mit einem Konzert und einem Auftritt der Lehrerband. „Aber es sollte der Moment sein, in dem wir uns positionieren“, betont Güngör.

Gut für den Zusammenhalt

Er hielt gemeinsam mit dem stellvertretenden Schülersprecher Tom Herzberg eine kurze Rede vor der Gesangseinlage. Darin schilderten beide die Hintergründe zur Entstehung des Liedes und betonten, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben sollte. Für den Schüler ein aufregender Moment, ebenso wie das gemeinsame Singen. „Es war ein sehr gutes Gefühl und gut für unseren Zusammenhalt“, sagte der 16-Jährige, der im Politikunterricht über die Auswirkungen einer Partei wie der AfD auf die Gesellschaft gesprochen hat und in Geschichte die Zeit des Nationalsozialismus besprochen hat. Über die Religionen spricht er mit Mitschülern, die einen Migrationshintergrund haben. Wobei er zugibt, dass sich im Falle von Streit rassistische Aussagen nie ganz verhindern lassen.

Nach dem Lied warfen Lehrer Flugblätter mit Botschaften der Weißen Rose aus den Fenstern, Schüler flaggten ein selbst gebasteltets Transparent mit den Schlagworten Gemeinschaft, Toleranz, Vielfalt aus einem Klassenraum. Auf dem stand der Hashtag „Wir sind mehr“.

>>> Dritte Aktion der Schule gegen Rassismus

  • Der „Schrei nach Liebe“ war die dritte große Aktion des Gymnasiums Broich anlässlich des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In den Klassen wird über das Lied gesprochen.

  • Nach der Titelverleihung im Jahr 2013 gestalteten alle Klassen der Schule eine Projektwoche. Die Stolperstein AG verlegte schon zweimal Gedenksteine in der Stadt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (6) Kommentar schreiben