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Schnuppertag für ein Ehrenamt in der Mülheimer Gesellschaft

Bei der Awo am Fritz-Dirkes-Haus bauen Ehrenamtliche eine „Chill-Ecke“.

Bei der Awo am Fritz-Dirkes-Haus bauen Ehrenamtliche eine „Chill-Ecke“.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Bei „24 mal Mülheim“ haben über 70 Menschen viele verschiedene Projekte genutzt, um mal reinzuschauen in eine ehrenamtliche Tätigkeit.

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Eigentlich könnte Audrey auch den sonnigen Samstag mit Freunden auf der Wiese verbringen. Stattdessen nimmt sich die 16-Jährige ehrenamtlich Zeit für fremde Kinder auf dem Spielplatz an der Arndtstraße. Warum? „Ich habe auch schon ehrenamtliche Nachhilfe in Mathe bekommen, jetzt will ich etwas zurückgeben, etwas Gutes tun“, sagt sie.

Malen hat Audrey im Samstagnachmittagprogramm, das vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) mitorganisiert wird, „es macht den Kindern Spaß – mir auch“. Und mit ihr haben gut acht Ehrenamtler auf dem Lokspielplatz einen Parcours mit lustigen Spielen zusammengestellt: Dosenwerfen, auf drei Beinen laufen oder Wasserschleppen auf dem Kopf wie die Menschen in Afrika.

Chris (29) ist schon erfahrener in der Jugendarbeit, weil er mit 13 Jahren den Essener Falken beigetreten ist. Jetzt will der ausgebildete Kommunikationstechniker nochmal umschulen in Richtung soziale Arbeit. Das Ehrenamt ist für ihn eine gute Sache, um Kontakte und weitere Erfahrungen für den angestrebten Beruf zu sammeln. Das Reinschnuppern ist auch ein Zweck des Aktionstags des CBE.

„24 mal Mülheim“ läuft schon zum vierten Mal und mit offenbar wachsender Begeisterung: 70 Menschen haben den Tag und die vielen verschiedenen Projekte genutzt, um auszuprobieren, wofür sie sich später vielleicht freiwillig engagieren wollen. Die Spannbreite allein unter den 14 Projekten an diesem Tag ist groß, schildert CBE-Sprecherin Stephanie Ehlert, und reicht von der urbanen Bepflanzung am Kunstmuseum, Begleitung von Senioren bei einer Seefahrt, Radreparatur bis hin zum klassischen Unterhalten und Beschäftigen von Senioren im Krankenhaus.

Überlastete Familien brauchen Hilfe

Während das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge weiterhin sehr stark ist, wird in einem anderen gesellschaftlichen „Trend“ dringend Hilfe gesucht: Alleinerziehende und Familien, in denen beide Elternteile arbeiten müssen, brauchen häufig eine so genannte Leih-Oma. „Das ist keine Nachhilfe, sondern sie - oder er - spielt mit den Kindern, geht mit ihnen in den Park oder auf den Spielplatz“, schildert Stephanie Ehlert. Hört sich einfach an, aber die Leih-Oma (oder der Opa) muss natürlich „menschlich passen“.

An der sozialpsychiatrischen Einrichtung der Awo an der Zinkhüttenstraße hingegen werkelt ganz klassisch der Nachwuchskreis von Siemens an einer „Chill-out-Lounge“, erklärt Markus Lempke: „Ich komme jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hier vorbei, das ist mir nah, deshalb will ich mich für die Einrichtung engagieren.“ Die Sieben von Siemens finden soziales Engagement wichtig, denn „uns geht es gut, anderen vielleicht nicht“, bringt’s Anna-Katharina Pollmeier auf den Punkt. Die kleine Pergola mit selbstgebauten Palettenmöbeln dient psychisch erkrankten Menschen jetzt zur Entspannung.

CBE für die soziale Stadtgesellschaft

Awo-Geschäftsführer Lothar Fink, der das Centrum für Bürgerschaftliches Engagement vor vielen Jahren mit auf den Weg brachte, sieht das CBE als unverzichtbare Einrichtung für die Entwicklung einer sozialen Stadtgesellschaft, denn es ist für Menschen, die eine Aufgabe suchen, ein Ansprechpartner, und es betreut die vielen einzelnen Hilfsinstitutionen und Ehrenämter: „Man kann den Schatz Ehrenamt nicht heben, wenn man keine Organisation hat“, sagt er.

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