Tiere

Schaf gerissen: Erstmals Goldschakal in Mülheim nachgewiesen

Seit neustem offenbar auch in NRW heimisch: der Goldschakal.

Seit neustem offenbar auch in NRW heimisch: der Goldschakal.

Foto: Odin Franke

Mülheim.  Im August wurden auf einer Mülheimer Weide mehrere Schafe tot aufgefunden. Nach Gentests steht fest: Ein Goldschakal hat Spuren hinterlassen.

Erstmals ist in NRW ein Goldschakal nachgewiesen worden. Nach dem Fund mehrerer toter Schafe, der Auswertung einer Wildkamera und genetischen Untersuchungen steht dies für das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) eindeutig fest. Das männliche Tier habe im August erste Spuren in Mülheim hinterlassen und im September an der niederländischen Grenze in Kranenburg.

Die Geschichte des gelb-grauen, scheuen Tieres beginnt am 18. August auf einer Weide in Mülheim – mit einem toten Schaf. Dieses wurde vom Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen untersucht und für die Forscher gibt es bald keinen Zweifel mehr: Das Schaf musste durch einen männlichen Goldschakal getötet worden sein. Zwei am Vortag auf gleiche Weise ums Leben gekommene Schafe seien „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls diesem Schakal zuzuschreiben“, so das Lanuv. Eine genetische Untersuchung dieser Tiere aber war nicht mehr möglich, da ihre Körper bereits beseitigt worden waren.

Nationale und internationale Experten bestätigten Aufnahmen aus Wildkamera

Bilder einer Wildkamera, die an der Mülheimer Weide aufgebaut worden war, bestätigten das Ergebnis: Am 23. August wurde der Goldschakal, dem die Experten die Kennung GG010m gegeben haben, auf Film festgehalten. Nationale und internationale Experten verifizierten die Aufnahmen. Weitere DNA-Spuren von GG010m wurden einige Tage später an einem toten Rehkitz sichergestellt.

Am 25. und am 28. September wurden dann in Kranenburg tote Schafe gefunden. Neueste genetische Untersuchungen des Senckenberg Instituts belegen, dass auch sie auf GG010m zurückzuführen sind. Wilhelm Deitermann, Sprecher des Lanuv, ist überzeugt, dass der Goldschakal „nur ein Einzeltier“ ist, welches auf seinem Weg in die Niederlande durch NRW gezogen ist. Größere Populationen gebe es vor Ort (noch) nicht.

Kleine Säugetiere, Amphibien, Insekten, Fische und Aas stehen auf dem Speiseplan

Bislang war der Goldschakal vor allem in Asien zu finden, zudem in Südosteuropa. Von dort kommt er langsam auch in unsere Gefilde: „Er ist auf dem Vormarsch“, sagt Deitermann, „es ist schon lang nicht mehr die Frage, ob er kommt, nur wann er kommt.“ In der Wahl des Lebensraums sei die Art flexibel; sie könne sich gut anpassen, sei in Agrarlandschaften ebenso anzutreffen wie in Feuchtgebieten. In in den vergangenen Jahrzehnten sei es immer wieder zu Nachweisen in Ländern gekommen, in denen der Goldschakal zuvor nicht heimisch war. In Deutschland wurden ab 1998 die ersten Nachweise geführt.

Der Goldschakal ist kleiner als ein Wolf, aber größer als ein Fuchs. „Für Menschen stellt er keine Bedrohung da“, betont Deitermann. Er ist ein klassisches Wildtier, meide den Menschen. Deitermann hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass es überhaupt zu Begegnungen kommt. Wenn aber doch, solle man „laut rufen und in die Hände klatschen“ – „dann läuft er auf jeden Fall weg“. Schafe stehen eher selten auf dem Speiseplan des Schakals. „Normalerweise frisst er eher kleinere Säugetiere wie Hasen“, so Deitermann. Aber auch Amphibien, Insekten, Fischen, Aas und pflanzliche Nahrung gefallen ihm.

Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor dem Wolf auch bei Goldschakalen geeignet

Wo Wölfe sich aufhalten, ist der Schakal übrigens nicht zu finden, sagt Deitermann. „Die Wölfe würden ihn verbeißen.“ Präventionsmaßnahmen aber, die zum Schutz vor dem Wolf dienen, seien auch geeignet zum Schutz vor Goldschakalen. Halter von Schafen, Ziegen und Gehegewild könnten Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen beantragen. (Deike Frey)

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