Kultur

Saarner macht als „Newcomer des Jahres“ Karriere mit Reden

Foto: Veranstalter

Mülheim.   Gavin Karlmeier arbeitet bei 1Live und wurde mit dem „Goldenen Blogger“ ausgezeichnet. Er plant weitere Ausgabe des Mölmsch Open Air“-Festivals.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Ich bin halt eine Laberbacke. Das, was mir in Schule und Studium zum Verhängnis wurde, sichert mir heute mein Gehalt.“ Mit einer ordentlichen Prise Selbstironie gewürzt schaut Gavin Karlmeier auf Vergangenheit und Gegenwart. Der 28-Jährige, in Saarn aufgewachsen, schaffte es nach einem abgebrochenen Germanistik-Studium zum Radiosender 1Live, wo er aktuell als sogenannter „Channel Manager“ tätig ist.

„Ich bin dort verantwortlich für alles, was 1Live außerhalb von Radio macht.“ Überwiegend kümmert sich Karlmeier dort um die Aktivitäten in den sozialen Medien. Nebenher tut er im Rahmen einer wöchentlichen Call-In-Sendung im Internet (siehe Infobox) das, was er nach eigenen Angaben am besten kann: reden.

Mit fremden Menschen über Geschichten quatschen

So sollte es nicht verwundern, dass diese Sendung den Namen „Wir reden“ trägt: „Das Internet sorgt dafür, dass wir alle wahnsinnig viele Inhalte produzieren, extrem viel senden, aber nicht mehr miteinander reden. Da wollte ich etwas gegen tun.“ Für das Format, bei dem der Wahl-Kölner Dienstagabends um 22 Uhr in seiner Wohnung sitzt und dann im Rahmen einer Live-Übertragung (Blog) mit wildfremden Menschen über „Geschichten quatscht, die die Anrufer sonst auf Partys ihren Freunden erzählen“, wurde er nun als „Newcomer des Jahres“ mit dem „Goldenen Blogger“ ausgezeichnet.

„Ich war vollkommen fassungslos und habe mich wahnsinnig geehrt gefühlt“, gibt er zu. Deutschlands wichtigste Auszeichnung für Internet-Blogger rief sogar Fernsehteams der ARD-„Tagesthemen“ und ZDF-„Heute Journal“ auf den Plan. „Ich war in den Beiträgen sogar dreimal zu sehen. Allerdings nur als Schnittbild.“

Keinen therapeutischen Ansatz

Etwas größer im Bewegtbild-Fokus stand Karlmeier in der Vorweihnachtszeit, als er über die Facebook-Präsenz von 1Live viermal live das Weihnachts-Spezial „Gavin allein zu Haus“ präsentierte. In insgesamt vier Episoden sprach er mit Anrufern über das vergangene Jahr, die nahe Zukunft – und natürlich Weihnachten. Ein Experiment, für dessen Verwirklichung einige Überzeugungsarbeit notwendig war. „Da etwas zu machen, was nur online stattfindet und nicht im Radio, das war für viele Menschen da schon fast Blasphemie. Wir wollten es aber einfach ausprobieren.“

Ein Vergleich mit Jürgen Domian drängt sich da fast schon zwangsläufig auf. Einen potenziellen Nachfolger für die 1Live-Talk-radio-Legende sieht Karlmeier in sich selbst jedoch nicht: „In meiner Wahrnehmung hatte Domian immer einen therapeutischen Ansatz. Den hatte ich nie.“ Auch ein persönliches Treffen der beiden gab es bislang noch nicht. Aber: „Ich habe gehört, dass er weiß, dass ich das mache und dass er gut findet, dass das jemand macht. Es wäre natürlich total verrückt, wenn Domian selbst irgendwann bei mir in der Sendung anrufen würde.“

Zurück in seine Heimatstadt Mülheim

Für 2018 hat sich Karlmeier ein neues Format ausgedacht, welches ihn mehrfach in seine Heimatstadt führen wird: „Ich habe die Idee für einen Podcast (Angebot von Mediendateien im Internet, d. Red.), für den ich an die wichtigsten Orte meiner Jugend reise. Die Müga wäre so ein Ort. Manche dieser Orte gibt es leider nicht mehr. Meinen ersten Kuss hatte ich beispielsweise vor der alten Stadtbücherei.“

Nebenbei plant er mit alten Freunden eine weitere Ausgabe des „Mölmsch Open Air“-Festivals. Noch steht kein genauer Termin fest, aber es „wird definitiv wieder im Juli auf der Freilichtbühne stattfinden“, verspricht er. Die Rhein-Metropole als Wohnort hin oder her – Gavin Karlmeier hängt an Mülheim und gibt zu: „Hätte ich mir einen anderen Job ausgesucht als Internetheini, dann würde ich mein mittleres Alter wohl in dieser Stadt verbringen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik