Radverkehr

RVR hat eine neue Vision für das Radwegenetz rund um Mülheim

Stadtradeln Anfang Juni: Nicht nur zu dieser Aktion stößt der Radschnellweg auf große Resonanz.

Stadtradeln Anfang Juni: Nicht nur zu dieser Aktion stößt der Radschnellweg auf große Resonanz.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Der RVR hat für die Metropole Ruhr einen Radwege-Bedarfsplan vorgelegt, der auch für Mülheim Ausbauziele definiert. Nun geht’s ins Detail.

Am Ende soll sich über die Metropole Ruhr ein Netz mit Radwegen in einer Gesamtlänge von 1808 Kilometern gelegt haben. Mit seinem Radwege-Bedarfsplan hat der Regionalverband Ruhr (RVR) das ehrgeizige Ziel formuliert, die Region komplett zu durchziehen mit Radschnell- und anderen überörtlichen Radwegen, so dass das Rad im Alltagsverkehr an Bedeutung gewinnen kann. Bis zum Jahresende soll sich Mülheims Politik mit den Plänen befasst haben.

Demnach sollen Mülheim in Zukunft zwei Radschnellwege durchlaufen. Der zentrale Radschnellweg RS1 ist (wenn auch immer wieder mit Verzögerungen) im Bau. Ein weiterer soll den RVR-Ideen zufolge Mülheims Innenstadt Richtung Norden mit Oberhausen verbinden. Bekanntlich hat eine Bürgerinitiative in der Nachbarstadt hierfür bereits die Initiative ergriffen und die Hibernia-Trasse ins Spiel gebracht.

Machbarkeitsstudie zur Kostenermittlung

RVR-Planungschef Martin Tönnes nimmt das erfreut zur Kenntnis, empfiehlt den Oberhausenern, in finanzielle Vorleistung zu treten, um zeitnah eine Machbarkeitsstudie zur Kostenermittlung und technischen Realisierbarkeit vorliegen zu haben. Ein Radschnellweg soll einen vier Meter breiten, asphaltierten Radweg vorweisen, dazu zwei Meter Fußweg. Da sind Unwägbarkeiten auf der ehemaligen Bahnstrecke, eine Trassenführung gilt es im Detail zu untersuchen. Der RVR glaubt aber, dass ein Radschnellweg auf dieser Achse mehr als 2000 Nutzer pro Tag anziehen könnte.

Ein dritter Radschnellweg aus dem RVR-Konzept verläuft zwar nicht direkt auf Mülheims Stadtgebiet, jedoch im Norden unmittelbar angrenzend. Würde es ihn geben, wäre er sicher interessant für Bürger zwischen Styrum und Heißen. Er zieht sich – mit Anschluss an den RS 1 – von Essen-Altendorf über Schönebeck und Frintrop gen Oberhausen-Mitte, von dort geht es über Alstaden weiter zur Duisburger Stadtmitte.

Radstrecken als Regionale Radverbindung im Süden

Den Süden Mülheims spart der Radwege-Bedarfsplan des RVR nicht aus, auch wenn aufgrund der dünneren Besiedlung dort keine Radschnellwege angedacht sind, sondern Radstrecken mit dem Ausbaustandard der Kategorie 3 als Regionale Radverbindung: 2,5 bis drei Meter breite Strecken, die von Radlern und Fußgängern gemeinsam genutzt werden können.

Drei der Strecken haben Relevanz für Mülheimer Radfahrer: Im Westen der Stadtgrenze zu Duisburg eine Nord-Süd-Achse zwischen Mülheimer Straße (Neudorf) und Ratingen-Lintorf, ferner eine Verbindung links der Ruhr von Stadtmitte über den Nachbarsweg in Saarn in Richtung Duisburg-Großenbaum. Der Ruhrtalradweg zwischen Stadtmitte und Kettwig ist ebenso als eine jener Radverbindungen gedacht, die nicht nur Freizeit-, sondern auch Alltagsradlern ein bequemes Pendeln zwischen den Städten ermöglichen sollen. Angedacht ist aber, den Radweg zur Anbindung an Mintard direkt durch die Sachsensiedlung zu führen.

Finanzierung bleibt der Knackpunkt

Attraktive städteübergreifende Radwege, intelligent verknüpft mit öffentlichen Verkehrsmitteln: „Das Regionale Radwegenetz bildet die Basis, um das Fahrrad zu einem vollwertigen Verkehrsträger zu entwickeln“, sagte RVR-Chefplaner Tönnes im Mai zur Präsentation der Pläne. Er betonte jetzt: „Wir gehen als Metropole Ruhr in eine ganz neue Richtung.“ Gebe es bislang nur Bedarfspläne für den Kraftverkehr und die Bahn, so solle es dies erstmals in Deutschland nun auch für den Alltagsradverkehr im Revier geben.

Am Ende soll die Verbandsversammlung möglichst Mitte 2019 den Bedarfsplan verabschieden. „Dann würde ich mir das Päckchen für die Radschnellwege unter den Arm klemmen und zu Verkehrsminister Wüst bringen, weil die finanzielle Verantwortung für den Bau von Radschnellwegen beim Land liegt. Der Bedarfsplan sei „ein wichtiges politisches Signal der Region für mehr Mobilität“, so Tönnes.

Knackpunkt: die Finanzierung. Tönnes fordert, die Bundesförderung für Radschnellwege (25 Millionen Euro/Jahr) und die Landesmittel für den Radwege-Bau (7 Millionen) deutlich aufzustocken.

>>> AUSBAUPLÄNE IM WESTLICHEN RUHRGEBIET

Allein im westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Bottrop, Oberhausen, Mülheim, Kreis Wesel) soll das Radwegenetz laut Bedarfsplan auf 560 Kilometer ausgebaut werden.

Aufgeteilt sind diese 560 Kilometer in 143 Kilometer Radschnellwege, 130 Kilometer Hauptradwege (Kategorie 2) und 286 regionale Radverbindungen (Kategorie 3)

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