Fridays for Future

Grünen-Gründer Knabe (95) bei Schülerprotesten in Mülheim

Über die Schloßstraße ging es zum Mülheimer Rathausmarkt.

Über die Schloßstraße ging es zum Mülheimer Rathausmarkt.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Die erste Fridays for Future-Demonstration in Mülheim verlief friedlich. Das Organisationsteam ist sehr zufrieden und plant weitere Kundgebungen.

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Dem Aufruf der Mülheimer Fridays for Future-Ortsgruppe zu der ersten Klima-Demonstration waren am Freitag rund 500 Menschen gefolgt. Gegen 13 Uhr sammelten sich die Demonstrierenden zunächst auf dem Kurt-Schumacher-Platz, darunter vor allem Schülerinnen und Schüler in verschiedenem Alter. Auch einige Erwachsene nahmen an dem Protestzug teil: Eltern, Lehrer und auch Senioren waren vertreten.

Unter den Senioren stach vor allem ein Mann hervor: Wilhelm Knabe. Der Mitbegründer der Grünen ließ es sich nicht nehmen, die jungen Klimaaktivisten zu unterstützen. Mit dabei: ein Schild mit der Aufschrift „Opa for Future“. Der 95-Jährige nimmt aus Überzeugung an der internationalen Protestbewegung teil: „Seit 70 Jahren setze ich mich für die Umwelt ein und der Kampf wird immer frustrierender.“ Er verrät: „Ohne den Schwung der Jungen wäre ich hier heute nicht dabei.“

Deutlich mehr Teilnehmer als geplant

Gegen 13.10 Uhr setzte sich der Protestzug in Bewegung: Über die Schloßstraße ging es zum Rathausmarkt. Dabei skandierten die Demonstrierenden: „Wir sind hier, wir sind laut — weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Auf dem Rathausmarkt begrüßte Timo Spors von der Grünen Jugend im Namen der Mülheimer Ortsgruppe alle Teilnehmer. „Wir haben 40 bis 80 Leute angemeldet. Es sind auf jeden Fall mehr hier!“ Laut polizeilicher Schätzung waren 500 Demonstrierende vor Ort.

Die 14-jährige Luisa vom Organisationsteam wandte sich am offen

Mikrofon an die Menge: „Auf Kosten anderer Menschen zu leben, ohne es zu merken – das kann so nicht weitergehen! Wir streiken in dem Glauben, etwas ändern zu können.“

Fehlstunden nach wie vor umstritten

OB Ulrich Scholten war ebenfalls vor Ort. Er unterstütze die Klima-Proteste der Schüler. „Man spricht bei Jugendlichen häufig von Politikverdrossenheit, was hier nicht der Fall ist“, sagt er. Fehlzeiten in der Schule ab 13 Uhr könne man noch hinnehmen, dennoch gebe es Einschränkungen: „Die Fehlstunden sind und bleiben Abwägungssache. Jeden Freitag ab 13 Uhr zu fehlen, das geht natürlich auch nicht.“

Das Dilemma der Fehlstunden kennen auch die beiden Lehrerinnen Eltje Lahno und Jasmin Geppert vom Gymnasium Broich. Sie begleiteten zwei Kurse der Oberstufe. „Die Schüler sind auf uns zugekommen, weil sie als gesamter Kurs an der Demo teilnehmen wollten“, erzählt Eltje Lahno. Die meisten Schülerinnen und Schüler haben sich nicht getraut, das Risiko unentschuldigter Fehlstunden einzugehen. So habe man die Schulleitung um eine Beurlaubung gebeten: „Jetzt ist es offiziell eine Exkursion.“

Parents for Future gegründet

Neuerdings gibt es in Mülheim nun auch eine Ortsgruppe der Parents for Future (Eltern für Zukunft). Gegründet wurde sie von Hanna Schenck. Sie hatte sich via Whatsapp-Nachricht erkundigt, ob es auch eine eigene Gruppe für Eltern gebe. Da es keine gab, gründete sie kurzerhand eine — mittlerweile sind gut 30 Mülheimer Eltern dabei. „Ich finde es wichtig, dass wir den Kindern nichts wegnehmen, wenn wir uns engagieren möchten“, begründet Hanna Schenck ihren Einsatz. Unter den Eltern stimme man überein, dass eine Veränderung nur mit generationsübergreifendem Einsatz möglich sei.

Die Mülheimer Ortsgruppe der Fridays for Future-Bewegung als Veranstalter war nach der Demonstration sehr zufrieden. „Es war eine tolle Stimmung und wir hätten nie mit so vielen Teilnehmern gerechnet“, sagt Julian. Für nächste Woche plane man schon die nächste Demonstration, die Uhrzeit stehe aber noch nicht fest.

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