Ausgezeichnet

Ruhrpreis für Robert Schlögl und Klaus Urbons

Dem Co-Preisträger Robert Schlögl (l.) gratulierte Klaus Urbons mit seinem Buch über die Mutter der Sofortbildkamera, Edith Weyde. 

Dem Co-Preisträger Robert Schlögl (l.) gratulierte Klaus Urbons mit seinem Buch über die Mutter der Sofortbildkamera, Edith Weyde. 

Foto: Walter Schernstein

Mülheim.   Der Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Energiekonversion und der Künstler planen eine gemeinsame Experimentalperformance

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Zufällige Querverbindungen zwischen den Ruhrpreisträgern haben sich in der Vergangenheit beim Vorstellungsgespräch der Preisträger immer wieder ergeben, aber bei dem Künstler Klaus Urbons und Robert Schlögl, dem Gründungsdirektor des Max-Planck-Institutes für Chemische Energiekonversion (CEC) scheint die Chemie besonders gut zu funktionieren. In einem feierlichen Festakt in der Sparkasse, die auch das Preisgeld sponsert, werden sie im Dezember die Urkunden und das Preisgeld von jeweils 3000 Euro erhalten.

Berufswunsch hat sich jäh in Luft aufgelöst

Urbons wollte, wie er erzählt, als 14-Jähriger ursprünglich beim Max-Planck-Institut arbeiten, ist mit seinem kleinen Bruder von Broich immer zum Kahlenberg gelaufen und hat dort durch die Fenster geschaut. Doch dieser Berufswunsch hat sich jäh in Luft aufgelöst, doch die Magie der Chemie fasziniert ihn noch immer.

Aus unterschiedlichen Bestandteilen hatte er Superknallerbsen gebastelt, um ahnungslose Fußgänger zu erschrecken. Beim letzten Rest war er aber unvorsichtig, so dass die Ladung schon im Medikamentenröhrchen hoch ging. Seine Haare waren versengt, die Brille weiß getrübt und an den Wangen hatte er auch Brandwunden. „Ich glaube, ich mach was anderes“, entschloss er sich damals und wurde in einer Druckerei zunächst Setzer und leitet seit einigen Jahren das Macroscope an der Friedrich-Ebert-Straße, das künstlerische Möglichkeiten von Kopiergeräten auslotet.

Weißer Kittel und Schutzbrille

Die Anekdote begeistert Schlögl. „Wir machen gemeinsam eine Chemieperformance, am besten auf der Stiftstraße“, schlägt der 63-jährige spontan vor. Urbons bekomme einen weißen Kittel, Schutzbrille und zuvor noch ein Buch von Herbert Walter Roesky mit den Glanzlichtern der chemischen Experimentalkunst. „Das ist wie ein Kochbuch, da können Sie sich Experimente aussuchen, wir haben alle nötigen Chemikalien dafür da. Vorher üben wir das vielleicht noch.“ Und zur Inszenierung werde man noch mit flüssigem Stickstoff für Nebel sorgen. Das Buch kennt er gut, denn als Schlögl in Frankfurt selbst Chemie lehrte, griff er für den Einführungskurs immer wieder darauf zurück.

Eigentlich wollte er Förster werden. Für das Studium reichte sein Numerus clausus aber nicht. Physik, die er später studierte, kam für den gebürtigen Münchner noch nicht in Betracht und so überließ er der Münze die Entscheidung zwischen Chemie und Biologie. Das war in seinem Leben eigentlich typisch. Eine Wissenschaftskarriere habe er nicht langfristig geplant, vieles habe sich ergeben oder habe er spontan entscheiden müssen. Dabei ist er auch Wagnisse eingegangen.

„Lösung der Energiewende treibt mich an“

Als ihm der spätere Nobelpreisträger Gerhard Ertl etwa ein Angebot gemacht hat und ihm eine halbe Stunde Bedenkzeit gewährte, ließ er einen guten Job in der Pharmaindustrie und ein attraktives Baugrundstück, das ihm geschenkt wurde, sausen. Ertl war es auch, der „noch mal in mein Leben eingegriffen hat“, erzählt Schlögl. Er holte ihn an die Max-Planck-Gesellschaft und da hatte Schlögl bald einen Plan, den er über Jahre zäh, hartnäckig und gegen Widerstände durchsetzte. Den Aufbau des CEC, für das sich das in Mülheim bestehende Institut, das er vor Jahren inkognito besuchte, besonders angeboten habe. „Die Lösung der Energiewende treibt mich an“, sagt der Professor, der sein Institut nun personell gut aufgestellt sieht.

Als Kulturdezernent Ulrich Ernst ihn anrief, war er gerade im Meeting, sah die Vorwahl und dachte: „Ach, schon wieder Probleme mit dem Bau. Aber schlimme Dinge muss man schnell regeln.“ Und der vielfach ausgezeichnete Professor hat sich dann, wie Ernst versichert, sehr gefreut.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben