Theater-Premiere

Ruhrorter spielt in Mülheimer Kirche Ovids Metamorphosen

Die Ruhrorter verwandeln sich beim Ovids Metamorphosen in der der Mülheimer Kirche St. Mariae Rosenkranz.

Die Ruhrorter verwandeln sich beim Ovids Metamorphosen in der der Mülheimer Kirche St. Mariae Rosenkranz.

Foto: Franziska Götzen / ruhrorter

Mülheim  Im Kirchenraum von St. Mariae Rosenkranz in Styrum gehen Raum, Klang, Licht und Text eine ganz magische Verbindung ein.

Die Atmosphäre eines Ortes spielt bei den Produktionen von Ruhrorter immer eine zentrale Rolle. Das gilt bei den Verwandlungen, die am Freitag Premiere hatten, in ganz besonderem Maße. Denn der Kirchenraum von St. Mariae Rosenkranz verleiht der Aufführung einen ganz besonderen Zauber. Und um Verwandlungen geht es bei Ovids Metamorphosen.

Die am Theater an der Ruhr angesiedelte Gruppe um Adem Köstereli ist froh, dass die Gemeinde ihnen die Chance und völlig freie Hand gegeben hat. Licht, Raum, Bewegung, Schatten, Text und Klang gehen hier eine magische Verbindung ein. Die Zuschauer sitzen im Altarraum, schauen auf die farbige Rosette, die im Verlaufe des Abends durch die Abendsonne noch zum Leuchten gebracht wird. Aus den Lautsprechern ist ein Flüstern zu vernehmen, das aber kaum verständlich ist. Ein Leuchter schwingt wie ein Pendel.

Silhouetten und irritierende Bilder zwischen den Stühlen

Aus Ovids Metamorphosen stammt auch das Titel gebende Zitat: „Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die flüchtige Stunde“. Auf der Fensterscheibe am Eingang zeichnet sich zum kräftigen Orgelklang eine menschliche Silhouette ab, während die Frau, die eben noch versunken auf einer der Bänke saß, durch die Reihen tänzelt. Dann sind nur noch die Hände erkennbar. Einige Bilder irritieren, sind aber stark und bleiben in Erinnerung – etwa wie sich Saad Kharouf kopfüber in das schwarze Tuch mit den Beinen klammert oder seine Mitspielerin auf den Schultern trägt.

Die Stimmung der Szenen ist wehmütig, ja gedrückt. Ovid wurde verbannt, lebte im heutigen Rumänien, am damaligen Ende der Wet. Er versuchte, den Kontakt zur Heimat aufrecht zu halten. Er fleht, dass er er nicht vergessen wird und zurückkehren darf. Vergeblich. Schwarze Boxen stehen für die Isolation des Menschen in der Einsamkeit. „Kein Ding behält seine eigene Erscheinung, und die ewig schöpferische Natur lässt eine neue Gestalt aus der anderen hervorgehen“, heißt es im Text. „Geboren werden heißt, beginnen, etwas anderes zu sein als vorher und sterben heißt, aufhören, dasselbe zu sein.“

Termine zu den Vorstellungen in der Mülheimer Kirche St. Mariae Rosenkranz: 6./7. Juni, 20.30 Uhr. Karten und Infos gibt es auf der Homepage des Theaters an der Ruhr.

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