Theater-Projekt

Ruhrorter-Gruppe versucht sich am Traum von der idealen Stadt

Das Ruhrorter-Team: Jan Godde, Max Brands Michael Moldenhauer (Quartiersmanager bei SWB), Wanja van Suntum und Adem Köstereli (v.l.)

Foto: Tost

Das Ruhrorter-Team: Jan Godde, Max Brands Michael Moldenhauer (Quartiersmanager bei SWB), Wanja van Suntum und Adem Köstereli (v.l.) Foto: Tost

Mülheim.   Ruhrorter lotet mit seiner neuen Installation in SWB-Wohnungen Formen des Zusammenlebens zwischen Alteingesessenen und Migranten in Mülheim aus.

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Das vierköpfige Ruhrorter-Team kommt gerade von einem Termin aus dem Sozialamt, um dort für sein aktuelles Projekt „Idealstadt“ zu recherchieren. Im Kern geht es darum, wie die Alteingesessenen und die Zugewanderten künftig zusammenleben wollen. Welche Herausforderungen stellen sich ihnen?

Wie schon in den vergangenen Jahren, folgt auf ein Theaterprojekt mit Flüchtlingen eine Installation, deren Kern Interviews bilden. Sozialamtsleiter Thomas Konietzka haben sie dieselben sieben Fragen gestellt, die auf einer Hotline, die heute scharf geschaltet wird, zu hören und zu beantworten sind. Die Hotline funktioniert wie ein Anrufbeantworter: 0160/95114323. Auch bei den Weißen Nächten am Theater an der Ruhr, als Ruhrorter einen Einblick in die Werkstatt bot, waren sie bereits Thema. Aus Sicht von Wanja von Suntum kam das sehr gut an. Zwei Gesprächspartnerinnen haben sogar gesungen, eine das bekannte Lied aus dem Vormärz: „Die Gedanken sind frei“.

Interview-Hotline ab Freitag geschaltet

Mit dem Sozialamtsleiter haben sie darüber hinaus auch spezifische Fragen besprochen und mit ihm den Wandel in der Unterbringung der Flüchtlinge in den vergangenen drei Jahren erörtert. Ähnliche Interviews haben sie bereits unter anderem mit Planungsamtsleiter Felix Blasch, dem Archivleiter Kai Rawe, Franziska Krumwiede-Steiner von den Grünen sowie mit Flüchtlingen geführt. Auch die Radiomoderatorin aus dem Kosovo, Sonija Mehmeti, haben sie befragt. Alles läuft sehr gut, nun hofft Adem Kösterli, dass die Hotline eifrig genutzt wird.

Ziel ist es, Radio zu simulieren, auf dem Bürgerfunk werden sie senden. Und wenn alles wie gewünscht klappt, vielleicht sogar auch live on air gehen können. Für das junge Team ist Radio noch ein Sinnbild für ein kollektives Erleben. Man schart sich in der Küche um ein Empfangsgerät, nimmt die Information auf und kommt darüber in ein Gespräch. Es sind Fragen, zu denen, nach einigen Überlegungen, jeder etwas sagen kann: An welchen Luxus hast du dich gewöhnt; Beschreibe eine Erinnerung aus dem Haus, in dem du aufgewachsen bist. . . Oder: Welche Regeln sind für ein Zusammenleben unerlässlich?

Drei Häuser an der Kleiststraße werden bespielt

Wie schon in den vergangenen Jahren kooperiert Ruhrorter mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWB, was Kösterli sehr freut. Bespielt werden drei Häuser an der Kleiststraße, die bereits weitestgehend geräumt und Ende September einer Neubebauung weichen sollen. Für die Wohnungsbaugesellschaft, die bei der Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt von zentraler Bedeutung ist, stellten sich auf einer anderen Ebene ähnliche Fragen wie den Theatermachern. Ziel ist eine lebendige, weil in jeder Beziehung gemischte Nachbarschaft.

Kösterli ist neugierig zu erfahren, was die Nachbarn in dieser Umbruchsituation denken. Vis-à-vis ist gleich der Quartierspunkt der SWB. Noch ist vieles in der Schwebe. Am 8. September wird das Projekt Idealstadt um 19.30 Uhr an den Start gehen. Für zwei Gruppen soll es parallele Führungen durch die Gebäude mit unterschiedlichen Hörstationen geben. Fünf Folgetermine sind in Vorbereitung. Jan Godde ist als Toningenieur neu im Team und erwägt eine Soundcollage. Auch eine minimale szenische Einrichtung ist geplant, wobei in den geräumten Wohnungen markante Details, die schon vorher da waren, besonders auffallen und skurril wirken: eine spannende Wohnkulisse.

>> DIE IDEALSTADT UNTERWEGS

In einem zweiten Schritt geht die Installation auf Gastspielreise in sieben Privathäuser. Gastgeber für eine kleine Besucherschar sind dann einige Migrantenfamilien. Bei Essen und Musik ergeben sich dann besondere Begegnungen auf Augenhöhe.

Weiter Infos, Termine und Anmeldung unter: www.ruhrorter.com sowie auf Facebook

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