Schulbesuch

Ruhrbischof diskutiert mit Schülern in Mülheim über Kirche

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Ruhrbischof Franz Josef Overbeck (m.) diskutierte mit Schülern des Karl-Ziegler-Gymnasiums in Mülheim über Kirche.

Ruhrbischof Franz Josef Overbeck (m.) diskutierte mit Schülern des Karl-Ziegler-Gymnasiums in Mülheim über Kirche.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Franz Josef Overbeck hat das Karl-Ziegler-Gymnasium besucht. Er redet offen über sein Amt und Glaubenskonflikte. Doch er weicht auch Fragen aus.

Freudestrahlend begrüßt eine junge Schülerin Franz Josef Overbeck, als er den Schulhof des Karl-Ziegler-Gymnasiums betritt. Sie hält ihn für den neuen Schulleiter. Der Bischof klärt die Situation lächelnd auf. Denn er hatte die Schule am Montag besucht, um mit den Kindern über den Glauben zu sprechen und ihnen selbst mal Fragen zu stellen.

Der Bischof wurde von Schülern eingeladen, als sie bereits 2017 bei ihm in Essen zu Besuch waren – im Rahmen des Projektes „Dialog mit der Jugend“. Er ließ sich nun die Schule zeigen, die Arbeit im Café Ziegler erklären und kam dabei mit Schülern ins Gespräch. Sie wollten viel wissen, stellten private Fragen, aber auch Fragen zur Kirche. Der Bischof, der seit 2009 im Ruhrbistum ist, erzählte, dass er viele Sprachen spricht, in der Schule auch Russisch gelernt hat. „Wenn man mit Menschen in Kontakt kommt, kann es sehr hilfreich sein“, sagte er. Der Einladung der Schule sei er gefolgt, weil gerade junge Menschen „wichtig für die Kirche sind“.

Schülern bedeutet Kirche nicht viel

Oft entstehe durch die Familie der Kontakt, nun auch durch den Bischof persönlich. Am Gymnasium lernen rund 300 katholische Schülerinnen und Schüler. Religionslehrer Christoph Mengede weißt: „Nur wenige davon haben Kontakt in die Gemeinden.“ Manche sind etwa Messdiener und lernen neue an. Der Lehrer versucht, durch Projekte wie den Bischofsbesuch, weiter daran zu arbeiten. Einige Schüler erzählten in einer Diskussionsrunde ehrlich, dass sie nicht in die Kirche gehen oder mit Freunden über andere Themen sprechen.

Für viele gehört die Kirche aber doch irgendwie dazu, so wie für Emilia Dally: „Ostern und Weihnachten ist es schön und mir wichtig. Wenn ich sonst weniger in die Kirche gehe, heißt es aber nicht, dass ich weniger glaube.“ Overbeck akzeptiert diese Haltung. Er sagt dazu, dass es wichtig ist, nach außen zu zeigen, wie viele Christen es gibt. „Dafür brauchen wir Orte.“ Und auf die Frage, was er gegen die Kirchenschließungen tun möchte, konterte er: „Wenn ihr alle in die Kirche geht, müssten wir sie nicht schließen.“ Es gibt aber Schüler, die lieber zuhause zu Gott sprechen, so wie Lina Jendrycek.

Bischof kennt Gewissenskonflikte

Overbeck selbst macht das auch, häufig abends vor dem Schlafengehen. Da er vom Papst zum Militärbischof ernannt worden ist, muss er sich oft mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen. Er gehe daran zwar nicht zugrunde, mach sich aber schon Gedanken. „Ich bete zu Gott und überlasse ihm den Rest“, erklärt der 54-Jährige, der darauf angesprochen wurde, ob er die Tätigkeit als Militärbischof überhaupt mit seinem Gewissen vereinbaren kann. „Wir betonen gegenüber den Soldaten, die wir unterstützen, dass wir im Friedensauftrag handeln. Leider muss manchmal aber Gewalt angewendet werden, um sich oder andere davor zu schützen.“ Für Soldaten sei es oft ein Gewissenskonflikt.

Er komme in einen, wenn er in einer Beichte von Sünden hört. Eine Schülerin fragt, wie er mit Mördern umgeht. Overbeck: „Ich darf es nicht melden, die Beichte ist ein geschützter Raum zwischen Gott und uns. Sonst werde ich aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Ich kann Schuldigen ihre Sünden nicht lossprechen. In Fall eines Mörders nur, unter der Bedingung, dass er zur Polizei geht.“

Zur Frage, wieso es sich lohnt, den christlichen Glauben anzunehmen, sagt der Bischof: „Weil Jesus als Prophet toll ist. Er ist gewaltlos, das ist einzigartig.“

>>>Overbeck weicht Fragen zum Zölibat aus

Manchen Fragen ist Ruhrbischof Franz Josef Overbeck ausgewichen, etwa zur Priesterweihe für Frauen oder zum Missbrauch.

Nach katholischem Kirchenrecht kann nur ein biologischer Mann Priester werden. Overbeck stimmt zu, dass Frauen benachteiligt sind.

Dass durch die Auflösung des Zölibats Missbrauch verhindert wird, glaubt er nicht. Es kommt auf sexuelle Reife der Priester an, es seien auch nur fünf Prozent straffällig geworden.

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