Freizeit

Rudern auf der Ruhr in Mülheim wie die echten Wikinger

In einem originalgetreu nachgebauten Wikinger-Boot rudern, das ist in Mülheim auf der Ruhr möglich.

In einem originalgetreu nachgebauten Wikinger-Boot rudern, das ist in Mülheim auf der Ruhr möglich.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mülheim ist die Heimat der neuen Wikinger. Ein Spaß nicht nur für Gruppen. Schnuppertouren mit dem „Müwi“ sind allerdings schon ausverkauft.

Wikinger waren Helden… Leider falsch. Auch wenn die kanadisch-irische Abenteuerserie „Vikings“ gern ein heroisches Bild muskulöser Nordmänner zeichnet — Historiker haben das längst widerlegt. Die Wikinger waren eher Räuber als Lichtgestalten in Blond. Was wahr ist: Wikinger waren ausgezeichnete Seefahrer.

Fürs Stadtmarketing Mülheim (MST) ist Letzteres seit 2002 ein Glücksfall, denn das „Müwi“ (Mülheimer Wikingerschiff) lockt jährlich rund 700 Besucher auf die Ruhr, obwohl diese sogar selber rudern müssen. Das schont die Umwelt und ist anstrengend, aber spaßig zugleich. Die Zwei-Stunden-Schnuppertouren für 2019 sind deshalb ausgebucht, doch Gruppen bis zu 14 Personen können noch bis Oktober vom Wasserbahnhof in See, Pardon, in die Ruhr stechen.

Müwi konkurriert in Hafennähe mit Fußgängern

Angela Christians löst den Knoten und wirft das Tau ins Boot. „Gute Fahrt“, wünscht die Mitarbeiterin des MST und bleibt am Ufer an der alten Schleuse zurück. Langsam knattert das „Müwi“ davon — bis Bootsführer Marc Buddatsch den Gashahn des kleinen Motors zudreht. Jetzt also gilt’s.

14 Teilzeit-Wikinger müssen sich in die Riemen legen, um gemeinsam stromaufwärts gen Mendener Brücke zu rudern. Ein Kraftakt. Kapitän Buddatsch zeigt sich nach wenigen Metern bereits zufrieden. „Vielleicht einen Knoten“, erklärt er, sei das Boot nun schnell. „Was? Die Fußgänger überholen uns trotzdem“, stellt der Schlagmann an Steuerbord fest. Alle lachen. Keine Meuterei weit und breit in Sicht.

Auf der zweistündigen Schnuppertour sind die Besucher in der Regel bunt gemischt. So sitzen am Bug des Müwi zwar zwei schmächtige Jungen, die trotz ihrer vielleicht 13 Jahre kräftig im Takt rudern. Weil es warm ist, verzichtet die komplette Mannschaft auf den obligatorischen Helm mit Hörnern unterm Sitz. Konzentriert geht es ins Ruhrtal hinaus. Kapitän Buddatsch hat Zeit und erzählt ein wenig vom Boot.

Drei Tonnen hölzerne Harmonie

12,5 Meter lang und 2,50 Meter breit ist es und gewaltige zwei Tonnen schwer. Leer, versteht sich. Gebaut wurde das Müwi 2001 von jungen Arbeitslosen. Ein Jahr nach Fertigstellung läuft das Prestigeobjekt des MST aus und wird vorwiegend von Kegelclubs, Fußballvereinen oder Junggesellenabschieden gebucht. „Wobei nicht alle so gut harmonieren wie ihr“, schmeichelt Marc Buddatsch der aktuellen Mannschaft.

Ein Hingucker und beliebtes Motiv für Handyschnappschüsse ist das Müwi in jedem Fall. „Zieht, zieht, zieht“, feuert ein Fußgänger am Ufer die Wikinger an, als das Schiff vorbei schippert. Trotzdem sind einige Ruder ab und zu außerhalb des Wassers. „Ausruhen ist natürlich erlaubt“, sagt der Bootsführer.

Bis zum Wendepunkt an der Mendener Brücke erzählt er von Kanadagänsen, den Häusern in Ufernähe und korrigiert selten an der Technik herum. „Der Rückweg wird entspannter“, verspricht Marc Buddatsch und deutet auf die Brücke im Rücken der Ruderer.

Vor einigen Zuschauern dreht das Schiff stromabwärts, die verschwitzen Gesichter atmen durch — gut für die Besatzung, dass sie nicht bis nach Neufundland rudern müssen.

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