HRW

Rennen am anderen Ende der Welt mit Elektro-Wagen

Startklar: Max Gaidetzka und sein Team treten an diesem Wochenende in Australien an.

Startklar: Max Gaidetzka und sein Team treten an diesem Wochenende in Australien an.

Foto: Gaidetzka

Mülheim.   Student Max Gaidetzka und sein Team von der HRW gehen an diesem Wochenende in Australien mit ihrem Rennwagen mit Elektrobetrieb an den Start.

Es ist schon ein ganz besonderes Fahrgefühl, festgezurrt mit einem Sechs-Punkt-Gurt im Cockpit knapp über dem Boden eingepfercht zu sitzen und kaum gefedert über den Asphalt zu schießen. Auch ein anderes, viel direkteres Geschwindigkeitsgefühl. Die fünf Sekunden, die der Bolide mit dem Elektromotor von Null auf Hundert braucht, sind zwar nicht gerade rekordverdächtig, aber das müssen andere erst einmal besser machen. Das Beste an dem Gefühl ist, dass Max Gaidetzka den Wagen, den er steuert, mit seinen Kommilitonen aus unterschiedlichen Studiengängen an der HRW selbst entwickelt hat. Inzwischen ist es der dritte Rennwagen, der an der Hochschule konstruiert und gebaut wurde.

Zwei Mal schon ist das E-Motion -Racing-Team der Hochschule mit ihm in diesem Jahr an den Start gegangen, einmal im italienischen Varano de’ Melegari und einmal am Hockenheimring. Sie kamen ans Ziel, haben alle Aufgaben absolviert, was selbst für erfahrene Teams, die seit Jahren in der Formular Student antreten, keine Selbstverständlichkeit ist. Die Platzierung ist nicht der Rede wert. Die technische Abnahme war hart und rigoros. „Dabei fällt die Hälfte der Teams aus“, sagt Gaidetzka. Das kann selbst erfahrenen Teams passieren.

Hockenheimring und Varano de’ Melegari

Problemlos waren die Fahrprüfungen auch am Hockenheim nicht. Wenn ein technischer Defekt auftaucht, beim Boxenstopp improvisiert werden muss und jeder weiß, was er zu tun hat und das Team reibungslos Hand in Hand arbeitet, um den Schaden in wenigen Stunden zu beheben, ist das eine tolle Erfahrung. „So etwas kann man in keiner Vorlesung lernen“, sagt Daniel Heiderich, der im zehnten Semester Technisches Produktionsmanagement studiert.

Er lobt das Gemeinschaftsgefühl unter den Teams. Einige Teams gewährten sogar Einblicke in Details ihrer Konstruktion und andere, die bereits ausgeschieden sind, standen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Neben dem Beschleunigungstest kam das Kurvenverhalten des Wagens auf einer liegenden Acht und die Dauerbelastung auf einer 22 Kilometer langen Strecke auf den Prüfstand. Den Ausdauertest, in dem sie den Motor nicht bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit scheuchten und lieber verhalten und auf Sicherheit fuhren, hat der Motor gut überstanden. Punkte sammeln konnten sie dabei freilich nicht. Einige Details haben sie inzwischen aber trotzdem korrigiert.

Gute Gelegenheit auch für Fimen

Jetzt freut sich der 27-jährige Teamchef auf Australien, wo er mit acht weiteren Teamkollegen und Professorin Katja Rösler am zweiten Dezemberwochenende an den Start geht. Dank der Unterstützung von Siemens und der Verpackungsfirma Deufol ist der Wagen schon seit einiger Zeit mit einigen Ersatzteilen und Werkzeug unterwegs um den halben Globus. Mit dem Lkw ging es zunächst nach Hamburg und von dort aus nach Fernost. Alles ist sicher auf einer Palette mit dicker Folie verpackt in einem Container verstaut.

Es geht dabei aber nicht nur um Fahren und Spaß. Längst haben die Firmen erkannt, dass solche Rennevents gute Gelegenheiten für die Rekrutierung ihres Nachwuchses sind und sie schicken dorthin keine Mitarbeiter aus den Bereichen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, sondern Fachleute aus der Fertigung oder der Entwicklung, die wissen, wovon sie sprechen. Die Firmen haben erkannt, dass die Studenten, die sich mit ihren Ideen und ihrem Improvisationstalent auch in schwierigen Phasen der Projektentwicklung bewähren, vielversprechende Mitarbeiter sein können.

Nachtschichten inklusive

Auch den Studenten ist klar, dass sie mit solchen Projekten ihre Vermittlungschancen verbessern und nehmen deshalb die ein oder andere Nachtschicht in Kauf. „Das ist der Lohn der Arbeit“, sagt Gaidetzka über die praktische Erfahrung, die allerdings zulasten eines schnellen Studiums geht. „Mit der E-Mobilität liegen wir goldrichtig. das ist die Zukunft“, ist er sich sicher. Etwa 80 Studenten gehören zum Team, im engeren Kreis sind es 20 bis 30.

Australien war zunächst ein Traum, der dann doch in Erfüllung ging. Für den Transport hatten sie aus dem Budget einen niedrigen fünfstelligen Betrag kalkuliert, die Fahrtkosten trägt das Team selbst. In Winton, das 280 Kilometer südlich von Melbourne liegt, geht es dann am 6. bis 9. Dezember an den Start. Über die sozialen Netzwerke (Emotion Racing) werden sie über ihre Erfahrungen berichten. Zurück in Mülheim werden die Studenten mit der Arbeit an ihrem vierten Rennwagen für die nächste Saison starten. Die Vorbereitungen haben längst begonnen.

>>> Die Formula Student, die Rennklasse der Studenten

Bei der Formula Student zählt das Gesamtpaket aus Geschwindigkeit, Rennperformance, Konstruktion, Effizienz, Finanzplanung und Marketing. Der Parcours ist eine liegende Acht, auf dem sich dann Fahreigenschaften unter schwierigen Bedingungen zeigen. Mittlerweile ist der Wert eines Mittelklassewagen in den neuen Rennwagen geflossen, etwa 40.000 Euro.

Ohne die Unterstützung von Sponsoren, Hochschule und Fördervereins wäre das Projekt nicht denkbar. Rund 40 Studenten sind involviert, sie arbeiten in fünf Arbeitsgruppen neben dem Studium – Erstsemester genauso wie Masterstudenten. Das Projekt ist fachübergreifend angelegt, da es auch um Finanzierung, Business-Plan und zielorientiertes Projekt-Management geht.

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