Soldatenmarke

Rätsel um Verbleib des Mülheimer Soldaten scheint gelöst

Diese Marke eines Mülheimer Soldaten wurde in der Ukraine gefunden.

Diese Marke eines Mülheimer Soldaten wurde in der Ukraine gefunden.

Foto: Frauke Weber

Mülheim.  Ein Mann findet die Marke eines Mülheimer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg nahe des ukrainischen Tlumatsch. Nun ist klar, wer der Soldat war.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen in Mülheim auf die Suche gemacht. Sie wollten das Rätsel lösen, um dessen Aufklärung auch wir gebeten hatten. Nun scheint ein wenig Klarheit in die Sache gekommen zu sein.

Der Soldat, dessen Marke von einem Mann in der Nähe der ukrainischen Stadt Tlumatsch gefunden wurde, konnte namentlich identifiziert werden. Aber nicht nur das: Es gibt auch Hinweise auf sein weiteres Leben – nach dem Ersten Weltkrieg.

„Fritz Gerstenberg ist damals wohlbehalten zu seiner Familie zurückgekehrt“, berichtet Frauke Weber jetzt. Die Information erreichte sie nicht aus dem Mülheimer, sondern dem Aachener Stadtarchiv, das in der Zwischenzeit in die Forschung eingestiegen war. Zum Hintergrund: Frauke Weber, eine junge Frau aus Trier, hat bei den Maltesern in Ivano-Frankivsk in der Ukraine ihren Freiwilligendienst absolviert. Dort ist sie auch an die Marke gekommen – der Finder hatte sie einem Freund der jungen Frau gegeben.

Die Verbindung zum Ersten Weltkrieg hatte sich als richtig erwiesen

Frauke Weber recherchierte, wollte mehr erfahren über das Schicksal des Mannes, dessen Namen man auf der Marke nicht mehr deutlich erkennen konnte. Sie kontaktierte nicht nur unsere Redaktion, sondern auch das Stadtarchiv. Der vom Stadtarchivar Jens Roepstorff schon damals vermutete Nachname „Gerstenberg“ hatte sich als richtig erwiesen. Ebenso die Verbindung zum Ersten Weltkrieg anstatt zum Zweiten Weltkrieg.

„Die klassischen Recherchewege über Meldeunterlagen, Geburts- oder Heiratsurkunden sind aber ins Leere gelaufen“, berichtet Jens Roepstorff. Und weiter: „Bei einer zweiten Recherche sind wir ein paar Umwege gegangen und haben tatsächlich eine Spur gefunden, die von Mülheim nach Aachen führt. Dort sind zwei der jüngeren Geschwister von Fritz Gerstenberg 1965 bzw. 1975 verstorben.“ Ursprünglich stamme die Familie, also die Eltern von Fritz Gerstenberg, aus Bernau bei Berlin. „Bis heute ist aber nicht klar, wo Fritz Gerstenberg geboren ist“, so Jens Roepstorff weiter.

Der Fall Gerstenberg war eine Abwechslung vom Tagesgeschäft

Beim Mülheimer Stadtarchiv habe man versucht, das Schicksal Gerstenbergs in Teamwork zu klären, erzählt Jens Roepstorff. „Es waren mehrere Personen beteiligt, da hat jeder einen anderen Ansatz, das ist immer sehr gut.“ Den Fall Fritz Gerstenberg empfanden Jens Roepstorff und seine Kollegen aus dem Stadtarchiv als „sehr speziell“ – im positiven Sinne – und als Abwechslung zum Tagesgeschäft. „Es ist aber schon sehr ungewöhnlich, dass er überlebt hat. Denn eine Soldatenmarke verliert man eigentlich nicht so schnell.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben