Rechtsextremismus

Nazi-Chats: Ein Polizist wohl Hooligan mit Draht zu Bandidos

Bürger in NRW von Extremismus bei der Polizei schockiert

Angesichts des Rechtsextremismusskandals bei der nordrhein-westfälischen Polizei hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) eine schonungslose Aufklärung des Skandals zugesagt. In einer Straßenumfrage zeigen sich viele Bürger besorgt über die Vorfälle.

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Mülheim/Essen.  Einer der in die Nazi-Chats verwickelten Polizisten soll Mitglied der Hooligans „Alte Garde“ sein - mit Kontakten zu Steeler Jungs und Bandidos.

Im Fall mutmaßlich rechtsextremer WhatsApp-Chats bei der Polizei soll einer der beschuldigten Beamten Mitglied der Essener Hooligangruppierung „Alte Garde“ sein und private Kontakte zu den „Bandidos“ gepflegt haben. Das habe sich aus der Auswertung seines Handys ergeben, heißt es in einem auf Montag (26. Oktober) datierten Bericht der Landesregierung an den Innenausschuss.

So habe man in dem Mobiltelefon Fotos gefunden, die den Polizeibeamten „im privaten Umfeld gemeinsam mit Mitgliedern der Rockergruppierung „Bandidos“ zeigen“. Im Adressbuch seines Telefons hätten sich auch Kontaktdaten der Rocker gefunden.Bei den Razzien Mitte September seien bei den betroffenen Polizisten insgesamt 205 IT-Asservate sichergestellt worden, die ein Gesamtdatenvolumen von riesigen 18,5 Terabyte haben.

In der zuständigen Sondereinheit „Janus“ seien derzeit rund 100 Polizeibeamte mit der Auswertung des Datenmaterials betraut, so das Innenministerium. Inzwischen stehe auch fest, dass in den Chatgruppen mit den Namen „Alphateam“, „Anton“, „A-Team“ und „Best of A-Team“ ausschließlich Polizeibeamte beteiligt gewesen seien.

Zwei Dienstgruppenleitern wird Strafvereitelung vorgeworfen

Darüber hinaus wird gegen zwei Dienstgruppenleiter des Polizeipräsidiums Essen/Mülheim wird seit Anfang des Monats wegen Strafvereitlung im Amt ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, die Schläge eines Polizisten gegen einen bereits gefesselten Mann gedeckt zu haben. Nun ist eine neue Querverbindung bekanntgeworden: Einer der beiden Dienstgruppenleiter war Mitglied der rechtsextremen Whatsapp-Gruppe und ist bereits suspendiert.

Wie ein Sprecher des zuständigen Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, gehört der Dienstgruppenleiter zu denjenigen, die Anfang Oktober vom Präsidium angezeigt wurden, weil sie Mitglieder der Nazi-Chat-Gruppen waren. Laut LAFP gehört er nicht zu den acht Beamten, die auf eine Aufhebung ihrer Suspendierung hoffen können – aber auch nicht zu den 15 Beamten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Am Dienstagnachmittag wurde unserer Redaktion bestätigt, dass acht Beamte ihren Dienst wieder aufnehmen können.

Mitglied der Nazi-Chat-Gruppen soll Schläge gegen Festgenommenen gedeckt haben

Anfang 2019 soll es zu einer „Körperverletzung im Amt“ durch einen 39 Jahre alten Beamten gekommen sein. Ein Festgenommener, ein Deutscher mit Wurzeln in Montenegro, hatte den Polizisten beschuldigt, von ihm geschlagen worden zu sein. Der Polizeibeamte bestritt dies und wurde dabei von einer Kollegin bestätigt.

Als der Festgenommene jedoch wegen falscher Verdächtigung vor Gericht kam, sagte eine zweite Polizistin aus, dass der Kollege tatsächlich zugeschlagen habe, als der Mann schon gefesselt war. Daraufhin gingen die Ermittlungen gegen den 39-Jährigen wegen „Körperverletzung im Amt“ erneut weiter. Auch er soll Mitglied der Nazi-Chats sein. (mit dpa)

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