Umwelt

Urin-Beutel für Krankenhäuser sollen Ruhrwasser verbessern

Röntgenkontrastmittel sollen künftig nicht mehr in der Ruhr und in anderen Gewässern landen. Daran arbeitet ein Forscherteam in Mülheim.

Röntgenkontrastmittel sollen künftig nicht mehr in der Ruhr und in anderen Gewässern landen. Daran arbeitet ein Forscherteam in Mülheim.

Foto: Joachim Singendonk

Mülheim.   Das Pilotprojekt „Merkmal“ will Kontrastmittel in der Ruhr reduzieren. Urinbeutel in Krankenhäusern sollen Vorbild für die ganze Region werden.

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Mit kleinen Mitteln einen Beitrag zur Umwelt leisten – das erhoffen sich die Gründer des neuen Pilotprojektes „Merkmal“. Mülheim soll dabei Vorreiter werden. Konkret geht es um die Reduzierung der Konzentration von Röntgenkontrastmittel in der Ruhr und damit auch im Trinkwasser.

„Unser Ziel ist es, den ewigen Kreislauf des Kontrastmittels in unserem Wasser zu überwinden“, so Dr. Wolf Merkel Geschäftsführer des IWW-Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wasserforschung, das das Projekt leitet. Nach einer ärztlichen Untersuchung scheiden Patienten die Kontrastmittel vollständig aus. Sie gelangen ins Abwasser und so auch in die Ruhr – und schließlich ins Trinkwasser.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt investiert 300 000 €

Da sie sich auch durch modernste Kläranlagen nicht vollständig herausfiltern lassen, verbleibt die Chemikalie im Wasser. Es handelt sich dabei allerdings nur um eine sehr kleine Menge. Laut dem Ruhr-Güte-Bericht waren es zuletzt zwei Mikrogramm pro Liter in der Ruhr bei Mülheim. Das Röntgenkontrastmittel ist damit weder gesundheits- noch umweltschädlich.

Warum investiert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt dennoch 300 000 Euro in das Pilotprojekt? „Wir suchen immer nach Wegen, die es Menschen ermöglichen, etwas für die Umwelt zu tun“, so Dr. Heinrich Bottermann von der Stiftung. Er wünscht sich außerdem, dass „Merkmal“ ein Vorbild für andere Projekte sein könnte. „Wenn wir das Kontrastmittel aus dem Wasser kriegen, könnte das auch mit Medikamenten funktionieren.“

Urinbeutel können im Hausmüll entsorgt werden

Und wie genau kommt das Mittel jetzt aus dem Wasser? Ganz einfach: es darf gar nicht erst hineingelangen. „Wir setzen quasi direkt an der Quelle an“, sagt Wolf Merkel. Patienten sollen 24 Stunden nach ihrer Untersuchung einen Urinbeutel benutzen.

Darin sorgt eine weitere Chemikalie dafür, dass der Urin fest wird. So kann das Kontrastmittel nicht in den Wasserkreislauf gelangen. Der Beutel kann danach einfach im Hausmüll entsorgt werden. Wie das Ganze bei den Patienten ankommt, wird ab Juli in einer dreimonatigen Projektphase in Mülheim getestet. Unter anderem das St. Marien-Hospital und das Ev. Krankenhaus nehmen daran teil.

Keine zusätzlichen Kosten für Patienten

„Bis dahin versuchen wir unser Projekt so gut es geht in den medizinischen Alltag zu integrieren“, so Merkel. Der Urinbeutel soll am Ende zu einer Untersuchung mit Kontrastmitteln einfach dazugehören. Und keine Kosten für Patienten verursachen. Wenn das Projekt in Mülheim erfolgreich ist, soll es im nächsten Schritt auf das gesamte Ruhrgebiet ausgeweitet werden. Wolf Merkel hat eine klare Vision: „Wir wollen am Ende einen erkennbaren Unterschied in der Qualität unserer Ruhr erzielen.“

>>> Auch Radiologische Gemeinschaftspraxis ist mit dabei

Am Pilotprojekt beteiligen sich in Mülheim das St. Marien-Hospital, das Evangelische Krankenhaus, die Radiologische Gemeinschaftspraxis und das Medizinisches Versorgungszentrum Mülheim.

Im Gremium des Projekts ist unter anderem das IWW Zentrum Wasser und die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr vertreten. Weitere Infos zum Pilotprojekt gibt es auf: www.merkmal-ruhr.de

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