OB-Sprechstunde

Picknick mit OB Scholten: Bürger fordern Erhalt der VHS

Gesprächsrunde mit Oberbürgermeister Ulrich Scholten (SPD 2. v.l.) gestern Vormittag in der Freilichtbühne.

Gesprächsrunde mit Oberbürgermeister Ulrich Scholten (SPD 2. v.l.) gestern Vormittag in der Freilichtbühne.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Sprechstunde bei OB Ulrich Scholten: Der Erhalt der alten VHS sowie ein guter ÖPNV sind Schwerpunkte beim Austausch mit den Mülheimer Bürgern.

„Man hat den Eindruck , dass nur der Kämmerer das Sagen hat. Er streicht alles zusammen und erhöht Gebühren. Wann machen er und Politiker mal etwas Gutes für die Stadt. Denken Sie positiv in die Zukunft.“ Ein 82-Jähriger Rentner redet sich seinen Frust von der Seele, gibt Tipps, wie es Mülheim besser machen kann. Oberbürgermeister Ulrich Scholten hört aufmerksam zu bei seiner Sprechstunde – am Sonntagvormittag beim Picknick in der Freilichtbühne. Rund 25 Personen kommen vorbei, um Argumente zu liefern und ihre Meinung zu sagen.

„Alle, die über den Nahverkehr beschließen, fahren nicht damit“

Während die Reglertruppe das Areal für ein Freiluftkonzert am Nachmittag herrichtet, erfährt Scholten, dass mehr Busse und Bahnen in der Stadt fahren sollen statt weniger. „Sorgen Sie für mehr Fahrgäste, die das Geld bringen. Alle Planer und Politiker, die über den Nahverkehr beschließen, fahren doch gar nicht damit, haben keine Ahnung davon, was sie anrichten. Die sparen unsere Stadt doch nur kaputt“, sagte der Senior.

Scholten widersprach nicht: „Als das Konzept für das Netz 23 vorgestellt wurde, hatte ich sofort Thomas Kufen (Oberbürgermeister von Essen, CDU) am Telefon, der mich verständnislos fragte: Warum macht ihr euren ÖPNV kaputt, während wir ihn ausbauen?“ Er habe sich im Rathaus einige Feinde gemacht mit seinem Urteil, das sei wenig intelligent. „Kürzen und gleichzeitig Gebühren erhöhen geht nicht. Kosten senken und Einnahmen steigern. Das brauchen wir für einen guten Nahverkehr.“

„Ein Drittel der Schulden hat die Stadt selbst verursacht“

„Woher hat Mülheim eigentlich die ganzen Schulden? Wir waren mal eine reiche Stadt“, fragt eine Seniorin. „Zwei Drittel sind Kosten für Sozialleistungen und Flüchtlingsunterbringung, zu denen wir verpflichtet sind. Das Geld haben wir vom Bund nie erstattet bekommen. Ein Drittel hat die Stadt in den letzten 25 Jahren selbst verursacht“, antwortet der Oberbürgermeister. Zwischendurch verteilt er Äpfel aus seinem Korb.

„Setzen Sie sich für den Erhalt des Volkshochschulgebäudes ein“, fordern mehrere Besucherinnen und Gäste unter dem großen Sonnenschirm, der zwischendurch auch als Regendach dient. „Finden Sie das Gutachten gut? Wo findet man das im Netz?“ Scholten: „Auf der Stadtseite. Zum Gutachten sage ich nichts. Darüber entscheidet der Rat.“ „Aber der Rat darf nicht auf 30 Jahre für ein Provisorium an der Aktienstraße stimmen“, kommt ein Einwurf. „Der Mietvertrag ist auf fünf Jahre angelegt und danach jeweils um ein Jahr verlängerbar oder kündbar“, antwortet Scholten. Mitglieder der Initiative zum Erhalt der VHS in der Müga verabreden sich mit dem Stadtoberhaupt zu einem Gespräch: „Wir reden darüber.“

Scholten will bei der Kommunalwahl wieder kandidieren

„Wollen Sie bei der nächsten Kommunalwahl wieder als Oberbürgermeister antreten?“ „Ich habe das vor.“ Die Frage, ob er die SPD verlassen wolle, verneint Scholten. „Hat der Pfarrer eine Predigt gehalten, die einem nicht passt, ist das auch kein Grund zum Kirchenaustritt.“ Es komme darauf an, was die SPD wolle. Danach werde er über die Art seiner Kandidatur entscheiden. „Zum Jahresende wissen wir mehr.“

Ulrich Scholten wechselt wieder den Sitzplatz, begrüßt neue Gäste, die auf ihn warten. „Mülheim sieht nicht mehr so gepflegt aus wie einst. Mit weniger Geld kann man nicht alles schaffen. Daher sollten Sie mehr Leute animieren, etwas für ihre Stadt zu tun“, empfiehlt eine Frau. „Stimmt. Viele warten oft nur darauf, dass andere etwas für sie tun“, nickt der Oberbürgermeister. „Wenn ich in anderen Städten unterwegs bin, höre ich viel Positives über Mülheim. Die Sicht von außen auf die Stadt ist viel besser als die der eigenen Bürger.“

„Die Leute sind frustriert und gehen deshalb nicht mehr wählen“

Nach zwei Stunden sind die Meinungen ausgetauscht. „Viele Menschen haben gute Ideen, die im Rathaus und im Rat nicht gehört werden. Diese Leute sind frustriert und gehen deshalb nicht mehr wählen“, hat ein Gast den Kaffee auf. Scholten: „In einer Demokratie brauchen wir Mehrheiten. Das kann ich nicht im Alleingang lösen.“

Später hilft Scholten dem Regler-Team, ein Zeltdach mit mehreren Standbeinen auszustellen: „Die Besucher sollen sich hier heute Nachmittag wohlfühlen.“ Die lockere Gesprächsrunde geht schnell vorbei. Die Picknickkörbe der Gäste sind leichter, Stullen und Stuten verspeist. „Die Bürger leben für ihre Stadt und wollen sie verbessern. Mehrere Anregungen werde ich weitergeben. Das war ein guter Start in den Sonntag“, verabschiedet sich Ulrich Scholten

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