Mobilität

Pia bietet kostenlose Rikscha-Fahrten für Mülheimer Senioren

Reinhard Plath fährt die Seniorinnen Brigitte Mangen (l.) und Ingrid Alles auf einer Fahrrad-Rikscha durch Mülheim.

Reinhard Plath fährt die Seniorinnen Brigitte Mangen (l.) und Ingrid Alles auf einer Fahrrad-Rikscha durch Mülheim.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Mithilfe von Fördergeldern schaffte die Paritätischen Initiative für Arbeit eine moderne Rikscha an. Die Fahrten für Senioren sind kostenlos.

Die Sonne lacht, aber ein kalter Wind weht über den RS1. Ingrid Alles und Brigitte Mangen kann die kalte Luft nichts anhaben. Dick eingemummelt in warme Decken sitzen sie in einer Rikscha und strahlen über das ganze Gesicht. „Das ist wie Urlaub“, schwärmen die beiden Frauen. Schließlich hat Reinhard Plath sie von der Mülheimer Innenstadt bis zum Niederfeldsee in Essen-Altendorf und wieder zurück kutschiert. „Der See ist herrlich, dort wäre ich alleine nie hingekommen. Wir haben Entchen beobachtet und uns später Kaffee und Kuchen gegönnt“, erzählt Ingrid Alles.

Ausfahrten mit der Rikscha – ausgedacht hat sich das ein Team der Pia-Stiftung um Hendrik Konietzny. Einen Förderantrag haben die drei Mitarbeiter ausgearbeitet und eingereicht. Ihre Idee kam an, mit Fördergeldern der Innogy- und der Mercator-Stiftung konnte man eine moderne Rikscha – mit dänischem Design und E-Motor – anschaffen.

Soziale Kontakte durch Rikscha-Fahrten fördern

„Wir haben ja schon das Kiezrad, ein mobiles Café, mit dem wir in die Siedlungen fahren. Wir locken die Leute raus, sie treffen sich am Rad, können Kaffee trinken, Kuchen essen und sich unterhalten. Daran wollen wir mit der Rikscha anknüpfen. Wir möchten Menschen, die nicht mehr so mobil sind, eine Möglichkeit bieten, raus- und rumzukommen“, erklärt Sabine Dams (Pia).

Älteren Leuten, die kein Auto mehr haben oder aus anderen Gründen nicht so mobil sind, möchte man die Möglichkeit bieten, einen Ausflug zu machen und andere Menschen aus der Nachbarschaft kennenzulernen. Auch Ingrid Alles vom Hans-Böckler-Platz und Brigitte Mangen aus dem Sommerhof haben sich heute zum ersten Mal gesehen – und gemeinsam eine schönen Vormittag verbracht.

Weitere Touren sind geplant

„Am liebsten würden wir zusammen noch weitere Touren mit der Rikscha unternehmen“, sagen sie. Was sicherlich möglich ist. Denn: Das Pia-Team hat weitere Rundfahrten ausgearbeitet. Eine Tour – von der Innenstadt zum Aquarius – steht bereits, eine weitere – nach Saarn – ist schon in Planung.

Wichtigste Mitarbeiter im Projekt sind sicherlich die ehrenamtlichen Rikscha-Fahrer. Reinhard Plath ist einer von ihnen, er bringt als begeisterter Radler viel Erfahrung mit. „An die Abmessungen der Rikscha muss man sich erst ein wenig gewöhnen. Und an bestimmten Stellen, wenn es steiler bergauf geht, braucht man auch Kraft“, berichtet er. Ein bisschen Kondition müssten die Fahrer also schon mitbringen.

Theorie-Schulungen vom ADFC

Sie werden vor dem ersten Einsatz aber theoretisch vom ADFC geschult und machen auch einige Übungsrunden. Die Rikscha fährt ganz schön flott. „Optimal ist es natürlich, wenn ein Fahrer auch noch etwas erzählen kann zur Gegend oder zur Natur“, sagt Sabine Dams. Reinhard Plath ist Mitglied im Nabu und hat seinen heutigen Fahrgästen viel zu Flora und Fauna am Wegesrand erklärt.

Die Pia möchte mit dem Rikscha-Projekt auch Alternativen zum Autofahren aufzeigen. Brigitte Mangen, früher Lokalpolitikerin in Mülheim, spinnt die Idee gleich weiter. „Warum sollte man die Rikschafahrten nur als touristisches Event anbieten?“, fragt sie. Ihr Vorschlag: „Rikschas könnten doch in der Fußgängerzone eingesetzt werden, um alte Leute zu den Läden zu bringen. Da müsste man mal den Mobilitätsausschuss der Stadt heiß machen.“ Das Pia-Team denkt indes schon über weitere Maßnahmen zur Förderung des Fahrradverkehrs nach – zum Beispiel darüber, ob man ein Dreirad anschaffen soll – für Menschen die auf zwei Rädern unsicher sind. Auch damit könnte man sich auf dem RS1 den Wind durch die Haare wehen lassen.

Rikscha-Fahrten mit der Pia

Wer einen Ausflug mitmachen möchte, sollte sich telefonisch beim Pia-Team unter 8485718 melden. Die Tour zum Niederfeldsee dauert ca. 120 Minuten.

Die Pia sucht auch weiterhin ehrenamtliche Fahrer, die mit Fahrgästen auf Tour gehen. Sie sollten fit im Radfahren sein und darüber hinaus auch kommunikativ.

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