Tanz-Theater

„On Confluence“ im Ringlokschuppen animiert zum Mitmachen

Das Stück von Jasmin Ihraç

Das Stück von Jasmin Ihraç

Foto: Harald Hoffmann

Mülheim.   Tanzstück von Jasmin Ihraç erinnert an die Clubszene der achtziger Jahre, als Herkunft und Klasse ohne Belang waren.

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Vorsichtshalber steht neben der Garderobe im Ringlokschuppen eine Schüssel mit Ohrstöpseln. Aber so schlimm wird es in den nächsten gut 70 Minuten, wenn pulsierende Beats, Tanz und Soziologie eine unbeschwerte Allianz eingehen, nicht kommen. Und wer sich gern in Clubs rumtreibt und House Music bevorzugt, wird dieses Stück, das passenderweise erst um 22 Uhr begann, umso mehr schätzen. Der Abend klingt sogar mit einem anschwellenden Glockenton ganz zart an.

Er stammt nicht von den beiden Sounddesignern Jan Brauer und Patrick Flynn, die sich schon hinter ihrer Elektronik verschanzt haben, wie ein Blick nach links und rechts deutlich macht. Es sind unterschiedlich große Klangschalen, die einzelne Tänzer um die Choreographin von „On Confluence“, Jasmin Ihraç, zum Schwingen bringen. Die junge Berlinerin hat eine bunte Truppe mit ganz unterschiedlichen Wurzeln, was Tanzformen, aber auch Herkunft betrifft, zusammengestellt, was auch thematisch wichtig wird.

Im Sommer hatten sie im Ringlokschuppen ihre Produktion, bei der auch Lidy Mouw als Dramaturgin eingebunden war, entwickelt, denn in der Hauptstadt sind Proberäume rar und teuer, ein Umstand, von dem der Schuppen schon häufiger profitierte. Seitdem hat sich einiges verändert. Anfang des Jahres hatte das Stück am Berliner Haus mit vier ausverkauften Abenden Premiere.

Zu Beginn bewegen sich die fünf Tänzer noch etwas träge wie Marionetten an schlaffen Seilen durch den Raum. Die Musik beginnt zu pulsieren, und um so lebendiger und spannungsvoller wird es auf der Tanzfläche. Es geht um die sich formierende Club-Szene zu Beginn der 80er-Jahre, als Herkunft und Klasse im Gegensatz zum Alltag keine Rolle spielten. Plötzlich geht das Licht aus. Das ist gewollt, um die Sehwelle zum Mitmachen zu senken. Immer mehr Schatten tanzen. Dabei können Momente der Selbstvergessenheit entstehen. Später gehen aus dem Publikum einige in den Lichtkegel, der die Bühne markiert. Zum Ende bewegen sich die Tänzer Kopf an Schulter, es erklingt die Stimme der Bürgerrechtlerin Angela Davis. Alles kann zusammen fließen.

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